Vor nur 750 Zuschauern in Stuttgart - Premiere für Hertha-Trainer Tayfun Korkut

Fr 03.12.21 | 15:48 Uhr | Von Dennis Wiese
Tayfun Korkut
Audio: Inforadio | 04.12.2021 | Dennis Wiese | Bild: imago images/Nordphoto

Mal wieder ein Neustart bei Hertha BSC. Tayfun Korkut ist im Westend der sechste Trainer innerhalb von zwei Jahren. Korkuts Ziel: Die Mannschaft stabilisieren und gleich im ersten Spiel in der Heimatstadt punkten. Von Dennis Wiese

Das Personal

Tayfun Korkut stehen bei seiner Premiere beinahe alle Profis zur Verfügung. Mit Dedryck Boyata kehrt nach abgesessener Rotsperre auch der Abwehrboss zurück. Marton Dardai hingegen wird in der Innenverteidigung verletzungsbedingt fehlen.

Auf welche taktische Ausrichtung der neue Trainer im Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart (Sonntag ab 15:30 Uhr live im rbb24-Audiostream) setzen wird, wollte er bei der Pressekonferenz am Freitagnachmittag nicht verraten. Nur so viel: "Wir werden in der Abwehr mit einer Viererkette spielen, die hat der Mannschaft Stabilität gegeben." Wichtig sei Korkut der Grundgedanke: "Wir wollen den Ball haben. Daran haben wir in den letzten Tagen intensiv gearbeitet."

Es fehlen: Marton Dardai (Gesäßmuskelverletzung), Rune Jarstein (Knie-OP), Lukas Klünter (Aufbautraining nach Schulter-OP)

Die Form

Zwei Punkte holte Hertha aus den vergangenen vier Spielen – zu wenig. Auch diese Ausbeute, vor allen Dingen das Auftreten der Blau-Weißen, führte zur Entlassung von Trainer Pal Dardai.

Gerade in den Auswärtsspielen in Hoffenheim und im emotional aufgeladenen Stadtderby bei Union wirkte Hertha komplett neben der Spur. In beiden Partien blieben die Berliner chancenlos und verloren jeweils mit 0:2. In den Heimspielen gegen Leverkusen und Augsburg (je 1:1) sah es deutlich besser aus, vor allem gegen Augsburg war in der lahmenden Offensive eine Spielidee zu erkennen, Hertha spielte sich endlich einmal Torchancen heraus. Und doch gab die Mannschaft den Sieg beide Male durch späte Gegentreffer aus der Hand.

Einstellung, Wille, Leidenschaft. Auch das soll der neue Trainer Tayfun Korkut nun aus seiner Mannschaft herauskitzeln. Aktuell laufe die Kennenlernphase, so der neue Coach. Die ersten Eindrücke seien aber durchaus positiv.

 

Der Gegner

...erbringt gerade den Beweis, dass an einer alten Fußballweisheit manchmal etwas dran ist: "Das zweite Jahr nach dem Aufstieg ist immer das schwierigste" heißt es gerne. Überzeugte Stuttgart als Neuling im vergangenen Jahr noch in der Bundesliga, kämpft der VfB nun darum, die Abstiegsplätze zu verlassen. Am Ende der vergangenen Saison standen die Schwaben dank vieler unbekümmerter Auftritte auf dem neunten Tabellenplatz, aktuell sind sie 15., punktgleich mit Augsburg auf dem Relegationsplatz.

Einer der überragenden Offensivspieler der Vorsaison, Silas Katompa Mvumpa, fehlte monatelang mit einem Kreuzbandriss und gab erst am vergangenen Wochenende sein Comeback. Auch hat Stuttgart wichtige Spiele gegen die direkten Konkurrenten verloren. Aus dreizehn Partien gab es erst drei Siege. Trainer Korkut erwartet einen "dynamischen Gegner, der viel auf Umschaltmomente setzen wird. Wir wollen uns nicht verstecken."

Herthaner im Fokus

Tayfun Korkut soll es richten. Als sechster Hertha-Trainer innerhalb von zwei Jahren. Korkuts Aufgabe: Die neuen Spieler, wie Jurgen Ekkelenkamp und Myziane Maolida, besser integrieren, die alten Herthaner, wie Jordan Torunarigha oder Maximilian Mittelstädt, besser machen.

Kurzum: Eine wacklige Mannschaft aus der Abstiegsregion ins sichere Tabellenmittelfeld führen. Mit Akribie, Fußballsachverstand und dem Wesen eines "Chamäleons", so hatte es Korkut bei seiner Vorstellung gesagt: Ein Trainer müsse sich anpassen, fühlen, was die Mannschaft braucht. Und das recht schnell, bitte schön. Hertha trennt nur ein Pünktchen vom Relegationsplatz. Und wichtige Spiele stehen an: Nach dem direkten Konkurrenten Stuttgart wartet mit Arminia Bielefeld der nächste direkte Konkurrent.

Zunächst aber reist Hertha mit seiner neuen schwäbischen Doppelspitze erst einmal nach Stuttgart: Trainer Korkut wurde im Ländle geboren und ist bei den Stuttgarter Kickers fußballerisch groß geworden. Der VfB Stuttgart war Korkuts letzte Trainerstation. Vor drei Jahren wurde der heute 47-Jährige dort entlassen. Auch Manager Fredi Bobic hat das Kicken bei den Kickers gelernt und hat dann im Trikot des VfB Stuttgart seine erfolgreichsten Jahre gefeiert.

Korkut will die Nostalgie vor der Rückkehr nach Stuttgart in den Hintergrund stellen: "Es ist ein besonderes Spiel, ja. Stuttgart war mein letzter Verein, Stuttgart ist meine Heimatstadt. Viel wichtiger: Die Mannschaft, die dieses Spiel gewinnt, wird einen kleinen Schritt machen. Diese Mannschaft wollen wir sein."

Besonderheiten

Wenn Stuttgart punktete, dann zumeist mit den eigenen Fans im Rücken: Alle drei Siege gelangen dem VfB im eigenen Stadion. Je nach aktuellen Corona-Beschlüssen waren zwischen 18.000 und 33.000 Zuschauer in der Stuttgarter Arena. Nun macht Baden-Württemberg in Sachen Infektionsschutz ernst. Ab dem Spiel gegen Hertha dürfen nur noch 750 Zuschauer in die Stadien des Bundeslandes.

Wenn es auch auf dem Papier kein Geisterspiel ist, so dürfte die Atmosphäre dennoch wieder einmal gespenstisch sein. Seit Beginn dieser Saison im August hatten Hertha und alle anderen Bundesligateams wieder vor Zuschauern gespielt.

Sendung: rbb24, 03.12.2021, 16 Uhr

Beitrag von Dennis Wiese

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