Qualifikationsturnier in Berlin - Para-Eishockey-Team nimmt Peking ins Visier

Fr 26.11.21 | 12:44 Uhr
Der deutsche Para-Eishockey-Nationalspieler Lucas Sklorz im Zweikampf mit einem slovakischen Spieler(Bild: imago images/Beautiful Sports)
Video: rbb UM6 | 26.11.2021 | Nico Giese | Bild: imago images/Beautiful Sports

In der Halle des ECC Preussen Berlin will sich das deutsche Para-Eishockey-Team für die paralympischen Spiele 2022 in Peking qualifizieren. Die Chancen stehen gut, denn die Nationalmannschaft ist hoch motiviert und möchte den Heimvorteil voll ausnutzen.

Wer zum ersten Mal beim Para-Eishockey zuschaut, bekommt es eventuell mit der Angst zu tun. Denn wie beim Eishockey geht es auch in dieser Sportart heftig zur Sache. "Das ist eine schnelle, taktische und körperbetonte Sportart, die alles mitbringt", sagt Nationalspieler Lucas Sklorz. Richtig Tempo sei da drin und auch richtiger Körperkontakt.

Und das gefällt den Spielern: "Dieser Sport hat mich noch mal extra angefixt, weil man da einfach intensiv und körperbetont in die Leute reinrauschen kann", sagt Mannschaftskapitän Bas Disveld. Die Regeln gleichen denen vom Eishockey: Sechs Spieler inklusive Torwart, 15 Minuten pro Drittel, bei Torgleichstand folgen fünf Minuten Overtime im Sudden-Death-Modus und wenn es danach immer noch keinen Sieger geben sollte, muss dieser im Penalty-Schießen ermittelt werden.

1994 erste deutsche Para-Eishockey-Teams

Der auffälligste Unterschied zischen Para- und Eishockey ist der Schlitten unter den Spielern. Zwei Schweden entwickelten in den 1970er Jahren einen U-förmigen Rahmen aus Metall und packten zwei Kufen darunter, da sie aufgrund von körperlichen Einschränkungen ihre Schlittschuhe an den Nagel hängen mussten. In Skandinavien breitete sich diese Art von Eishockey unter dem Namen "Sledge-Hockey" rasant aus und eroberte auch Kanada, die USA oder Japan. 1994 gehörte Para-Eishockey im norwegischen Lillehammer zum ersten Mal zum paralympischen Programm, zwei Jahre später folgte die erste Weltmeisterschaft.

Im selben Jahr gründeten sich in Deutschland die ersten Para-Eishockey-Mannschaften, seit der Saison 2000/01 findet in Deutschland ein regulärer Ligenbetrieb statt. 2018 gehörte auch ein Team mit Beteiligung des ECC Preussen Berlin zum Teilnehmerfeld. Mittlerweile heißt das Hauptstadt-Team in der Deutschen Para-Eishockey Liga Para-Eishockeyclub Berlin und trainiert jeden Montagabend in der Eissporthalle Charlottenburg statt.

Die Spiele der deutschen Mannschaft

  • 26.11., Freitag, 18:30 Uhr gegen Italien
  • 27.11., Sonnabend, 18:30 Uhr gegen Norwegen
  • 28.11., Sonntag, 18.30 Uhr gegen Japan
  • 30.11., Dienstag, 18:30 Uhr gegen Schweden
  • 01.12., Mittwoch, 18:30 Uhr gegen Slowakei

Modus Jeder gegen Jeden

In der Halle am Glockenturm dürfte es ab Freitag allerdings sehr viel lauter als sonst werden. Denn dort startet mit der Partie Japan gegen Norwegen das Qualifikationsturnier für die Paralympics in Peking 2022. Insgesamt treten sechs Teams im Wettkampfmodus "Jeder gegen Jeden" an.

Deutschland trifft im ersten Spiel um 18:30 Uhr auf Italien und macht sich große Hoffnungen auf Platz 1 oder 2, die das Ticket nach Peking bedeuten. "Wir haben nichts zu verlieren und sind guter Dinge," sagt Nationaltrainer Andreas Pokorny. In der Vorbereitung habe man schließlich die favorisierten Tschechen geschlagen. "Wir müssen einfach nur die Leistung wiederholen," gibt sich Pokorny kämpferisch.

Bronze bei erster Teilnahme 2006 in Turin

Außerdem spiele man in einer Eishockey-verrückten Stadt, das würde das deutsche Team beflügeln, glaubt der deutsche Nationaltrainer: "Für uns ist das ein riesen Geschenk und eine riesen Chance zugleich, vor heimischem Publikum um die letzten beiden Plätze für Peking zu kämpfen." Die letzten drei paralympsichen Spiele in Vancouver (2010), Sotchi (2014) und Pyeong Chang (2018) verpasste das deutsche Team.

Doch 2006 holte die deutsche Para-Eishockey-Nationalmannschaft in Turin bei seiner ersten Teilnahme gleich die Bronzemedaille. Um das wiederholen zu können, müssen die Jungs von Trainer Pokorny aber erst einmal Erster oder Zweiter beim Qualifikationsturnier in Berlin werden. Der Einlass für Zuschauer erfolgt kostenlos per 2G+-Regelung. Mehr Infos erhalten Sie hier: deutscherbehindertensportverband.de.

Sendung: rbb UM6, 26.11.2021, 18:00 Uhr

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