Mobile Wohnboxen - Wie Union-Fans in diesem Winter "Little Homes" für Obdachlose bauen

Mo 06.12.21 | 14:27 Uhr
  14
Union Fans bauen eine "Little Home" für Obdachlose. Quelle: Sven Lüdecke, "Little Home e.V."
Video: rbb|24 | 06.12.2021 | Material: rbbUM6 | Bild: Sven Lüdecke, "Little Home e.V."

Mit mobilen Wohnboxen wollen Fans von Union Berlin in diesem Winter Obdachlosen in der Hauptstadt helfen. Am Sonntag trafen sich rund 50 Anhänger der Eisernen, um gemeinsam drei der sogenannten "Little Homes" zu errichten.

Es wird gesägt, geschraubt und gepinselt. Union-Fans, die sonst gemeinsam auf der Tribüne im Stadion in der Alten Försterei die Spiele ihrer Mannschaft verfolgen, haben sich am Sonntag einem Projekt abseits des Fußballs gewidmet. Zusammen wollen sie sich für die Obdachlosen in Köpenick und Berlin einsetzen. Sie bauen sogenannte "Tiny Homes", die Menschen ohne Bleibe im Winter ein Dach über dem Kopf gewährleisten sollen.

Die mobilen Wohnboxen sind etwa 3 Quadratmeter groß und verfügen über eine Matratze, ein Regal, ein Erste-Hilfe-Set, einen Feuerlöscher, eine Campingtoilette und eine kleine Arbeitsfläche mit einer Kochmöglichkeit. Gemeinsam mit dem Verein "Little Home", der in Köln gegründet wurde, bauen die Union-Fans an diesem Tag drei der temporären Unterkünfte für Obdachlose. Weitere sollen in den nächsten Monaten errichtet werden.

"Spirit von Union"

Union und seine Fans unterstützen schon seit Jahren wohnungslose Menschen mit verschiedenen Projekten. Diesmal bauen rund 50 Fans an den mobilen Wohnboxen. "Wir streichen die Boxen extra in rot und weiß. Wir machen das total gerne. Das ist einfach der Spirit von Union", sagt Helferin Anette Ishorst, die am Sonntag mit rot-weißer Union-Pudelmütze zum Bauen gekommen ist.

Das Projekt ist komplett durch Spendengelder finanziert. Vom Zuspruch und den Hilfsangeboten wurde André Heine, einer der Organisatoren, überwältigt. "Wir haben die Aktion auf der Union-Website veröffentlicht. Es kam sofort reger Zulauf und wir haben viel mehr Anmeldungen bekommen, als wir Leute brauchen", sagt Heine.

Er kam über einen bekannten Obdachlosen auf die Idee, die Boxen gemeinsam mit anderen Fans zu bauen. "Ein mir von einem anderen Projekt bekannter Ex-Insasse wurde in die Obdachlosigkeit entlassen und bekam innerhalb von zwei Tagen ein "Little Home". So habe ich das Modell kennengelernt", sagt Heine. "Ich arbeite schon länger mit der Union-Stiftung zusammen und habe gefragt, ob wir nicht drei dieser 'Little Homes' gemeinsam bauen wollen." Die Stiftung habe sich sofort interessiert gezeigt und nun das Projekt auch mit umgesetzt.

Ein fertiges "Little Home" von innen. Quelle: Sven Lüdecke, "Little Home e.V."So sieht ein fertiges "Little Home" von innen aus.

Bezugsfertig innerhalb von drei Stunden

Insgesamt wollen die Fans innerhalb des nächsten Jahres zehn Hütten bauen, es werden also auch in den kommenden Monaten Helferinnen und Helfer benötigt.

68 solcher "Little Homes" stehen bereits in Berlin und sind für Obdachlose zugänglich. Teilweise wohnen die Menschen zwischen drei und zwölf Monaten in einer mobilen Wohnbox.

Die 50 Union-Fans brauchen am Sonntag etwa drei Stunden, um eine Box zu errichten. Noch am selben Tag wurden sie bezugsfertig ausgeliefert.

Sven Lüdecke, Gründer des Vereins "Little Home" ist mehr als zufrieden mit den helfenden Händen. "Ich habe immer gedacht, Fußball-Fans seien engstirnig und würden immer nur an ihren Verein denken. Aber heute habe ich ein ganz neues Bild der Fans. Sie machen viel mehr, als nur ins Stadion zu gehen. Das ist super", zeigt sich Lüdecke begeistert.

Der nächste Aktionstag, an dem weitere Hütten gebaut werden sollen, ist für März geplant. Auch dann wollen die Union-Fans wieder zeigen, dass sie an weitaus mehr denken, als nur an ihren Fußballverein.

Sendung: rbbUM6, 05.12.21, 18 Uhr

14 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 14.

    Einmal davon abgesehen dass ich alles was den Wohnungs- und Obdachlosen hilft für gut befinde, sogar diese Boxen in welcher Farbe auch immer, spiegel sie doch die Situation in unserem doch eher reichen Statt wider.
    "Die Würde des Menschen ist unantastbar" scheint mir hier nicht gegeben wenn Menschen in solch Box leben sollen.
    Aber lieber RBB, auch andere Vereine in dieser Stadt helfen Bedürftigen und da sollten sie auch einmal berichten ansonsten wird hier der Eindruck erweckt dass Union mit seinen Fans die Einzigen sind die das tun.

  2. 13.

    Hier muß man einfach sagen : Super Aktion ! Auch wenn ich gern mal ein wenig über die Union Fans lästere ,so muß ich hier sagen : Respekt für die Unioner ! Eventuell rettet so eine "Box" einen Menschen vor dem Erfrieren , und deswegen ist diese Aktion einfach nur Klasse .

  3. 11.

    Ich bin bei der Kältehilfe engagiert. Möchten Sie mal ne Nacht mitkommen? Wo habe ich gemeckert? Ich haben nur dem Vorkommentator beigepflichtet. Ihr Leseverständnis in allen Ehren, aber wenn Sie schon in ein Gespräch einsteigen, dann bitte erst alles lesen. Danke.

  4. 10.

    Was für eine großartige Aktion, Gratulation!

  5. 9.

    Ich sehe hier in erster Linie, dass Menschen Menschen helfen. Das ist für mich das einzige was zählt und sicher mehr, als einige der ewig meckernden tun. Die Bekämpfung der Obdachlosigkeit steht auf einem ganz anderen Blatt. Bin übrigens kein Unionfan.

  6. 8.

    Was haben sie denn in letzter Zeit für Obdachlose unternommen ?
    Meckern von der Couch kann jeder.

  7. 7.

    Ja, erschreckend. Diese Verschläge sind natürlich besser als auf der Straße liegen zu müssen. Mit „Wohnen“ im eigentlichen Sinne hat es nichts zu tun. Wenn wir erstmal anfangen, die Dinger zu stapeln dann wird es richtig schlimm.

  8. 6.

    So sehr ich das Engagement begrüße und so eine kleine Unterkunft immer noch besser als ein Platz auf der Straße ist,das Wahre ist es nicht.
    Wenn ein Obdachloser bereit ist in so einem Verschlag zu leben,hat er sicher auch nichts gegen eine kleine Wohnung. Daher finde ich das Projekt "housing first" wesentlich besser.

    Jeder der will,sollte in diesem Land mindestens in einer kleinen Wohnung leben dürfen.

  9. 5.

    Ihre Politsalbaderei können Sie sich hier mal sparen. Diese Aktion ging von Union Fans in Privatinitiative aus und hat auch nicht das Geringste mit dem Hauptsponsor "Aroundtown" zu tun. Sie fabulieren hier Couchsozialistisch von "zynisch" oder "perfide Heuchelei", und diskreditieren selbstherrlich den Einsatz der engagierten Menschen vor Ort. Und dass Sie dem Verein ein allgemein schlechtes Image unterstellen, ist nur das Krönchen auf Ihrer ranzigen Torte, "rbb-24-nutzer".

  10. 4.

    oh geil, da hat man doch tatsächlich Haare in der Suppe gefunden. Diese bösen unioner aber auch!!!
    Anstatt zu meckern und auf die obdachlosenheime zu verweisen, wo auch nicht jeder Platz findet oder aus Angst sich anzustecken nicht jeder rein will, einfach mal mit zu fassen und sowas unterstützen. Das wäre ja mal was, egal von wem es kommt. Der Wille und die Teilnahme entscheidet.

  11. 3.

    Eine zutiefst zynische PR-Aktion für das schlechte image des Vereins. Wenn man sich von einem Immobilien-Spekulanten und zusätzlich vom größten Investment-Management-Moloch der Welt, BlackRock, finanzieren lässt, sind solche Aktionen perfide Heuchelei. Man ist aufgrund des eigenen Investors an Verdrängung und damit nachweislich der Entstehung und Begünstigung von Wohnungslosigkeit massiv beteiligt. Einem solchen Verein nicht mehr blind, desinformierend und ignorant zu huldigen, das wäre wirklich ein Schritt gegen Wohnungslosigkeit.

    Und nochmals konkret zu den Little Homes etc.: Jedem(!) wohnungslosen Menschen steht bezirklich eine Notunterkunft u. Betreuung zu, s. ASOG. Diese Aktion geht komplett vorbei an menschenrechtlichen Standards und verfestigt soziale Ungerechtigkeiten. Nebenbei bemerkt wurden solche Bauten in der Vergangenheit in Berlin sogar von Bezirken mutwillig zerstört, wenn sie z.B. lokalen Festen "im Weg" sind.

  12. 2.

    Auch für jemanden der kein Fußballfan ist, eine sehr gute Sache.
    Einzig was mich ein wenig stört ist der Anstrich in den Vereinsfarben, eine neutrale Farbgebung wäre besser, nicht das da ein paar Bekloppte auf dumme Ideen kommen.

  13. 1.

    Einmal Eisern, immer Eisern.
    Danke - ihr Fans seit der wahre Hauptstadtclub.

Nächster Artikel