Teamcheck | Union Berlin - Konstant erfolgreich

Do 30.12.21 | 15:38 Uhr | Von Johannes Mohren
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Jubel beim 1. FC Union Berlin. / imago images/Sven Simon
Bild: imago images/Sven Simon

Mit 27 Punkten startet der 1. FC Union in die Rückrunde. Die Champions-League-Plätze sind damit nur einen Punkt entfernt. Die verbale Zurückhaltung in Köpenick ist weiter groß - und doch ist klar: Der Klub ist ein Kandidat für Europa. Von Johannes Mohren

So lief die Hinrunde

Oliver Ruhnert war in dieser Woche aus dem Urlaub in eine Runde mit Medienvertretern zugeschaltet. Die Sonne schien, Palmen wehten im leichten Wind und der Manager des 1. FC Union strahlte vor dieser Traum-Kulisse, die auch als Foto-Tapete getaugt hätte. Die Hinrunde sei aus seiner Sicht "top, top, top" gelaufen, sagte er dann auch - und: "Solange ich verantwortlich bin, wird es so sein, dass ich bei so einer Punktzahl hier lachend sitze."

So eine Punktzahl, das bedeutet konkret 27 Punkte nach 17 Spielen. Die Köpenicker sind in ihrem dritten Erstliga-Jahr erneut mittendrin im Kampf um die europäischen Plätze. Als Siebter haben sie nur einen Punkt Rückstand auf einen Champions-League-Platz. Und das, obwohl die Mannschaft mit 27 Pflichtspielen die meisten aller Bundesliga-Teams absolvieren musste. Die Dreifach-Belastung mit der Conference League war für Union völlig neu - und doch meisterte der Klub diese so routiniert, wie es der ein oder anderen europaerfahrenen Mannschaft nicht gelingt.

Das Aus in der Gruppenphase des Wettbewerbs war wohl der einzige wirkliche Wermutstropfen des vergangenen halben Jahres. In den europäischen Spielen passierten zu viele vermeidbare Fehler - also genau das, was Union in der Liga (fast) komplett vermeidet. Da sind die Köpenicker die personifizierte Stabilität. Das zeigt sich auch im System: In allen 17 Hinrunden-Spielen baute Trainer Urs Fischer auf seine bestens abgestimmte Fünferkette und die Berliner kassierten mit 21 Gegentoren nach Bayern und Freiburg die wenigsten der Liga.

Wer kommt, wer geht?

Der erste Neuzugang ist bereits fix: Dominique Heintz kommt aus Freiburg. Man habe eine Chance ergriffen, "die sich für uns wahrscheinlich nur jetzt im Winter ergeben hat", sagte Ruhnert. In einem halben Jahr hätte man den 28-Jährigen, der im Breisgau aktuell nur Ersatz ist, "wohl nicht mehr bekommen können, da andere Vereine auch schon um ihn bemüht waren". Es ist also ein Verpflichtung, die auch ein Vorgriff ist. Auf den Sommer, in dem der Bedarf in der Verteidigung groß werden könnte: Timo Baumgartls Leihe aus Eindhoven endet, Robin Knoche und allen voran Marvin Friedrich haben sich längst auch auf die Zettel anderer Klubs gespielt.

Ansonsten dürfte es ein ruhiger Transfer-Winter werden. "Ich glaube, dass sich auf der Zugangsseite nicht viel ergeben wird", sagte Ruhnert. Wahrscheinlicher ist, dass Union noch den ein oder anderen Ergänzungsspieler abgibt. Mehr als dreißig Spieler stehen gerade im Kader - ohne die europäischen Auftritte könnte er nun verschlankt werden. Rick van Drongelen, erst vor einem halben Jahr aus Hamburg nach Köpenick gekommen, ist ein Abschieds-Kandidat. Man wolle schauen, wo er "Spielpraxis für die Rückrunde generieren kann", so Ruhnert.

Eine Herausforderung wird für Union der Januar - wegen eines temporären Abgangs: Taiwo Awoniyi tritt mit Nigeria in Kamerun beim Afrika Cup an. "Er fehlt uns. Das ärgert uns natürlich und ist nicht gut für uns, weil wir ihn ohne jede Frage vermissen werden", sagte Ruhnert. Mit neun Liga-Toren ist Awoniyi aktuell der treffsicherste Unioner. Schafft es die nigerianische Nationalmannschaft ins Finale der Kontinentalmeisterschaft, würde der 24-Jährige fünf Pflichtspiele der Köpenicker verpassen - neben vier Bundesliga-Duellen auch das Pokal-Derby bei Hertha BSC.

Der Trainer

Urs Fischer ist nach Christian Streich der dienstälteste Bundesliga-Trainer. 2018 kam er nach Köpenick, schaffte in der ersten Saison den Aufstieg - und etablierte den Klub im Eiltempo im Oberhaus. "Ich halte Urs Fischer für einen der besten Trainer der Bundesliga", sagte vor einigen Wochen der Ex-Unioner und aktuelle Köln-Coach Steffen Baumgart im "Express" und reihte sich in die Reihe der Fischer-Fans ein. Er habe eine kontinuierliche Entwicklung in kurzer Zeit hingelegt. "Das ist für Union beachtlich. Jeder wartet auf den Einbruch, aber der kommt nicht."

Fischers jüngster Erfolg: Das managen der Dreifach-Belastung. Ihre Steuerung sei "fast die größte Stärken, die wir in dieser Saison haben, weil wir keine Verletzten haben", sagte jüngst Christopher Trimmel. Wichtig dafür sei die offene Kommunikation. "Die Spieler müssen ehrlich sein. Wenn du dich nicht gut fühlst und nicht hundert Prozent geben kannst, ist es keine Schande, das kundzutun", so der Kapitän. Das Vertrauen zwischen den Profis, Fischer und seinem Trainerteam ist groß. Der Trainer ist nach außen kein Mann der großen Worte, scheint aber intern genau die richtigen zu finden.

Erwartungen an die Rückrunde

... versuchen die Köpenicker niedrig zu halten. Die Erfolge der vergangenen Spielzeiten haben an der konservativen Kommunikation nichts geändert. Ziel sei der Klassenerhalt, unterstrich jüngst Urs Fischer und auch Oliver Ruhnert nahm die 40-Punkte-Marke ins Visier: "Ich sitze erst dann wieder ganz entspannt da, wenn wir noch einmal 13 Punkte geholt haben. Das wird auch nicht so ganz einfach. Man muss immer wieder drinbleiben und sich fokussieren."

Wahrscheinlicher ist aber doch, dass die Köpenicker - aller verbalen Zurückhaltung zum Trotz - bis zum Schluss ein Kandidat für die europäischen Plätze bleiben werden. Die Pausen zwischen den Spielen werden ohne die Conference-League-Spiele länger. Das gibt dem Trainer mehr Zeit für taktisches Feintuning unter der Woche und den Profis die Möglichkeit zum Durchschnaufen. "Die Mannschaft ist phasenweise übers Limit gegangen", sagte Fischer zum Ende der Hinrunde. Ab und an wurde das auch sichtbar. So folgten die Last-Minute-Punktverluste in Stuttgart oder in Köln jeweils auf europäische Duelle am Donnerstag zuvor. Mit weniger Belastung könnte Union für die Konkurrenz um die vorderen Plätze nun also noch gefährlicher werden.

Sendung: Abendschau, 30.12.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

3 Kommentare

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  1. 3.

    Danke für die tolle Hinrunde an meinen FCU, und auch an Johannes Mohren für den hübschen Beitrag.

  2. 2.

    Danke für ein sportlich grandioses Jahr!
    Hoffen wir darauf, dass 2022 alle wieder teilhaben können und somit den 1.FC Union Berlin weiter tragen.

  3. 1.

    Das war eine Tophinrunde. Die Teilnahme an diesem neuen Europacup war ja ganz nett, aber ohne richtige Heimspiele war das Abschneiden nicht real. Und die Rückrunde unter den aktuellen Bedingungen kann man schon jetzt vergessen. Union wird nicht absteigen und gut ist es.

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