Berlin Vorreiter bei flexiblem Spielrecht für trans* Personen - Dennis spielt noch im Team der Frauen

Mo 15.11.21 | 16:31 Uhr
  2
Archivbild: LGBTQI-Flaggen liegen auf Stadionsitzplätzen ausgebreitet. (imago images/actionpictures)
imago images/actionpictures
Video: rbb UM6 | 12.11.2021 | Simon Wenzel | Bild: imago images/actionpictures

Beim Spielrecht für trans- oder intergeschlechtliche Menschen hat der Berliner Fußball-Verband ein Modell entwickelt, das inzwischen so erfolgreich ist, dass es bundesweit umgesetzt werden soll. Doch das soll nur ein erster Schritt sein.

Dennis Magnus spielt schon seit zehn Jahren beim FC Nordost Berlin in der Bezirksliga Fußball. Der Sportler mit den kurzen blonden Haaren tritt für die erste Frauenmannschaft gegen den Ball, denn vor mehr als einem Jahr hieß Dennis noch Jacqueline. Dennis' Geschlechtsangleichung begann vor mehr als vier Jahren. "Ich habe mich 2016 als trans geoutet, ein Jahr später mit einer Therapie angefangen, dann regelmäßig Testosteron verabreicht bekommen", erzählt der Fußballspieler im Interview mit dem rbb.

Spielrechte für trans- und intergeschlechtliche Menschen

Nach einer Brustabnahme wurden Dennis im Mai als letzter Schritt die Gebärmutter und die Eierstöcke entfernt. Als Mann ist er trotzdem weiterhin fester Bestandteil des Frauenteams. "Ich bin zwar noch nicht als männlich gemeldet, aber ich darf erst mal weiterspielen. Das bedeutet mir sehr viel, weil die Mannschaft einfach supertoll ist", sagt er. Er sei schon sehr lange in der Mannschaft. Und er werde so akzeptiert, wie er sei.

Dennis ist ein gutes Beispiel für ein Modell, mit dem der Berliner Fußball-Verband (BFV) eine Vorreiterrolle im deutschen Sport einnimmt. Es geht um das Spielrecht für trans- und intergeschlechtliche Menschen. Seit anderthalb Jahren können sich Spieler neben "weiblich" und "männlich" auch als "divers" anmelden oder wie Dennis in der Transition frei wählen, wann sie die Mannschaft wechseln.

"Übergang so soft wie möglich gestalten"

Wie wichtig die Tatsache ist, dass Menschen in ihrer Transition ein ihnen vertrautes Umfeld benötigen, bestätigt Michaele Jessica Tschitsche, Ansprechperson für Geschlechter und sexuelle Vielfalt im BFV. "Transidente Personen haben in der Transition ganz vielfältige Probleme im Beruf, Alltag und Familie." Da wolle man den Übergang so soft wie möglich gestalten. "Da ist es gut, wenn das Team Rückhalt bieten kann", erzählt Tschitsche weiter.

Beim FC Nordost und Dennis funktioniert das. Immer mehr Vereine und betroffene Personen kontaktieren inzwischen die Anlaufstelle des BFV. Das "Berliner Modell" läuft gut an und wird bundesweit schon von sechs Landesverbänden kopiert. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) soll bald nachziehen, berichtet Christian Rudolph, Beauftragter für Vielfalt und Toleranz beim DFB. "Das ist auch der Wunsch der Landes- und Regionalverbände, die uns den Auftrag gegeben haben für die Arbeitsgruppe. Jetzt sind wir am Zug und versuchen, das Bestmögliche zu regeln", sagt er.

Viele und neue Herausforderungen

Auf Nachfrage vom rbb wünscht sich Tschitschke vom BFV schon eine bundeseinheitliche Regelung für nächstes Jahr, wenn im März der DFB seinen Bundestag veranstaltet. Rudolph vom DFB meint, es sei keine gute Idee, wenn diese Regelung nur von oben komme. "Alle Landesverbände müssen sich mitgenommen fühlen, dass so etwas bei jedem Mitglied auch ankommt." Der Austausch mit der Community sei da sehr wichtig.

An der Spree ist der BFV da schon weiter, für Michaela Jessica Tschitschke kann das aber nur ein erster Schritt gewesen sein. "Intern können wir zum Beispiel Menschen als divers führen im Erfassungssystem, beim DFB nicht." Weitere Herausforderungen stellen zum Beispiel ganz praktische Dinge wie Umbaumaßnahmen dar, gerade was Duschkabinen für Einzelpersonen oder All-Gender-Toiletten betrifft.

Positive Erfahrung

Ein weiteres Problemfeld stellen die Akzeptanz und die Diskriminierung dar. Tschitschke berichtet von typischen Vorfällen wie Sprüchen auf dem Feld beim Vorbeigehen, die kaum einer mitbekäme. "Es tut sich aber was. Vor drei, vier Jahren war es wesentlich schwieriger, als Transperson Fußball zu spielen."

Und heute? Die Regeln des Berliner Fußball-Verbandes erlauben es Dennis Magnus, als Mann im Berliner Frauenfußball zu spielen. Und auf dem Platz gibt es bislang keine Diskriminierung. "Es gab jetzt schon in der Saison eine positive Sache: Da hat eine Gegnerin gefragt, darf das denn sein? Und der Trainer hat das dann sehr schön erklärt, das fand ich schön", berichtet Dennis.

Robustheit für Männerteam fehle noch

Der Fußballspieler vom FC Nodrost Berlin möchte noch eine komplette Saison bei den Frauen zu Ende spielen und hofft, dass nicht wieder Corona für einen Saisonabbruch sorge. Und dann spielt Dennis Magnus mit dem Gedanken, zu den Männern zu wechseln. "Spielerisch und taktisch dürfte das kein Problem werden, aber diese Robustheit der ersten Herrenmannschaft, das geht noch nicht, wenn ich mir das von außen so anschaue."

Der Wechsel zu den Männern wird daher ein großer Schritt, doch ohne das "Berliner Modell" hätte Dennis Magnus vielleicht schon längst wie viele andere Menschen mit trans- oder intergeschlechtlichem Hintergrund mit dem Vereins-Fußball aufgehört. "Sicher habe ich Bedenken, aber ich weiß ja, an wen ich mich wenden kann."

Sendung: rbb UM6, 12.11.2021, 18:00 Uhr

2 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 1.

    „trans Personen“?? Mensch, Leute …
    (direkt in der „Sub“ – auch wenn sie sich obendrüber befindet)

    Davon abgesehen stolpere ich beim Lesen leider immer wieder über fehlende und auch doppelte Wörter und Satzteile; teilweise gleich mehrere pro Artikel … was immer ein bisschen schade ist, weil ich Euch ansonsten wirklich sehr gerne lese. Vielen Dank für Eure Arbeit!

Nächster Artikel