Hauptstadtderby zwischen Union und Hertha - Die Berliner Stadtrivalen im Vergleich

Mi 17.11.21 | 14:28 Uhr
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Pal Dardai und Urs Fischer beim Handschlag / IMAGO / Matthias Koch
Audio: inforadio | 18.11.2021 | Jakob Rüger | Bild: IMAGO / Matthias Koch

Berlin ist im Derby-Fieber. Am Samstag wird ein neuer Stadtmeister im Stadion an der Alten Försterei gekürt. Doch welcher Verein hat eigentlich abseits des Platzes die Nase vorne? Union und Hertha im großen rbb|24-Vergleich.

Marktwert

Teure Spieler führen nicht immer zum gewünschten Erfolg, da braucht man nur mal nach Paris oder zu Manchester United schauen. Trotzdem kann der Marktwert ein guter Indikator für die Qualität der Spieler sein. Mit den europäischen Top-Mannschaften können die beiden Berliner Bundesligisten natürlich nicht mithalten, aber wie sieht's im nationalen Vergleich aus?

Union Berlin steht mit einem Marktwert von 78,3 Millionen Euro lediglich auf Platz 15 der Bundesliga (transfermarkt.de), hat also eine vergleichsweise preiswerte Mannschaft. Trotzdem spielen sie oben mit, was die These vom Anfang belegt. Außerdem konnten die Eisernen ihren Manschaftswert enorm steigern. Vor zwei Jahren war ihr Kader noch weniger als halb so viel Wert.

Bei Hertha sind die Spieler teurer. Mit einem Marktwert von 122,7 Millionen Euro liegen die Blau-Weißen aber trotzdem nur im Mittelfeld der Bundesliga auf Platz Elf. Dabei ging es der Alten Dame schon mal deutlich besser. Vor nur einem Jahr betrug der Marktwert noch 251,9 Millionen Euro, sackte also seitdem rapide ab.

Transfers

In Herthas Kader herrschte im Sommer hohe Fluktuation. Die Charlottenburger mussten gleich mehrere Leistungsträger verabschieden, wie Matheus Cunha, Jhon Cordoba und Dodi Lukebakio. Den Abgängen wurden zehn Neuverpflichtungen entgegengesetzt.

Trotz zahlreicher teilweise schillernder Namen kamen die Zugänge bei Hertha schwer in Fahrt. Rückkehrer Kevin-Prince Boateng enttäuschte bislang, auch der aus Hoffenheim gekommene Ishak Belfodil machte meist eine unglückliche Figur, wenn Trainer Pal Dardai ihm denn überhaupt Einsatzzeit gewährte. Der international erfahrene Stürmer Stevan Jovetic präsentierte wechselhafte Darbietungen, seine Formkurve zeigte zuletzt allerdings nach oben.

Marco Richter (vom FC Augsburg) und Suat Serdar (FC Schalke 04) haben sich dagegen bereits zu zentralen Stützen des Hertha-Teams entwickelt, beide legen eine Kämpfermentalität an den Tag, die der Mannschaft gut tut.

Union agierte wie in den Jahren zuvor auch in diesem Transfersommer mit meist weitgehend unbekannten Namen. Und es lässt sich sagen: Trotz des Abschied einiger Stützen wie Robert Andrich (Bayer Leverkusen) und Marcus Ingavartsen (FSV Mainz 05) hat Geschäftsführer Oliver Ruhnert den Köpenickern im Sommer wieder einen mehr als tauglichen Kader zusammengestellt, mit gleich 14 Neuzugängen.

Im Angriff glänzt vor allem Sechs-Millionen-Rekordtransfer Taiwo Awoniyi, der wettbewerbsübergreifend bereits zwölf Treffer erzielte. Auch Kevin Behrens (fehlt gegen Hertha wegen eines positiven Corona-Tests), Paul Jaeckel und Andreas Voglsammer erwiesen sich bislang als vielseitig einsetzbare Allzweckswaffen, die sowohl in der Startelf als auch von der Bank den Unterschied machen können.

Mitglieder

Welcher der beiden Hauptstadt-Klubs ist populärer bei den Berlinerinnen und Berlinern?

Darüber kann ein Blick auf die Mitglieder-Zahlen Aufschluss geben. Lange Zeit hatten die Blau-Weißen hier klar die Nase vorn. Doch mittlerweile ist Union auf Augenhöhe, und sogar an Hertha vorbeigezogen. Wenn auch nur knapp.

39.517 Mitglieder (Stand 30. September) zählen die Köpenicker mittlerweile. Hertha liegt mit 38.407 Mitgliedern (Stand 30. Mai) dahinter und ist somit nicht mehr der größte Verein der Hauptstadt.

Das große Buhlen um die Anhänger geht aber weiter. So ist es für Nicht-Mitglieder zum Beispiel mittlerweile fast unmöglich, eines der begehrten Derby-Tickets zu ergattern. Möglicherweise Anreiz für den ein oder anderen Fußball-Fan in der Hauptstadt, sich vorher noch einem der beiden Vereine anzuschließen.

Social Media

Facebook, Twitter, Instagram - Welcher Berliner Verein hat die größte Community?

Anders als bei den Vereinsmitgliedern hat Hertha in den sozialen Medien einen deutlichen Vorsprung. Auf Facebook kommen die Blau-Weißen auf stolze 383.548 Abonnentinnen und Abonnenten. Unions Community ist hier mit 166.872 Menschen nicht einmal halb so groß. Auch auf Instagram ziehen die Bilder der Alten Dame mehr Leute an. 221.000 Menschen folgen ihr hier. Bei Union sind es 149.000. Ähnlich viele Fans haben die Eisernen auf Twitter. Dort kommen sie auf 159.998 Follower. Herthas Tweets erreichen hingegen 357.567 Twitter-Nutzer.

Vereinsstruktur

Vor gut zwei Jahren ist Lars Windhorst öffentlichkeitswirksam bei Hertha BSC eingestiegen, seither flossen rund 375 Millionen Euro. Erfolg brachte das Geld dem Verein noch nicht - dafür ein Ringen, wer bei Hertha die Entscheidungsmacht hat. Nach Recherchen des rbb besitzt Windhorst 64,7 Prozent von Herthas GmbH und Co. KGaA. Dennoch: Wo Richtungsweisendes verhandelt wird, hat der Verein stets die klare Mehrheit gegenüber seinem Investor.

Union Berlin hat es derweil geschafft, sich als erfolgreiches Gegenbeispiel für die fortschreitende Kommerzialisierung im Fußball zu positionieren. Symbolträchtig steht der Stadionausbau von 2009, bei dem rund 2.000 Anhänger halfen, weil das Geld knapp war. Das Bild des friedliebenden, familiären Klubs wird allerdings auch immer mal konterkariert, in dieser Spielzeit etwa durch antisemitische Vorfälle während des Europapokalspiels gegen Maccabi Haifa und der vermuteten Gewaltbereitschaft einiger Union-Anhänger im Rahmen der Partien gegen Feyenoord Rotterdam.

Sendung: Inforadio, 17.11.2021, 08:15 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Was zählt ist auf dem Platz bis der Schiri abpfeift.

  2. 3.

    nun, von gesundem Menschenverstand faseln und nichts davon zeigen ist schon irgendwie widersprüchlich ;-)

    Niemand wird gezwungen, am Samstag in die AF zu gehen. 2G unter freiem Himmel, jeder kann Anreiseart selbst bestimmen, genau so, ob er im Stadion und/oder am Platz weiterhin Maske trägt, ebenso auf seine persönliche Hygiene achten. Wenn das für dich zu viel/zu schwierig ist, dann bleib bitte weg.

    Ich freue mich auf´s Spiel und hoffe, dass sich die Fans beider Seiten diesmal benehmen können.

  3. 2.

    Was heißt hier, dass der Vergleich nicht interessiert. Kommentieren Sie bitte nur für sich und nicht für andere. Danke. Ich bin übrigens Fan von beiden Vereinen. Doch selbst wenn ich eine Karte bekommen könnte, würde ich wegen der aktuellen Situation nicht hingehen.

  4. 1.

    Der Vergleich zwischen beiden Vereinwn interessiert doch gar nicht!

    Vielmehr sollte es am Samstag nur darum gehen diese unglaublich dämliche Entscheidung bzgl. der Vollauslastung halbwegs glimpflich zu überstehen!
    Die Unioner sollten wirklich mal über demTellerrand gucken und lernen, was Solidarität ggü anderen heißt!

    Nein - ich bin kein Anhänger des BCC!
    Fanzugehörigkeit hat nix mit gesundem Menschenverstand zu tun - zeigt sich beim Fußball ja immer wieder in aller Deutlichkeit!

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