Turbine Potsdam vor den Wochen der Wahrheit - Eine Philosophie auf dem Prüfstand

Mi 17.11.21 | 07:29 Uhr | Von Patrick Richter
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Jubel bei Turbine Potsdam. / imago images/Beautiful Sports
Video: rbb UM6 | 17.11.2021 | Uri Zahavi | Bild: imago images/Beautiful Sports

Turbine Potsdam befindet sich im Höhenflug. Fünf Siege in Folge gab es zuletzt in der Liga. Nun steht mit den Duellen gegen Hoffenheim, Frankfurt und Bayern ein Mammut-Programm an - ein Test für Trainer Sofian Chahed und sein Team. Von Patrick Richter

Die Frauen-Bundesliga ist in vollem Gange und dieses Jahr spannend wie lange nicht: Gerade einmal ein Punkt trennt die Top Fünf nach dem achten Spieltag voneinander. Mittendrin: Turbine Potsdam. Schon in der vergangenen Saison gelang den Brandenburgerinnen ein ähnlicher guter Start. Halten konnten sie das Niveau nicht. Das könnte nun anders laufen.

Patzer in der vergangenen Saison

"Woran hat es gelegen", lautet ein gern zitierter Satz im Fußball-Geschäft. Diese Frage musste sich Sofian Chahed nach der vergangenen Saison stellen. Nach einem guten Start mit 16 Punkten aus den ersten sechs Spielen ließ Turbine Potsdam im weiteren Saisonverlauf viele Punkte liegen.

Besonders gegen die starken Teams aus Wolfsburg, Bayern und Hoffenheim konnten die Potsdamer in der vergangenen Spielzeit nur drei Punkte ergattern. Hinzu kamen Patzer gegen die vermeintlich schwächeren Mannschaften. Am Ende wurde es Platz vier, was das Verpassen der Champions-League-Qualifikation bedeutete. Insgesamt zu wenig. Doch in dieser Saison soll alles besser werden - und die Hoffnung ist begründet.

Ein fast gelungener Start

Dabei hätte diese schwieriger für Turbine Potsdam kaum starten können. Direkt gegen den Vize-Meister VfL Wolfsburg - und das auch noch auswärts. Die Mannschaft von Sofian Chahed wurde förmlich überrannt. 3:0 lautete der Entstand, dazu noch zwei Aluminiumtreffer der Gastgeber. Alles andere als ein guter Einstand in die Saison.

Doch die Frauen ließen die Köpfe nicht hängen. Außer einem "kleinen Dämpfer gegen Leverkusen", wie es der Trainer beschreibt, ließen sie keine Punkte liegen. "Ich glaube, dass wir dahingehend schon mal einen Schritt weiter sind. Das wir wissen, wen wir als schwächer einschätzen können, wen nicht und wo wir unsere Punkte holen müssen." Der Erfolg gibt ihm recht.

Chaheds Spielphilosophie greift

Die Mannschaft befindet sich auch im zweiten Jahr unter ihrem Trainer noch im Entwicklungsprozess. Gerade der Ansatz, auf junge Spielerinnen zu setzen, benötigt Zeit im Aufbau eines funktionierenden Mannschafts-Konstrukts. "Ich sehe eigentlich schon viel, was ich mir vorstelle", sagt Chahed, "aber natürlich bin ich noch lange nicht zufrieden."

Sein aktuelles Augenmerk liegt vor allem in der Offensive: "Verteidigen ist einfacher, angreifen ist schwerer. Ich glaube, dass wir besonders da noch viele Potentiale ausschöpfen können." Gerade bei den "Pässen in den Lauf" oder Abläufen wie "Tief-Klatsch-Tief" sieht er eine Entwicklung.

Ein starkes Kollektiv

Doch nicht nur die filigrane Technik überzeugt, sondern auch die Moral. Die Comeback-Mentalität der Potsdamerinnen wirkt beeindruckend. Gegen Essen, Freiburg und Köln lagen sie zurück, alle Spiele wurden noch gedreht.

Besonders Melissa Kössler ragte in den jüngsten beiden Spielen heraus, indem sie mit ihren Toren die drei Punkte bescherte. "Ich möchte da niemanden herausheben. Ich denke jeder trägt sein Stückchen für den Erfolg bei", betont Sofian Chahed. Es geht also nur über ein funktionierendes Kollektiv.

Jetzt warten die Top-Gegner

Besonders Bayern und Wolfsburg wirkten in den vergangenen Jahren schier übermächtig. Aktuell trennt die Top Fünf der Liga nur ein Punkt. Ist die qualitative Differenz der Teams wirklich kleiner geworden? "Ich denke minimal", sagt Chahed. "Wir haben bisher kleine Schritte gemacht, aber die Schritte müssen weitergehen und noch größer werden."

Ob Turbine Potsdam weit genug für die Top Drei ist, werden die kommenden Wochen der Wahrheit gegen Hoffenheim, Frankfurt und Bayern zeigen. Für Trainer Sofian Chahed auch eine Art Standortbestimmung, was die spielerischen Qualitäten angeht: "Eine Punkteausbeute haben wir uns nicht vorgeschrieben. Ich bin auch froh, wenn wir gut spielen. Und wenn am Ende des Tages da null Punkte stehen, aber wir trotzdem einen ebenbürtigen Kampf gegeben haben und verlieren etwas unglücklich, dann bin ich natürlich zufriedener, als wenn wir schlecht spielen und abgeschossen werden."

Am Saison-Ende wird eine Mannschaft an den Punkten gemessen. Um diese zu holen, hat Sofian Chahed einen klaren Plan. Sollte seine Mannschaft aus der letzten Saison gelernt haben und seine Philosophie umsetzen, könnte es für eine starke Platzierung reichen. Und dann weiß auch jeder, woran es gelegen hat.

Sendung: rbb UM6, 20.11.2021, 18 Uhr

Beitrag von Patrick Richter

1 Kommentar

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  1. 1.

    Die Potsdamerinnen sind reifer geworden. Das ist gut so, Trainer Chahed ist erfahrener geworden. Das ist gut so. Ein rbb Vorbericht mit Qualität. Das ist gut so. Die Turbine Fans aus der Metropolregion Berlin/Brandenburg sind präsenter denn je. Das ist gut so. Jetzt ist es an der Zeit, dass die rbb TV Programm Koordination frische Ideen entwickelt, dem Trend des Erfolges zu folgen und angemessen die anspruchsvollen Bilder in Szene zu setzen. Lieber heimischer Sender, zeige Farbe, zeige Mut, zeige Diversität, zeige Weitsicht, zeige .Engagement. Die jungen Turbinen sind hoch motiviert. Gemeinsamkeiten finden und guten Fußball spielen. Nichts ist unmöglich, oder?

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