Abzug falls Virusvariantengebiet - Union kritisiert Abläufe rund um Abstellung von Awoniyi für den Afrika Cup

Mi 29.12.21 | 15:19 Uhr
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Union-Stürmer Taiwo Awoniyi. / imago images/opokupix
Bild: imago images/okokupix

Am 1. Januar startet der 1. FC Union in die Rückrunden-Vorbereitung. Fehlen wird Taiwo Awoniyi, der beim Afrika Cup weilt. Die Umstände der Abstellung kritisierte nun Manager Oliver Ruhnert. Zudem äußerte sich der Klub zur Zuschauerfrage.

Der 1. FC Union beklagt bei der Abstellung von Top-Stürmer Taiwo Awoniyi für den Afrika Cup eine schlechte Informationspolitik. "Die Vereine (die ihre Spieler zum Afrika Cup schicken, Anm. d. Red.) sind sehr, sehr unglücklich", sagte Manager Oliver Ruhnert bei einer digitalen Medienrunde am Mittwoch. So liege auch dem Fußball-Bundesligisten nach wie vor kein Hygienekonzept für das Kontinental-Turnier vor. Deshalb habe der Klub "immer noch Schwierigkeiten nachzuvollziehen, wie der Ablauf ist", so der 50-Jährige. Ruhnert kritisierte auch, dass die Nominierung Awoniyis für das Nationalteam Nigerias erst "sehr, sehr spät" erfolgt sei.

Awoniyi fehlt in bis zu fünf Pflichtspielen

Dennoch sei es ein offizielles Turnier und der Klub habe das "zunächst einmal zu respektieren". Bei der Verpflichtung von Awoniyi habe man gewusst, dass es im Januar einen Afrika Cup gebe. Die Kontinental-Meisterschaft in Kamerun beginnt am 9. Januar und endet knapp einen Monat später am 6. Februar. Awoniyi trifft mit Nigeria in der Gruppenphase zunächst auf Ägypten, Guinea-Bissau und den Sudan.

Schafft es die nigerianische Nationalmannschaft mit Awoniyi ins Finale, würde der 24-Jährige fünf Pflichtspiele der Köpenicker verpassen - neben vier Bundesliga-Duellen auch das Pokal-Derby bei Hertha BSC. Eine klare Schwächung für die Köpenicker. "Er fehlt uns. Das ärgert uns natürlich und ist nicht gut für uns, weil wir ihn im Januar ohne jede Frage vermissen werden", sagte Ruhnert. Mit neun Liga-Toren ist der Nigerianer aktuell der treffsicherste Unioner.

Virusvariantengebiet würde zu Abzug führen

Eine Wendung könnte erfolgen, sollte Kamerun vom Hochrisiko- zum Virusvariantengebiet werden. Die Folge: Alle Spieler müssten nach der Rückkehr vom Kontinental-Turnier für 14 Tage in häusliche Quarantäne. Ihre Ausfallzeit würde sich also weiter verlängern."Dann wird es schwierig, diesen Afrika Cup so durchzuführen, wie er bisher geplant ist", sagte Ruhnert.

Der Druck von den Vereinen auf die FIFA "würde dann sicher insgesamt so groß, dass man schauen müsste, wie damit umgegangen wird". Der 1. FC Union werde Awoniyi bei einem solchen Szenario abziehen. Das sei mit dem Spieler und seinem Berater besprochen. Nach der Einstufung eines Landes zum Virusvariantengebiet bleiben dafür 48 Stunden Zeit.

Auswirkungen auf Transfer-Verhalten

Aktuell stelle man sich aber auf ein Fehlen Awoniyis ein - und arbeite mit dem Status Quo, so Ruhnert: "Der Spieler steht nicht zur Verfügung, Kamerun ist Hochrisikogebiet, der Spieler ist geimpft und kommt nach dem Afrika Cup zurück und steht dann wieder zur Verfügung." Das könne auch Auswirkungen auf das Verhalten auf dem Transfermarkt haben, sagte der Manager. Das heißt: Möglicherweise abwanderungswillige Offensivspieler müssen sich wohl gedulden. Man brauche auf jeden Fall einen Kader, "der den Januar erfolgreich bestreiten kann".

Große personelle Veränderungen sind ohnehin nicht zu erwarten - zumindest nicht mit Blick auf auf neue Spieler: "Ich glaube, dass sich auf der Zugangsseite nicht viel ergeben wird", sagte Ruhnert. Bei Abwehr-Neuzugang Dominique Heintz habe man eine Gelegenheit ergriffen, "die sich für uns wahrscheinlich nur jetzt im Winter ergeben hat, weil wir ihn im Sommer wohl nicht mehr hätten bekommen können, da andere Vereine auch schon bemüht waren, den Spieler zu verpflichten". Es sei ein Wechsel, der direkt helfen könne, aber auch über die Saison hinaus.

Arbeit: "Wenn wir 3.000 reinlassen dürfen, lassen wir 3.000 rein"

Wie viele Zuschauer Heintz und Co. beim Heimauftakt des 1. FC Union verfolgen können, ist noch unklar. Fakt ist: Der Klub würde auch für nur 3.000 Fans die Stadiontore öffnen. Laut der aktuell gültigen Corona-Schutzverordnung in der Hauptstadt wären so viele Personen unter 2G-plus-Bedingungen plus FFP2-Maske erlaubt. "Wenn wir 3.000 reinlassen dürfen, lassen wir 3.000 rein", betonte Mediendirektor Christian Arbeit. Das sei "selbstverständlich".

Allerdings wird die erste Bundesliga-Partie im Jahr 2022 in Köpenick erst am 15. Januar angepfiffen, Gegner wird die TSG 1899 Hoffenheim sein. Eine Woche vorher beginnt der zweite Saisonabschnitt für die Eisernen auswärts gegen Bayer 04 Leverkusen. Ob es wirklich zu einer begrenzten Zahl von Fans oder doch womöglich einer Geisterkulisse kommt beim ersten Heimspiel des Tabellensiebten aus Berlin, vermochte Arbeit auch nicht einzuschätzen. "Es fällt uns allen recht schwer, eine Prognose zu machen, wann welche Regelung gelten könnte", sagte er.

Sendung: Inforadio, 29.12.2021, 13:15 Uhr

8 Kommentare

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  1. 8.

    Aha... fehlendes Hygiene- Konzept also.
    Man könnte ja das Konzept vom 1. FCU übernehmen... quasi Mannschaft feiert mit 3000 Fans ohne Abstand und teilweise ohne Maske.
    Entschuldigen kann man sich im Nachhinein ja immer noch.
    Man darf gespannt sein ob sich Awoniyi nicht doch noch einen Fussnagel abbricht und das als schwere Verletzung verkauft wird.

    In diesem Sinne guten Rutsch

  2. 7.

    Das "kultige" wird ja gern ma ausgepackt um rumzutrollen.
    Wenn das schon die einzige fremdgesteuerte "Spitze" sein soll, so bin ich doch recht seelig. ;)
    In Zeiten von "windhorstschen Big-City-Club-GmbH&CoKG-Konstrukten", zieh ich mein Strohhut doch schön tief ins Gesicht, steck mir nen Grashalm in Mundwinkel und schlürfe gaaanz entspannt mein White Russian.
    Skol!

  3. 6.

    Zitat aus dem Text: "Dennoch sei es ein offizielles Turnier und der Klub habe das "zunächst einmal zu respektieren". Bei der Verpflichtung von Awoniyi habe man gewusst, dass es im Januar einen Afrika Cup gebe."

    Wie kommen Sie also darauf, der FCU wäre sich der FIFA Regelung, dass Nationalspieler zu offiziellen Turnieren abzustellen sind, nicht bewusst gewesen? Aber für völlig unsachliche Kommentare unter Beiträgen zum FCU sind Sie ja bekannt. Ich erinnere mal an den erst kürzlich wieder von Ihnen vorgebrachten Rassismusvorwurf gegen den Verein.

    https://www.rbb24.de/sport/beitrag/2021/12/berlin-fussball-hertha-bsc-bundesliga-borussia-dortmund.html (Beitrag #17)

  4. 5.

    Das mit dem selbsternannt stimmt. Kann man nachlesen auf Seiten des 1. FC Union oder auch auf dem offiziellen Social Media-Account (u.a. stand dort schon mal was von "zwei Kultclubs" als es gegen den FC St.Pauli ging). Bisschen besser informieren wäre gut, ehe man andere maßregeln will. ;-)

  5. 4.

    "nur"
    "selbsternannte Kultige"
    "wittern"
    "totale Ungerechtigkeit"
    Tststs, ist Ihnen Union auf den Zeh getreten? Ihre, ähm, Interpretationen haben recht wenig mit dem zu tun, was Herr Ruhnert sagt. Kennen Sie den Spruch: "Was der Peter über den Paul sagt, sagt mehr über den Peter als über den Paul." Nein? Dann kennen Sie ihn jetzt.

  6. 2.

    Oh, was haben wir den heute schlechtes gegessen ? Union beschwert sich nicht gegen die Abstellung , sondern die Hygienekonzepte fehlen und die zu späte Anforderung. Abstellung gab es schon immer aber nicht unter diesen Voraussetzungen,dass ist das Problem!Ausserdem ist nicht nur Union Berlin besorgt sondern auch viele andere Vereine bis zu Herrn Klopp nach Liverpool hin….

  7. 1.

    Seit dem afrikanische Spieler in der Bundesliga unterwegs sind, ist die Anstellung zum Afrika Cup ein gängiges Prozedere.
    Nur die selbsternannten Kultigen aus Köpenick haben ein Problem und wittern totale Ungerechtigkeit.
    Sie denken wirklich, dass sie etwas besonderes sind.

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