Regionalliga Nordost: TeBe empfängt Tasmania - Traditionsduell auf Augenhöhe

Di 02.11.21 | 14:06 Uhr | Von Fabian Friedmann
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Tebe-Fans beim Oberliga-Spiel gegen Tasmania im Werner-Seelenbinder Sportpark in Neukölln am 4. August 2019.
Bild: imago/Matthias Koch

TeBe gegen Tasmania – am Mittwoch (19 Uhr) steigt im Mommsenstadion ein Berliner Traditionsduell in der Regionalliga. Beide Vereine haben in ihrer Geschichte viele Höhen und Tiefen erlebt. Heute setzen ihre Trainer vor allem auf die Jugend. Von Fabian Friedmann

Im Jahr 1905 trafen der Rixdorfer TuFC Tasmania und Tennis Borussia Berlin erstmals bei einem Meisterschaftsspiel aufeinander. Endstand 5:1 für Tebe. Seit diesem Duell bestritten die beiden Vereine über 80 Pflichtspiele auf allen Ebenen des Berliner und des überregionalen Fußballs. Am 8. April 1951 strömten gar 20.000 Zuschauer zum Spiel in die Große Kampfbahn an der Neuköllner Oderstraße.

Einer, der in beiden Vereinen aktiv gespielt hat, ist der heutige Tasmania-Trainer Abu Njie. In der Saison 1999/2000 stand er im erweiterten Aufgebot beim damals ambitionierten Zweitligisten Tennis Borussia mit Trainer Winfried Schäfer. An seiner Seite so namhafte Spieler wie Uwe Rösler, Ansgar Brinkmann, Sasa Ciric oder Francisco Copado.

Schmutzige Turbulenzen rund um die "Göttinger Gruppe"

Nije blieb zwar ohne Einsatz im Profiteam, an die Zeit kann er sich aber gut erinnern: “Ich wurde aus Leverkusen verpflichtet, um auch oben dabei zu sein. Doch bei der 1. Mannschaft ging es damals nicht um Geschlossenheit oder ums Kollektiv. Da ging es eher darum, wer fährt das dickere Auto.” Njie geht freiwillig in die 2. Mannschaft. Mit dieser gewinnt er am Ende der Saison den Berliner Pokal.

TeBe versinkt allerdings kurze Zeit später im Chaos aufgrund von schmutziger Turbulenzen rund um seinen Hauptsponsor "Göttinger Gruppe", der den Verein für lange Zeit in finanzielle Schieflage bringen sollte. Die Borussen werden durchgereicht bis in die Oberliga. Sportlicher Tiefpunkt: der Abstieg 2011 in die Berlin-Liga. Dort treffen TeBe und Tasmania wieder aufeinander und spielen 2015 die Meisterschaft unter sich aus. 2020 schaffen die Charlottenburger den Sprung in die Regionalliga. Tasmania folgt ein Jahr später.

Unvergessen für die Tasmania bleibt die einzige Bundesligasaison 1965/66 mit dem ewigen Negativrekord von 31 Spielen ohne Sieg. Danach steht man noch drei Mal in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga, ehe 1973 der Bankrott kommt und der Verein nach Neugründung zunächst in den Niederungen des Berliner Amateurfußballs verschwindet. Der damalige Konkurs hallt bis heute nach in Neukölln.

Für die Heimspiele nach Lichterfelde

Ursprünglich für über 20.000 Zuschauer errichtet, wurde die Tas-Heimstätte an der Oderstraße nach der Insolvenz zurückgebaut. Heute bietet der Werner-Seelenbinder-Sportpark Platz für maximal 3.500 Zuschauer, außerdem fehlen Sicherheitszäune für die Regionalliga, weshalb Tasmania für seine Heimspiele ins Stadion Lichterfelde umziehen muss. "Das Stadion ist zwar schön, und wir fühlen uns gut aufgenommen, aber bei uns im Kiez hätten wir viel mehr Zuschauer. Darum fühlt sich jedes Spiel an wie ein Auswärtsspiel", erklärt Tas-Trainer Abu Njie.

Aktuell befinden sich sowohl TeBe als auch Tasmania im unteren Mittelfeld in der Regionalliga. Die Lila-Weißen stehen auf einem soliden 11. Platz. Tasmania liegt vier Plätze schlechter, feierte zuletzt einen grandiosen Sieg gegen Energie Cottbus (2:1), verlor aber das folgende Spiel gegen Schlusslicht Eilenburg mit 0:3. Würde seine Mannschaft konstanter agieren, Trainer Abu Njie könnte entspannter auf das Spiel gegen Tennis Borussia blicken: "Ich bin kein Träumer. Ich weiß, das TeBe einen qualitativ sehr gut bestückten Kader hat. Wir wollen kontrolliert nach vorne spielen, wobei es da auch um die Mentalität gehen wird."

Geringer Etat als Chance für junge Spieler

TeBe-Trainer Markus Zschiesche stellt sich auf ein offenes Spiel ein, wobei spielerischer Glanz kaum zu erwarten sein wird - zu schlecht die momentanen Platzverhältnisse im Mommsenstadion. "Wir müssen schauen, ob das mit unserem Offensivspiel so funktioniert", sagt Zschiesche, der wie sein Gegenüber fast zwangsläufig auf junge Spieler setzen muss. "Der Rahmen und der Etat lassen nichts anderes zu. So können wir den jungen Spielern aber eine sportliche Perspektive geben. Hier können sie Spielpraxis sammeln und sich für höhere Aufgaben empfehlen.“

Dass diese höheren Aufgaben wohl weder bei TeBe noch Tasmania zu suchen sind, wissen beide Trainer. Man möchte solide wirtschaften. Der Klassenerhalt steht für Markus Zschiesche und Abu Njie im Vordergrund. Ein ähnliches Auf und Ab beider Vereine wie in ihrer über 100-jährigen Geschichte ist also mittelfristig nicht zu erwarten.

Sendung: rbb24, 03.11.2021, 21:45 Uhr

Beitrag von Fabian Friedmann

1 Kommentar

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  1. 1.

    Ra-Ra-Ra
    Bo-rus-sia!

    Das Duell der Bundesligagiganten!

    Trotz der Fehler in der Vergangenheit: beide irre sympathisch und auch irgendwie grandios!
    Fußball abseits des Millionengeschäftes und der abgehobenen Selbstdarsteller - so soll es sein! Das ist mein Fußball!

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