Wilder 3:2-Sieg - Hertha BSC hebt sich die Galavorstellung für den BVB auf

Sa 18.12.21 | 21:36 Uhr
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Hertha-Spieler Marco Richter jubelt nach einem Tor gegen Borussia Dortmund (Quelle: imago-images/Matthias Koch)
Audio: Inforadio | 18.12.2021 | Guido Ringel | Bild: imago images/Matthias Koch

Nur vier Tage nach einer deftigen 0:4-Klatsche präsentierte sich Hertha BSC wie ausgewechselt, spielte ausgerechnet gegen den großen Favoriten Borussia Dortmund wunderbaren Fußball. Matchwinner Marco Richter erzielte zwei sehenswerte Tore.

Hertha BSC hat am Samstagabend überraschend den Tabellenzweiten Borussia Dortmund besiegt. Vier Tage nach einer hoffnungslosen 0:4-Niederlage bei FSV Mainz 05 zeigte die Mannschaft von Tayfun Korkut eine überzeugende und teils berauschende Leistung und gewann mit 3:2 (0:1). Die Treffer für die Herthaner erzielten Ishak Belfodil (51.) und Marco Richter (57., 69.). Für die Dortmunder trafen Julian Brandt (31.) und Steffen Tigges (81.).

Hertha kommt gut ins Spiel

Korkut rotierte im Vergleich zur grusligen Vorstellung beim 0:4 in Mainz gleich auf sechs Positionen. Ekkelenkamp, Maolida, Richter - viele der neuen Startspieler sollten das Vertrauen des Trainers an diesem Tage durch eine glänzende Vorstellung zurückzahlen.

Nach fünf Minuten verzeichneten die Herthaner die erste Chance. Ishak Belfodil stürmte in den Sechzehner, legte ab zu Jurgen Ekkelenkamp. Der Niederländer nahm den Ball gekonnt mit dem Rücken zum Tor an, drehte sich und zog flach ab. Torhüter Marwin Hitz konnte klären.

In der 12. Minute schlug der Dortmunder Meunier einen langen Ball perfekt in den Lauf von Marco Reus. Dortmunds Kapitän versuchte die Kugel mit einer Berührung an Alexander Schwolow vorbeizuspitzeln, doch der Keeper parierte stark.

Zwei Minuten später stand Reus sträflich frei im Strafraum, als ihm erneut Meunier eine wunderbare Flanke auf den Kopf servierte. Hertha hatte Glück, dass das Kopfballspiel nicht zu den größten Stärken des Angreifers gehört.

Schiedsrichter annulliert mehrere Treffer

Hertha erzielte das erste Tor der Partie: Pekarik sprintete über die rechte Seite und brachte einen scharfen Pass in den Fünfmeterraum, Ishak Belfodil und Myziane Maolida rauschten heran. Letztlich war es Maolida, der als erster an den Ball kam und diesen vorbei an Hitz ins Tor beförderte. Allerdings prüfte Schiedsrichter Marco Fritz die Szene am Bildschirm unter gellendem Pfeifkonzert noch mal, und annullierte den Treffer. Belfodil hatte mit einem Bein im Abseits gestanden und war – obwohl ohne Ballberührung - tatsächlich zu nah an der Toraktion dran, als dass der Schiedsrichter die Abseitsstellung als passiv hätte durchwinken können.

Nach einer halben Stunde fiel das 1:0 auf der anderen Seite. Von rechts brachte Dahoud den Ball an die Strafraumkante zu Erling Haaland. Sogleich verdichtete sich die Verteidigung auf die drohende Gefahr aus Norwegen, drei Verteidiger stürzten sich gleichzeitig auf Haaland: Torunarigha, Mittelstädt und Stark. Das schuf Platz auf der linken Strafraumseite für Julian Brandt, der den Ball vom gedankenschnellen Haaland durchgesteckt bekam. Brandt lupfte gekonnt über den herausstürzenden Schwolow zum 1:0.

Den zweiten Dortmunder Treffer erzielte Axel Witsel, allerdings entschied das Schiedsrichtergespann sofort – und korrekt – auf Abseits. Mit 0:1 ging es für de Berliner also zur Pause in die Kabine. Obwohl Dortmund das Spiel in den ersten 45 Minuten kontrollierte, waren mehrere gute Ansätze der Herthaner zu erkennen. Trotz des Rückstandes hinterließ das Auftreten von Korkuts Mannschaft den Eindruck, die 0:4-Grusel-Vorstellung vom Dienstag vergessen machen zu wollen.

Hertha dreht Partie im zweiten Durchgang

Auch nach dem Seitenwechsel agierten die Herthaner spritzig, lauffreudig. In der 51. Minute chippte Darida in den Lauf von Belfodil. Der kraftvolle Algerier setzte sich im Laufduell mit Axel Witsel durch und schloss erfolgreich ab ins kurze Eck zum Gleichstand.

Von da an spielte Hertha BSC wie entfesselt, ihnen dämmerte, dass sie dem großen Favoriten an diesem Abend mehr als nur einen Punkt abringen konnten. Nur fünf Minuten später gelang Maolida in der Nähe des gegnerischen Strafraums an den Ball, sah sich kurz um und entdeckte den verheißungsvoll postierten Marco Richter an der rechten Strafraumkante. Der zog direkt ab und ließ den Ball unhaltbar im linken Torwinkel einschlagen.

Hertha hatte zwischenzeitlich Glück, dass das Schiedsrichtergespann ein drittes Tor an diesem Abend aberkannte, diesmal eines vom Dortmunder Hazard. Beim Zuspiel stand Haaland knapp im Abseits.

Doch Hertha hatte das Spiel mittlerweile komplett unter Kontrolle.

Marco Richter trifft erneut

In der 69. Minute spielte Julian Brandt vorm eigenen Sechzehner einen katastrophalen Fehlpass auf den Herthaner Ekkelenkamp. Der leitete direkt weiter auf Belfodil, der nun nur noch Keeper Hitz vor sich hatte. Doch Dortmunds Torwart konnte parieren - zunächst. Während sich Hitz noch im Prozess des Aufstehens befand, hatte dessen Abpraller bereits Marco Richter erreicht, der an der Strafraumkante lauerte. Richter knallte den Ball ins Dortmunder Gehäuse zum 3:1.

Der Anschlusstreffer für Dortmund durch Steffen Tigges (81.) machte das Spiel noch mal spannend, änderte an diesem Abend aber nichts mehr an der großen Überraschung: Hertha hielt stand gegen Borussia Dortmund.

Das Spiel in der Kurzanalyse

Vor der Partie hatten sich für viele vor allem zwei Fragen gestellt: Wie hoch wird Hertha verlieren? Nach der desaströsen Vorstellung gegen FSV Mainz 05 schien es für die Berliner wenig Anlass zur Hoffnung auf eine Trendwende zu geben. Die andere Frage: Wie oft wird Dortmunds Stürmer-Ass Erling Haaland zum Torjubel abdrehen?

Umso überraschender gestaltete sich die tatsächliche Vorstellung der Charlottenburger. Torunarigha und Stark übernahmen die Dauerbewachung des Norwegers. Haaland blieb in der ersten Hälfte sogar ohne Torschuss. Der Preis dafür waren - zumindest im ersten Durchgang - neue Freiheiten für Haalands Sturmkollegen Brandt und Reus. Letzterer hätte zweimal weitgehend unbewacht für eine frühe Führung sorgen können, Brandt setzte diese dann wenig später in die Tat um.

Trotzdem überwog der Eindruck, dass Herthas Spieler hochmotiviert und geschlossen auftraten. Im zweiten Durchgang fiel insbesondere Herthas Offensivquartett aus Ekkelenkamp, Richter, Maolida und Belfodil durch große Spielfreude und mehrere hübsche Kombinationen auf. Der Lohn: Statt auf dem bedrohlichen Relegationsplatz überwintert Hertha im Tabellenmittelfeld.

Der Liveticker zum Nachlesen

Sendung: rbb24, 18.12.21, 21:45 Uhr

32 Kommentare

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  1. 32.

    Hertha hat in der englischen Woche überhaupt nicht gegen Fürth gespielt.
    Nicht das ihre Kommentare schon peinlich genug sind setzen sie mit ihrer Ahnungslosigkeit noch einen drauf.

  2. 31.

    An Sie und auch an Joshi: Diese Kinder und Jugendlichen hatten augenscheinlich einen Migrationshintergrund, den ich anhand äusserlicher Merkmale definiert habe. Denn ja, es handelte sich um szs. eher stärker pigmentierte Kids. Ob deren Familien hier seit den 50er/60er Jahren oder länger oder kürzer ansässig sind, spielt für mich keine Rolle und ist auch in keinster Weise aus meinem Beitrag herauslesbar. Daher finde ich Ihre "konnotierte Unterstellung" mir gegenüber nicht sehr schön, Nimbus.

  3. 30.

    Ich verstehe Ihren Einwand nicht.
    Schauen Sie sich doch einfach mal die Spiele an, wo der Prinz mitspielte und wo nicht, wo der BCC gewonnen hat und wo nicht
    Ist das für Sie jetzt "grundsätzlich beim Thema und sportlich fair"?

  4. 29.

    Jupp, Mo, Max, Karlheinz, B Stelter…. Und was noch so für Namen Sie verwenden. Bleiben Sie doch einfach grundsätzlich beim Thema und sportlich fair. Dann klappt’s auch mit den Mitmenschen. Danke und schönen Vierten Advent.

  5. 28.

    Sie erkennen also einen Migranten, wenn Sie ihm begegnen? Interessant. Würde mich interessieren, wie Sie das machen. Ich gehe davon aus, Sie sind ein Weißer. Niemand sonst käme auf solche Aussagen.

  6. 27.

    „ offensichtlichen Migrationshintergrund“ Na Klasse. Woran erkennen Sie bitte optisch einen Migrationshintergrund ? Mal Butter bei die Fische. Hautfarbe?

  7. 25.

    Nein,ich habe mich nicht geärgert
    Mann muss ja mal Fair sein ,und auch als Nicht Herthafan sagen ,das Hertha dieses Spiel verdient gewonnen hat,
    Man fragt sich aber ,wie kann es sein ,daß man gegen Fürth kläglich versagt,um dann vier Tage später so ein Spiel zu zeigen
    Sorry ich verstehe diese Mannschaft nicht

  8. 24.

    Wer ist Boateng? Ein Thema, dass zur Zensur führt?
    Nun, der hat doch gar nicht mitgespielt,.
    Zum Glück wohl für die Hertha, denn sonst hätten sie die übliche Klatsche bekommen.
    Ist das Ihnen noch nicht aufgefallen?
    Der "Gekbe-Karten-Sammler" ist wie Hundeschein.... am Hertha-Stollen.

  9. 23.

    Fairer Beitrag, vielen Dank dafür. Aber warum gießen Sie sonst immer,als "fairer Sportsmann" so viel Öl ins Feuer? Das paßt doch nicht.

  10. 22.

    Zitat: ". . . das gibt es eben nur bei Hertha, die eine seriöse Nachwuchsarbeit betreiben, bei der alle satt werden und es egal ist, welche Herkunft und Hautfarbemab hat."

    Erstmal Gratulation an Hertha! Und auch wenn der BVB nicht so gut gespielt hat wie er's eigentlich kann, waren die Blau-Weissen sehr präsent und haben die Schwarz-Gelben gut unter Druck gesetzt. Darauf kann man aufbauen.

    Aber nun mal zu Borninc_burg: Was soll dieses wiederholte Behaupten Ihrerseits, der FCU würde keine Spieler mit Migrationshintergrund und speziell solche mit dunkler Hautfarbe nicht im Verein haben wollen? Das ist üble Nachrede mit der Sie dem Verein Rassismus vorwerfen. Bitte unterlassen Sie künftig solche absurden Behauptungen, die jeglicher Grundlage entbehren, Borninc_burg!
    Nach einem der letzten Heimspiele z. B. saß ich zehn Kinder- und Jugend-Nachwuchsspielern des FCU in der Bahn gegenüber, die ausnahmslos alle einen offensichtlichen Migrationshintergrund hatten. Das ist die Realität.

  11. 21.

    Typisch Hertha: Gegen schlechte Gegner schlecht, gegen gute Gegner gut. Wenn dass nur immer für gute Mannschaften gelten würde!

  12. 20.

    Ihnen ist wohl noch nicht aufgefallen, dass, wenn das "Prinzesschen" nicht spielt, der BCC gewinnt?
    Ob der Hinweis darauf Nun "primitiv" ist, scheinen Sie nur zu wissen, Klein Berndchen.

  13. 19.

    Na, lieber Jupp, da haben sie sich aber ganz schön ärgern müssen. Schönen 4. Advent an alle.

  14. 18.

    Klasse. Einfach nur Klasse.

  15. 17.

    Das war großer Fußball, etwas unerwartet, aber in Berlin sind wir ja damit in den letzten Monaten nicht gerade verwöhnt worden. Diese Mannschaft hat Herz und Courage gezeigt, insbesondere die Berliner Jungs Mittelstädt und Torunarigha. Spielentscheider aus dem Heimatverein, das gibt es eben nur bei Hertha, die eine seriöse Nachwuchsarbeit betreiben, bei der alle satt werden und es egal ist, welche Herkunft und Hautfarbemab hat.

  16. 16.

    Nein Kaiserpingin ,ich Weine nicht ins Kissen
    Wenn eine Mannschaft ein gutes Spiel zeigt ,überrascht und verdient gewinnt, dan Respektiere ich das, auch wenn ich kein Herthafan bin

  17. 15.

    Na, es klappt doch. Weiter so.

  18. 14.

    So,
    Als fairer Sportsmann gratuliere ich natürlich zu diesem Sieg und wünsche allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch
    War ein sehr gutes Spiel von Hertha, und das zollt Respekt
    Auch wenn ich halt nicht gerade Herthafan bin

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