Zwei Festnahmen - East Side Gallery großflächig mit "Feyenoord"-Schriftzug besprüht

Mi 03.11.21 | 19:00 Uhr
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Ein "Feyenoord"-Schriftzug auf der Berliner East-Side-Gallery. (Bild: rbb)
Audio: rbb 88.8 | 03.11.2021 | Juliane Kowollik | Bild: rbb

Vor dem Spiel von Union Berlin gegen Feyenoord Rotterdam in der Conference-League ist die East Side Gallery in Berlin mit einem "Feyenoord"-Schriftzug besprüht worden. Zwei Männer wurden noch in der Nähe festgenommen.

Im Vorfeld des Conference-League-Spiels von Union Berlin gegen Feyenoord Rotterdam ist die East Side Gallery in Berlin-Friedrichshain mit einem "Feyenoord"-Schriftzug besprüht worden.

In der Nacht zu Mittwoch beobachtete der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma zwei vermummte Männer gegen 1.45 Uhr beim Beschmieren der Mauerteile. Die alarmierten Einsatzkräfte stellten einen rund 18 mal zwei Meter großen Schriftzug fest, der auf den Fußballverein Feyenoord Rotterdam hindeutet.

Die Polizei konnte dann nahe der East Side Gallery zwei Personen festnehmen. Das teilte eine Polizeisprecherin rbb|24 auf Nachfrage mit. Bei den beiden Männern im Alter von 21 und 25 Jahren wurden Farbreste an den Händen festgestellt und mehrere Farbspraydosen beschlagnahmt. Sie besitzen die niederländische Staatsbürgerschaft und wurden von der Polizei erkennungsdienstlich behandelt.

Feyenoord-Schriftzug teilweise übersprüht

Nach rbb-Informationen könnten die Beschuldigten noch am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt werden. Das müsse aber abschließend die Staatsanwaltschaft am Bereitschaftsgericht entscheiden, sagte eine Polizeisprecherin.

Nach kurzer Zeit wurde der "Feyenoord"-Schriftzug mit grauer Farbe teilweise übersprüht. Darauf waren stattdessen die Worte "Ultras Union!" zu lesen.

Nachdem Rotterdam Fans den Schriftzug “Feyenoord” auf die East-Side-Gallery gesprüht hatten, wurde der Schriftzug am 03.11.2021 grau übermalt und der Schriftzug “Ultras Union!” darauf gesprüht. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)Der übersprühte Schriftzug an der East Side Gallery.

Nur wenige Stunden später wurde der "Ultras Union"-Schriftzug mit "Hertha BSC!" übersprüht.

Nachdem Rotterdam Fans den Schriftzug “Feyenoord” auf die East-Side-Gallery gesprüht hatten, wurde der Schriftzug grau übermalt und der Schriftzug “Ultras Union!” darauf gesprüht. Darauf hat ein Hertha BSC Fan den Namen seines Vereins gesprüht. (dpa/Christophe Gateau)Ein "Hertha BSC!"-Graffito über einem "Ultras Union"-Graffito über einem "Feyenoord"-Graffito.

Gewaltsame Zwischenfälle beim Hinspiel

Der 1. FC Union Berlin trifft am Donnerstagabend (21 Uhr) im Olympiastadion in der Conference-League-Gruppenphase auf Feyenoord Rotterdam. Vor dem Duell ist die Sicherheitslage angespannt. Rund um das Hinspiel vor zwei Wochen in den Niederlanden war es zu gewaltsamen Zwischenfällen gekommen. Union-Fans und Polizei waren zusammengestoßen, 75 Personen wurden festgenommen, mehrere Anhänger der Köpenicker mussten ins Krankenhaus.

Union beklagte anschließend einen überharten Einsatz der niederländischen Sicherheitskräfte auch gegen Unbeteiligte. Die Polizei stellte die Situation anders dar: Laut ihren Schilderungen hatte zunächst eine Gruppe von 59 Union-Anhängern vor dem Anpfiff die Konfrontation mit Fans von Feyenoord gesucht. Sie standen demnach im Verdacht, "offene Gewalt vorzubereiten". Weitere 16 Personen wurden unter anderem des Vandalismus und des Besitzes von Feuerwerkskörpern verdächtigt.

Bereits einen Tag zuvor war eine Gruppe um Union-Präsident Dirk Zingler in Rotterdam angegriffen worden.

East Side Gallery - buntes Mahnmal unter Denkmalschutz

Die East Side Gallery in Berlin-Friedrichshain ist eine dauerhafte Open-Air-Galerie auf dem längsten noch erhaltenen Teilstück der Berliner Mauer in der Mühlenstraße zwischen dem Berliner Ostbahnhof und der Oberbaumbrücke. Sie gilt als buntes Mahnmal und steht unter Denkmalschutz.

2009 wurde sie von Künstlern restauriert, da mutwillige Zerstörung, Umweltverschmutzung und Witterung einen Teil der Bilder von bekannten Künstlern wie Jim Avignon und Thierry Noir unkenntlich gemacht hatten. Für den Erhalt der East Side Gallery ist seit November 2018 die Stiftung Berliner Mauer zuständig.

Das mit dem Feyenoord-Schriftzug übermalte Kunstwerk trägt den Titel "Der müde Tod" und stammt von Hans-Peter Dürhager und Ralf Jesse.

Archivbild: "Der müde Tod., Hans-Peter Dürhager, Ralf Jesse, 1990" auf der Berliner East Side Gallery am 18. Juli 2019. (Quelle: dpa/Andrea Ronchini)Das Kunstwerk "Der müde Tod" von Hans-Peter Dürhager und Ralf Jesse.

Sendung: rbb UM 6, 03.11.2021, 18 Uhr

76 Kommentare

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  1. 76.

    Nein, da haben Sie mich wohl missverstanden! Ich fand diesen Vergleich einfach nur anmaßend! Und, Kleinkrämer sind wir doch alle, irgendwie, irgendwann, irgendwo!

  2. 75.

    Sie können davon ausgehen, dass die Wand nicht das persönliche Eigentum der Sprayer ist. Also lässt man seine Hände davon. Alles andere ist kriminell und ausgesprochen asozial. Aber das wird der Staatsanwalt den beiden Festgenommenen sicherlich erklären. In der Regel wissen die Vandalen es ja sogar. Gerade das bringt ja den "Kick": Fremde Sachen beschmieren und demolieren. Aber wehe, jemand vergreift sich an deren Eigentum ...

  3. 74.

    Na man kann sich dann ja schon auf das DFB-Pokalspiel (vor)freuen, wenn die schöne Beleuchtung zu je 50% in rot und blau mit Logos das Stadion erleuchten...
    Und diejenigen, die meinen, dass es Klimaschädlich wäre, sei gesagt: ist es nicht und denkt an das Gesetz der großen Zahl, damit man nicht als "Öko-Taliban*innen" wahrgenommen wird....;-)

  4. 73.

    Die Frage nach dem Eigentümer beantworten Ihnen die Polizei und der Staatsanwalt. Zwei festgenommene Männer sollen ja dem Haftrichter vorgeführt werden. Nur weil es die DDR nicht mehr gibt, heißt das nicht, dass Dinge aus der DDR heute keinen Eigentümer hätten. Dieser kann sogar Schadensersatz an die Täter stellen.

  5. 72.

    Vielleicht einfach Mal die Zusammenhänge versuchen zu begreifen, würde da schon weiterhelfen.
    Dazu gehört, die Frage an @Ensleben12 in den Kontext zu setzen.
    Versuchen Sie's, soll ja auch bilden.
    Aber vielleicht sind Sie einfach zu naiv und zu alt.

  6. 70.

    Ist doch cool Feyenoord, besser als die Fake Gallery, denn die Mauer war zur an der Ostseite nicht beschmiert. Und wen interessiert die Mauer noch? Weg mit dem Müll. Hier könnte man noch ein paar schicke Häuser & Locations hinstellen.

  7. 68.

    Könnte in meiner Antwort zu "ablecken" nicht etwas Ironie oder Sarkasmus versteckt gewesen sein?
    Klischees / Vorurteile sind nicht so mein Ding.

  8. 67.

    Zitat: "same 2U

    "Das was scheinbar bei nicht wenigen UNION Fans als nahezu mythische Tradition gepflegt wird, halte ich für ungesund und destruktiv statt gemeinschaftsbildend."


    Haben Unioner jemals eine Delegation eines bsw. englischen Fussballclubs um deren Präsidenten angegriffen, weil Britische Kampfbomber während des 2. WK Angriffe auf Berlin geflogen sind? Genau das ist mit anderen Vorzeichen in Rotterdam passiert. Zingler und Co. wurden dort nur aufgrund ihrer Herkunft von Feyenoord Hools überfallen. Die Gruppe bestand zu 1/3 aus Frauen und auch einigen älteren Personen und niemand trug FCU Insignien . . .

  9. 66.

    Coole Idee ! Einfach absagen und ohne Zuschauer an einem neutralen Standort ( z.B. irgendwas nettes in Sibirien ) später spielen lassen .

  10. 65.

    Sie sind vielleicht lustig. Was hat denn die Frage nach dem Eigentümer mit der Schmiererei zu tun??? Vielleicht sind Sie zu jung oder zu naiv um die Bedeutung dieses Bauwerks zu verstehen. Aber, lesen soll bilden.

  11. 64.

    Da wird der >battle< auch (noch) über das Sprayen ausgetragen. Eher unsportlich und nicht fair play.

    Und darf ich das hier noch schreiben und ein bißchen "Erbsen zählen"?

    1 Graffito / 1 Zucchinio / 1 Capuccino/ 1 Paparazzo/ 1 Biscotto ...

    mehrere Graffiti /Zucchini/ Capucchini/ Paparazzi/ Biscotti

    Iste viele, iste Italiano, iste >nicht eingedeutschtes Fremdwort<, capisce?

  12. 63.

    In diesem Land nennt man das Demokratie gleichzusetzen mit Anarchie, jeder kann machen was er will, Bestrafung ausgeschlossen. Die Polizisten sind wieder die Dummen. Es gibt kein Land auf dieser Welt ,auch in den Demokratien nicht ,wo die Polizei so lächerlich gemacht wird wie in Deutschland

  13. 62.

    Ich schäme mich fúr meine "Landsleute". Hoffentlich wurden die nach Plötzensee gebracht und dürfen die dort längere Zeit verweilen

  14. 61.

    Wessen Eigentum ist die Mauer?
    Die DDR gibt es nicht mehr.
    Oder gehört sie jetzt der viermal umbenannte SED und ist Teil des verschwundenen Parteiguthabens?
    Letztlich aber sollte die "Mauer", und mehr ist es nicht, abgerissen und die Fläche bebaut werden.
    Wegen meiner auch mit Luxuswohnungen.

  15. 60.

    Was ist das für ein Fussballclub, der solche Fans duldet. Nicht nur die Angriffe in Rotterdam auf unsere Unioner, jetzt kommen diese Typen in unsere Stadt und schänden die Eastside Galary. Das ist nicht nur irgendeine Grafitywand, sondern eine mit künstlerischen Mitteln entfremdete Mauer, die Berlin und Europa teilte.
    Das Übermalen mit Union- und Hertha-Schriftzügen macht es nicht besser, zumal diese Berliner um die Bedeutung der Eastside Galary wissen müssten...
    "Narrenhände beschmieren Tisch und Wände", nannte so Was meine Oma...

  16. 59.

    Solche Schmierer sind wahrscheinlich Leute, die ihr Leben nicht im Griff haben und einen Hass auf die Welt haben. Deshalb der Vandalismus. Zu verlieren haben sie wahrscheinlich nicht mehr viel, wegen möglicher Vorstrafen. Wer sowas macht, der hat wahrscheinlich schon wesentlich mehr Sachbeschädigung auf dem Kerbholz.

  17. 58.

    Fremdes Eigentum beschmieren, ist nicht kulturell sondern asozial. Und es ist eine Straftat: Sachbeschädigung.

  18. 57.

    Wie ist es möglich, mitten im Hotspot von Berlin die Mauer in solcher Länge und sauber zu besprühen, ohne dass es wahrgenommen wird. Wo war die Polizei? Wenn "kleine böse Jungs" einen Stromkastrn oder Ähnliches mit drei Strichen durch Graffiti besprühen, noch dazu am Stadtrand von Berlin in einer verlassenen Umgebung, ist die Polizei mit 3 Einsatzwagen vor Ort. Die Täter werden dann wie Schwerverbrecher behandelt, Handschellen, auf den Boden geschmissen ect....
    Was ist denn hier verkehrt gelaufen? Ich möchte keineswegs die Verschmutzung durch Graffiti beschönigen, aber es einmal ins Verhältnis setzen.

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