Gehörlose Schwimmerin Paula Pichier - Eine Zwölfjährige auf dem Weg zu den Deaflympics

Mi 08.12.21 | 15:35 Uhr
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Para-Schwimmerin Paula Pichier während einer Trainings-Pause. Quelle: rbb
Video: rbbUM6 | 08.12.21 | 18 Uhr | Johanna Rüdiger | Bild: rbb

Ende November erregte die Berliner Schwimmerin Paula Pichier bei der Gehörlosen-Kurzbahn-WM Aufsehen. Mit nur zwölf Jahren schwamm sie in gleich mehreren Finale mit. Für das kommende Jahr hat sie ein noch größeres Ziel.

Paula Pichier schwimmt, seitdem sie drei Jahre alt ist. Die heute Zwölfjährige geht für die Wasserfreunde Spandau an den Start. An der Poelchau-Sportschule im Olympiapark ist Paula die einzige gehörlose Schwimmerin. Im Training trifft sie ausschließlich auf Hörende.

Insbesondere in den vergangenen Wochen war Paula äußerst erfolgreich. Bei der ersten Gehörlosen-Kurzbahn-WM im November ging die junge Berlinerin als einzige weibliche deutsche Teilnehmerin an den Start. Über die 200 Meter Brust wurde sie im polnischen Gliwice überraschend Sechste, auch über 200 Meter Rücken schwamm sie auf den sechsten Platz. Für die Zukunft hat Paula noch größere Ziele.

Hörimplantate als wichtiger Begleiter

Auf den ersten Blick sind die unscheinbaren Hörimplantate kaum zu erkennen. Erst wenn man genau hinschaut, sieht man die kleinen, grauen Bügel, die um Paulas Ohr liegen. Für die junge Schwimmerin sind die Implantate im Becken wichtige Begleiter. "Mit den Hörgeräten ist es super", sagt Paula während einer Trainingspause. "Ohne die Hörgeräte kann ich das Wasser nicht hören. Ich merke dann nicht, wenn jemand von hinten an mich heranschwimmt."

Auch den Austausch mit ihrer Trainerin Renate Stamm vereinfachen die Hörhilfen. "Sie versteckt sich manchmal hinter ihren Hörgeräten", sagt Stamm lächelnd. "Ich kann ihr dann immer ansehen, dass sie mich schon ganz genau versteht", sagt die Trainerin weiter. Eine Sonderbehandlung bekommt Paula also nicht. Die will sie aber auch gar nicht. Für die Zwölfjährige stehen ehrgeizige Ziele im Vordergrund.

"Deaflympics" als Ziel

Im nächsten Jahr finden in Brasilien die Deaflympics statt, die Olympischen Spiele für Gehörlose. Paula gibt sich bereits einige Monate im Vorfeld selbstbewusst: "Bei den Deaflympics wäre ich gerne dabei", sagt sie. Und schiebt lachend hinterher: "Irgendwann will ich dort dann auch eine Medaille holen."

Dass Paula talentiert ist und auch im internationalen Vergleich vorne mitschwimmen kann, hat sie bei der WM eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Zweimal kam sie als Sechste ins Ziel. Für sie persönlich war die WM in Polen ein absolutes Highlight, wie sie erzählt. "Das war super. Ich habe gedacht, ich würde nicht so weit nach vorne kommen. Ich habe es aber geschafft, mehrmals ins Finale zu kommen, bei sieben Starts bin ich sieben Mal Bestzeit geschwommen und habe Altersklassen-Rekorde aufgestellt", zählt Paula auf.

"Keine Lust mehr, nur zuzuschauen"

Zum Schwimmen ist die Berlinerin, die sich für die Wasserfreunde auch in Wettkämpfen mit Hörenden misst, damals über ihren Bruder gekommen. "Ich saß früher immer auf der Tribüne, wenn mein Bruder Kita-Schwimmen hatte. Irgendwann habe ich gesagt, dass ich keine Lust mehr habe, nur zuzuschauen. Ich wollte selbst schwimmen. Seitdem ich durfte, macht es mir sehr viel Spaß", sagt sie.

Mittlerweile sei sie sogar besser als ihr Bruder, sagt sie mit einem verschmitzten Grinsen. Dass sie mit zwölf Jahren auch schon international zu einer der besten gehörlosen Schwimmerinnen gehört, will sie mit einer Teilnahme an den Deaflympics im Mai nächsten Jahres beweisen.

Sendung: rbbUM6, 08.12.21, 18 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Ich drücke ihr auf jeden Fall die Daumen. Sie hat große Ziele und kann diese erreichen, wenn sie an sich glaubt. Und wenn es ihr auch noch Freude bereitet, besser geht's nicht.

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