Chess Boxing Club Berlin - Schachboxen - Skurriler Sport Made in Berlin

Di 02.11.21 | 17:28 Uhr | Von Friedrich Rößler
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Eine Partie Schachboxen in Frankreich(Bild: imago images/Hans Lucas)
imago images/Hans Lucas
Video: rbb UM6 | 01.11.2021 | Sebastian Meyer | Bild: imago images/Hans Lucas

Eine Runde Schach, eine Runde Boxen. Was 2003 als Kunstperformance in Berlin begann, hat sich zu einer weltweiten und professionalisierten Sportart entwickelt. Von Friedrich Rößler

Berlin Mitte, Gormannstraße, Training beim Chess Boxing Club Berlin, dem ersten Schachboxverein der Welt. In einem Gym mit Boxring und von der Decke baumelnden Sandsäcken steht die Schachboxen-Traingsruppe an mehreren Tischen, auf denen sich Schachbretter samt Figuren und Uhren befinden. Die Sportlerinnen und Sportler tragen typische Sportswear und an den Händen Boxbandagen. Unter ihnen befindet sich auch Josef Galert vom Vereinsvorstand. Er sagt: "Schachboxen ist die ultimative Mischung zwischen der Kampfsportart Nummer eins Boxen und der Denksportart Nummer eins Schach." Für den Berliner Dozenten mache diese Kombination einen unglaublichen Reiz aus, wenn man es nur einmal ausprobiert habe.

Von Berlin hinaus in die Welt

Genau das haben weltweit immer mehr Menschen, derzeit existieren mehrere Landesverbände wie zum Beispiel in den USA, in Russland, Großbritannien, Italien, Iran oder auch Indien, dem weltweit größten Verband mit über 400 Mitgliedern. Erfinder dieser Sportart ist der mittlerweile verstorbene niederländische Aktionskünstler Iepe Rubingh. 2003 organisierte Rubingh in Berlin den ersten Schaukampf im Schachboxen. Inspiriert habe ihn damals der französische Comic "Froid Équateur". Im selben Jahr fand der erste Weltmeisterschaftskampf in Amsterdam unter Flagge der kurz zuvor in der deutschen Bundeshauptstadt gegründeten "World Chess Boxing Organisation" (WCBO) statt.

Ein Jahr später gründete der Niederländer an der Spree den "Chess Boxing Club Berlin", den weltweit ersten Schachboxen-Verein. Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung des Weltmeisters Rubingh hängt heute zwischen einigen Trophäen in den Räumen des Berliner Vereins, dessen Gründer unvergessen bleibt. Vorstand Josef Galert erinnert sich: "Iepe war im Iran, in Indien, in den USA, in Finnland, in Frankreich, Italien, der hat den Sport auf der ganzen Welt promotet."

"Pfeilschnelles Schlagen und rasantes Ziehen"

Alina Rath ist Galerts Mannschaftskollegin und Weltmeisterin im Schachboxen. 2019 besiegte die Trainerin im türkischen Antalya die Inderin Janhavi Cavhen im Finale. "Ich hatte damals einfach Glück und habe schon in der ersten Schachrunde gewonnen", sagt Rath. Ihre Gegnerin damals hatte große Probleme mit den Schachregeln und warf bereits nach neun Zügen das Handtuch. So etwas könne der Berliner Weltmeisterin nicht passieren, schließlich war Alina Rath 2010 Deutsche Meisterin im Blitzschach.

Schachboxen-Regeln

Die Regeln beim Schachboxen sind ziemlich einfach: drei Minuten Schach, gefolgt von einer Minute Pause, gefolgt von drei Minuten Boxen. Ein Duell geht über elf Runden, sechs davon werden im Schach und fünf davon im Boxen ausgetragen. Der Wettkampf beginnt und endet immer mit dem Denksport. Im Berliner Verein steht nicht der Sieg um jeden Preis im Vordergrund. "Es geht um körperliche und geistige Fitness, um die Kontrolle des Adrenalins in Drucksituationen, um pfeilschnelles Schlagen und rasantes Ziehen" - so steht es auf der Homepage [chessboxingberlin.de]. Alina Rath trainiert fünf Mal in der Woche ihre Schützlinge, dreimal heißt es Boxen, zweimal Schachboxen. "Je ausgeglichener die Gruppe ist, desto einfacher trainiert es sich. Dann hat man quasi eine Spielstärke, auf die man sich einstellen muss", erklärt die Weltmeisterin.

Highlight WM Anfang Dezember

Reines Schach spielen die Vereinsmitglieder nicht gemeinsam in den Übungsräumen, dies tun die Sportlerinnen und Sportler in Eigenregie, miteinander oder alleine am Computer. Und wer sich am bloßen Prügeln erfreut, ist beim Schachboxen ebenfalls falsch, liest man auf der Homepage vom Chess Boxing Club Berlin: "Für manche Sportler geht es auch darum, sich im Training auf einen Schachboxkampf vorzubereiten. Die anderen wollen einfach fit bleiben und ihre Birne dabei mitbenutzen. Niemand wird zum Sparring gezwungen, wir haben genügend Sandsäcke in der Halle hängen."

Aktuell sind alle Augen in der Schachboxen-Welt auf die kommende WM Anfang Dezember auf Sizilien gerichtet. Nach einem Jahr Corona-Pause bereitet sich nicht nur das Team vom Chess Boxing Club Berlin intensiv auf das Highlight der Saison vor. Das Team möchte Berlin als Wiege des Schachboxens sicher gebührend vertreten.

Sendung: rbb UM6, 01.11.2021, 18.00 Uhr

Beitrag von Friedrich Rößler

1 Kommentar

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  1. 1.

    Besonders lustig für die, die dann wirklich in den Ring steigen: Sich in die Visage hauen lassen und dann schauen, was mit den verbliebenen Gehirnzellen noch möglich ist. Das hat doch was, zumindest wenn man etwas quer denkt. Es war ja anscheinend kein weniger destruktiver Sport denkbar, in dem frau/mann sich zwischen den Schachrunden messen könnte...

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