Ex-Herthaner in der Major League Soccer - Hany Mukhtar und sein Höhenflug in den USA

Di 23.11.21 | 16:23 Uhr | Von Fabian Friedmann
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Hany Mukhtar jubelt (Quelle: imago images/ZUMA Wire)
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Audio: Inforadio | 23.11.2021 | Heiko Oldörp | Bild: imago images/ZUMA Wire

Ein Berliner Fußballer mischt gerade die amerikanische Major League Soccer auf. Dabei ist Hany Mukhtar auch nach seinem Wechsel zu Nashville SC im Herzen immer ein Herthaner geblieben. Von Fabian Friedmann

"MVP, MVP, MVP!" Die lauten Rufe der Fans der sogenannten Boys in Gold hallten an diesem 18. Juli durch das weite Rund des Nissan Stadiums in Nashville. Dabei waren noch nicht einmal 16 Minuten gespielt in der Partie zwischen dem Nashville SC und Chicago Fire. Doch ein Mann hatte bereits dreimal getroffen: Hany Mukhtar erzielte den frühesten Hattrick in der Geschichte der Major League Soccer.

Mukhtar, der Berliner Fußballer, der einst bei Stern Marienfelde mit dem Kicken begann und später bei Hertha BSC die Ausbildung durchlief und deutscher Junioren-Nationalspieler und Profi wurde. Der aber im Dezember 2014 auszog, um das große Fußballglück in der Fremde zu finden, bei Benfica Lissabon, Red Bull Salzburg und Bröndby Kopenhagen, bevor er am Neujahrstag 2020 offiziell in den USA landete. Nicht erst an dem denkwürdigen Abend im Sommer darauf war der Suchende fündig geworden.

26 Torbeteiligungen in 31 Spielen

"Ich bin hierhergekommen, um langfristig etwas zu erreichen", sagt Mukhtar. "Aber ich bin lange genug im Geschäft, um zu wissen, wie schnelllebig es sein kann." Dabei ist er trotz seiner bewegten Karriere immer noch erst 26 Jahre alt. Er betont, dass er sich sehr wohl fühle in Nashville, der "Music City", wie die Stadt von den Amerikanern auch genannt wird in Anlehnung an die zahlreichen Musikverlage und Plattenfirmen, die hier ihren Sitz haben. Vor allem die Country Musik ist in Tennessee allgegenwärtig.

Beim Nashville FC ist Mukhtar absoluter Leistungsträger im Team des englischen Trainers Gary Smith. In 31 Spielen konnte er bislang 16 Treffer erzielen und zehn vorbereiten. Die Rufe nach dem MVP – dem wertvollsten Spieler – sind auch wegen solcher Leistungsdaten nicht ungehört geblieben. Von der Liga wurde der deutsche Dribbler tatsächlich für den Titel nominiert, als einer von fünf Profis.

Heimspiele im American Football-Stadion

Dass Mukhtar bei dem vor zwei Jahren neu gegründeten Team landete, hatte auch mit der Hartnäckigkeit des Klubs zu tun. "Hier hat man sich von Beginn an sehr um mich bemüht", erzählt Mukhtar. Klubeigner John Ingram ließ ihn mit seinem Privatjet nach Nashville einfliegen. Die Verantwortlichen seien von Beginn an komplett von den Fähigkeiten des offensiven Mittelfeldspielers überzeugt gewesen. "Was mir am meisten imponiert hat, war, dass der Verein gesagt hat: Wir bauen ein komplettes Team um dich herum. Das gibt es im heutigen Profifußball eigentlich nicht mehr.“ Deshalb sei ihm die Entscheidung in die USA zu wechseln auch sehr leicht gefallen.

Zweifel an dem sportlichen Niveau der MLS versteht Mukhtar, betont aber auch: "Der Wechsel von Zlatan Ibrahimovic hat der Liga damals einen enormen Schub verliehen. Seitdem ist die MLS sehr im Kommen." Dazu werde ein offensiver Fußball gespielt. Die Spiele sind zumeist torreich, weshalb auch immer mehr Fans in die Stadien strömen. In Nashville sind es im Schnitt knapp 20.000 Zuschauer pro Spiel. Im nächsten Jahr bekommt der Klub ein eigenes, reines Fußballstadion und muss nicht mehr in der Heimstätte des NFL-Clubs Tennessee Titans antreten.

Bindung zur Hertha immer noch da

Ein wenig Heimweh nach Berlin verspürt der 26-Jährige dennoch – gerade in Corona-Zeiten. Seine ganze Familie lebt nach wie vor in der deutschen Haupstadt. Und die Spiele von Hertha BSC verfolgt er selbst aus der Ferne. "Am Sonntag hatte ich einen sehr schweren Tag", verrät er bezogen auf die 0:2-Niederlage von Hertha im Hauptstadtderby gegen Union. Mit dem heutigen Hertha-Cheftrainer Pal Dardai als Co-Trainer ist Mukhtar deutscher U17-Meister geworden: "Der Kontakt zu Hertha ist nach wie vor da. Da wird immer eine Bindung sein, das ist keine Frage."

Die abgelaufene, reguläre Saison konnte sein Nashville SC auf einem beachtlichen dritten Platz in der Eastern Conference abschließen. Zuhause, in dem Football-Stadion, ist man nach wie vor ungeschlagen. Jetzt geht es in der ersten Runde der Play-Offs gegen Orlando City. Der Respekt vor dem Gegner ist da, aber Hany Mukhtar glaubt felsenfest ans Weiterkommen. Und vielleicht werden dann demnächst die MVP-Rufe für ihn noch lauter durchs Stadion hallen.

Sendung: Inforadio, 23.11.2021, 9.45 Uhr

Beitrag von Fabian Friedmann

1 Kommentar

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  1. 1.

    Also , Herr Selke , für einen EX Herthaner , reicht es immer
    noch in der US Liga !
    Aber Sie sind ja BCC,ler ... , was bleibt übrig ?!

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