Jahres-Abschluss in Bochum - Union Berlin gewinnt emotionales Spiel an der Castroper Straße

Sa 18.12.21 | 19:18 Uhr
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Union gegen Bochum
Audio: Inforadio | 18.12.2021 | Thomas Hollmann | Bild: imago images/Beautiful Sports

Beim letzten Auftritt im Jahr 2021 sorgt Union Berlin für einen gelungenes Hinrunden-Finale. Beim unbequemen Aufsteiger VfL Bochum entführten die Köpenicker drei Punkte. Ex-Bochumer Luthe parierte glänzend. Der frisch vermählte Kruse entschied das Spiel.

In der letzten Partie des Jahres hat der 1. FC Union Berlin ein hart umkämpftes Auswärtsspiel für sich entschieden. Das Team von Trainer Urs Fischer bezwang den VfL Bochum vor rund 13.500 Zuschauern mit 1:0. Das Tor des Tages erzielte Max Kruse mit einem sehenswerten Dropkick in der 16. Minute. Mit dem Auswärtserfolg sorgten die Köpenicker, die zuvor nur einen Sieg aus fünf Spielen einfahren konnten, für einen gelungenen Jahres-Abschluss. In der Tabelle rückt Union Berlin auf den 6. Rang vor.

Ausgerechnet Luthe mit dem ersten Aufreger

Die rund 13.500 Zuschauer im Ruhrstadion an der Castroper Straße spendeten Unions Torwart Andreas Luthe vor Spielbeginn einen warmen Applaus. Der 34-Jährige wuchs nur eine halbe Autostunde von Bochum entfernt auf, war insgesamt 16 Jahre für den VfL aktiv. Und ausgerechnet Luthe war es dann, der für den ersten Aufreger der Partie sorgte: Der Bochumer Angreifer Christopher Antwi-Adjei stürmte über die linke Seite aufs Unioner Gehäuse zu, nur Verteidiger Paul Jaeckel war noch an ihm dran. Der aus dem Tor herausgeeilte Torhüter räumte beide Spieler ab – was ein gellendes Pfeifkonzert zur Folge hatte in dem Stadion, in dem Luthe als Kind gemeinsam mit seinem Vater in der Ostkurve stand und den VfL anfeuerte.

Nachdem die erste Viertelstunde ohne Torgelegenheit verstrichen war, brachte Bastian Oczipka von der linken Seite eine hohe Flanke auf den langen Pfosten, diese landete bei Grischa Prömel. Per Kopf legte er zurück auf Max Kruse, der komplett unbehelligt auf zentraler Position gewartet hatte. Kruse ließ die Kopfball-Ablage einmal aufprallen, dann schweißte er die Kugel aus 14 Metern hart und unhaltbar in den rechten Winkel. Ein Traumtor durch den Mann, der nur zwei Tage zuvor seine Traumfrau geheiratet hatte.

Soares verhindert 0:2

In der Folge erkämpften sich die Hausherren zunehmend mehr Spielanteile, waren vor lautstarker heimischer Kulisse zunächst die engagiertere Mannschaft. Doch Unions Abwehr stand gewohnt kompakt, sodass sich die Bochumer Angriffsbemühungen spätestens im letzten Spielfeld-Drittel auflösten in Fehlpässe oder Zweikampfverluste.

Eine zwingende Gelegenheit hatten zum Ende des ersten Durchgang wieder die Gäste aus Berlin, die eine sehenswerte Stafette über Taiwo Awoniyi, Max Kruse und Christopher Trimmel vollführten, wobei der Bochumer Soares den Abschluss von Kapitän Trimmel noch abblocken konnte.

In der zweiten Hälfte drückt Bochum

Direkt nach dem Seitenwechsel entwickelte sich eine kurzweilige Partie mit einer Reihe an Offensivaktionen beider Mannschaften. Die gefährlichste Chance verzeichneten zunächst die Bochumer nach 50 Minuten durch Konstantinos Stafylidis, der aus der Distanz draufhielt. Andreas Luthe, dem durch die eigenen Verteidiger die Sicht verdeckt war, hatte Glück, dass der satte Schuss nicht platziert genug war und der Keeper letztlich klären konnte.

Nach einer Stunde hätte der Ausgleich dann fallen müssen. Nachdem Rexhbecaj von außerhalb des Strafraums abzog und Luthe zu einer glänzenden Parade zwang, fiel der Abpraller direkt vor die Füse des Bochumers Milos Pantovic. Der Außenstürmer war offenbar zu überrascht, um zu verwerten – er setzte den Ball weit übers Tor.

Die Bochumer setzten sich nun fest in Unions Hälfte. In der 80. Minute hatte der kurz zuvor kläglich gescheiterte Angreifer Pantovic beinahe seinen großen Auftritt. Aus sieben Metern zog er ab, diesmal schien es, als wäre Andreas Luthe tatsächlich geschlagen, doch der Ball knallte an die Latte. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Bochumer ein Remis redlich verdient gehabt. Doch auch in den vier Minuten Nachspielzeit gelang den Bochumern keine zwingende Gelegenheit mehr. Es blieb beim 1:0 für die Gäste aus Berlin, die sich nach wettbewerbsübergreifend 27 Partien in der Hinrunde auf erholsame Weihnachtsferien freuen dürften.

Im Nachgang der Partie ließ Torschütze Max Kruse im ARD-Interview seinem Frust über das Verhalten der Zuschauer im Bochumer Ruhrstadion freien Lauf. "Schon beim Aufwärmen wird man hier beleidigt", sagte er. Die Unioner Bankspieler seien mit "Bier beworfen" worden. Tatsächlich fingen TV-Bilder ein, wie zahlreiche Bierbecher von der Haupttribüne aus aufs Spielfeld flogen, als der Unioner Rani Khedira nach seiner Auswechslung an ihr vorbeiging.

Die Kurzanalyse

Passend zum Jahresabschluss verdeutlichte die Partie beim VfL Bochum, was die Unioner in der Hinrunde so stark gemacht hat - aber auch, woran die Mannschaft in der Winterpause unbedingt arbeiten sollte.

Bei den Stärken hervorzuheben war in Bochum einmal mehr die Teamleistung und der unbedingte Wille zum Erfolg. Vor der emotionalen Kulisse im Bochumer Ruhrstadion drei Punkte mitzunehmen gelang außer Union in dieser Saison bisher nur der Hertha. Auch die Fünfer-Abwehrreihe stand erneut dicht und ließ Bochumer Offensivaktionen in den meisten Fällen abprallen. Gelang dies nicht, war es wie bereits am vorigen Spieltag gegen den SC Freiburg der Torwart Andreas Luthe, der durch geistesgegenwärtiges Stellungsspiel und schöne Paraden seine Unioner im Spiel hielt.

Wahr ist aber auch: Dass die Partie bei den aufmüpfigen Bochumern bis zum Schluss so spannend blieb, lag wieder einmal an der mangelnden Offensivkraft von Union Berlin. Awoniyi, der erneut ohne Tor blieb, fehlte das Durchsetzungsvermögen. Unions Offensivspiel fehlte Kreativität und eine zugrundeliegende Idee.

Einer schönen Kombination zwischen Oczipka, Prömel und Kruse ist es zu verdanken, dass Union das Kalenderjahr mit einem Sieg beenden durfte.

Der Liveticker zum Nachlesen

Sendung: rbbUM6, 18.12.21, 18 Uhr

14 Kommentare

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  1. 14.

    Die Ostberlin Rufe sind bei den Eisbären. Das finde ich echt grottig. Union grenzt sich eher komplett ggü. allen Nichtmitgliedern ab bzw, grenzt diese aus.

  2. 13.

    Zitat: ". . . halten sie in der Wuhlheide doch den Ost-Kult bis zum Erbrechen hoch..."

    Ach Pinguin, immer wieder der gleiche Quatsch von Ihnen. Beim FCU wird kein "Ost-Kult bis zum Erbrechen" betrieben, von den Fans nicht und vom Verein schon mal gar nicht. Es gibt keine "Ost-Berlin" Sprechchöre o.ä. in der AF zu hören. Richtig ist, dass der überwiegende Teil der Fans aus dem Osten der Stadt und auch der Republik stammt, was natürlich auch mit der "Ost-Vergangenheit" des Clubs zu tun hat. Wobei mittlerweile auch viele zugezogene Berliner aus allen möglichen Regionen Deutschlands dem FCU anhängen.

  3. 12.

    Als ausnahmsweise mal zufriedener Herthafan wundere ich mich ein wenig, warum hier bei dieser Hinrundenbilanz von Union eine von mir als eher gedämpft empfundene Stimmung vorherrscht. Besser hätte Union doch kaum überwintern können, oder? So freuet euch alle! ;)

  4. 11.

    "Ostkult" bitte nicht mit Geschichte verwechseln!
    Union war 24 Jahre in der DDR beheimatet, soll man das jetzt negieren?. Keiner marschiert hier wie Tausende Dresdenfans durch die Gästeblocks Deutschlands und skandiert "Ost, Ost, Ostdeutschland!". Übrigens wird das "Kultige" oft medial bedient und geht den meisten Unionern auf Dauer selbst auf die Nerven.

  5. 10.

    Diese Ost-West-Debatte kann ich echt nicht mehr hören. Warum halten Sie daran fest? Solche ewig Gestrigen wie Sie sind einfach nur peinlich.

  6. 9.

    „ Vor der emotionalen Kulisse im Bochumer Ruhrstadion drei Punkte mitzunehmen gelang außer Union in dieser Saison bisher nur der Hertha. “

    Lustig. Bochum scheint ein gutes Pflaster für Berliner zu sein

  7. 8.

    Sie sind kein Fußballfan? Zumindest nicht eines Vereines?
    Heimspiele sind dort, wo der Verein wohnt!

    Hinzu kommt, bei allem Respekt ggü der Leistung der Köpenicker, dass die Vorstellung, dass ein Anhänger dieses Vereins sich im Westen der Stadt daheim fühlt, irgendwie irritierend - halten sie in der Wuhlheide doch den Ost-Kult bis zum Erbrechen hoch...

  8. 7.

    Großer BCC ist schon doppelt gemoppelt. Großstadtverein ist der FCU übrigens auch. Man muss einfach mal Berlin als Ganzes betrachten und als Big City akzeptieren. Wir haben zwei Vereine in der BL. Und beide haben es an diesem Spieltag gerockt.

  9. 6.

    Eine herausragende Hinrunde vom FCU, inkl. Europapokal mit unfassbaren 27 Punkten.
    Schnöne Weihnachten allen Unionern und auf dass wir dem großen BCC weiterhin die Stirn bieten. :))

  10. 5.

    Warum die Stimmung durch so einen Kommentar vermiesen? Union hat zuhause gespielt, in Berlin. Sie hätten aus Köpenick locker hingehen können.

  11. 4.

    Bin 100%tig zufrieden mit dieser Hinrunde. Schade, dass Union im Europapokal keine Heimspiele hatte.

  12. 3.

    Kruse feiert die schönsten Weihnachten seine Karriere.
    Und lässt uns teilhaben. Frohes Fest Allen !!!!!!!!!!!!!!

  13. 2.

    Glückwunsch an allen Unionern.Jetzt Ausruhen, erholen ,feiern und dann die
    restlichen 13 Pkt. holen.
    FrohesFest,Guten Rutsch und der Wunsch wieder International dabei zu sein

  14. 1.

    Super! Glückwunsch aus der Lausitz! Drei weitere Punkte für das ganz große Ziel erneuter Klassenerhalt! Wünsche allen Eisernen ein frohes Fest und bleibt alle gesund! Und guten Rutsch!

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