Analyse zum Jahresausklang - Wieso Energie Cottbus von der Rückkehr in den Profi-Fußball träumen darf

Di 28.12.21 | 09:08 Uhr | Von Andreas Friebel
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Jubel bei Energie Cottbus mit Mannschaft und Trainer Claus-Dieter Wollitz. / / imago images/Beautiful Sports
Audio: Inforadio | 28.12.2021 | Andreas Friebel | Bild: imago images/Beautiful Sports

Hat Energie Cottbus endlich aus vergangenen Fehlern gelernt? Es scheint fast so. Vier verschiedene Bosse hatte der Klub seit 2018. Sebastian Lemke hat nun wieder Ruhe hereingebracht - und die Weichen für eine bessere Zukunft gestellt. Von Andreas Friebel

Wer Energie Cottbus in Jahr 2021 genauer unter die Lupe nimmt, stellt schnell fest: Es war ein Jahr ohne Skandale. Und siehe da, gleich läuft es sportlich wieder besser. Auf Platz zwei gehen die Lausitzer in die Weihnachtspause. Das macht Trainer Claus-Dieter Wollitz froh. "Was die Jungs bis hierher geleistet haben, ist sensationell", sagt er. "Da kann ich nur den Hut ziehen."

Wollitz zum Dritten

Was aber auch für den Trainer gilt, der im Mai ein drittes Mal in Cottbus anheuerte, nachdem sein prominenter Vorgänger Dirk Lottner keine Lust mehr auf die Lausitz hatte. Der ehemalige Bundesliga-Profi hatte Energie im September 2020 übernommen und sportlich stabilisiert. So richtig warm wurde der Rheinländer aber mit Cottbus nicht, was auch an der langen Corona-Zwangspause in der Regionalliga lag.

Lottners Abschied war aber die einzige negative Überraschung in diesem Jahr. Als Lottner ging, dauerte es nicht lange und im Mai kehrte mit Wollitz ein alter Bekannter zurück. Schon von 2009 bis 2011 und von 2016 bis 2019 hatte er die Cottbuser gecoacht. Unter dem Motto "Aller guten Dinge sind drei" machte sich der 56-Jährige ans Werk und merkte ziemlich schnell, dass die vorhandene Mannschaft teuer und schlecht zusammengestellt war. Deshalb mussten im Sommer 14 Spieler gehen.

Übrig blieben ein kleiner feiner Kader und eine Menge Schulden. Diese hatte sein Vorgänger Matthias Auth dem aktuellen Präsidenten Sebastian Lemke hinterlassen, als dieser im Dezember 2020 den Posten übernahm. Die Ausgaben waren zu hoch und die Einnahmen zu niedrig gewesen. Es folgte ein knallharter Sanierungskurs. "Wir müssen weiter sehr genau auf die Finanzen schauen. Wir sind zwar inzwischen wieder in einer deutlich besseren Situation, als vor einem Jahr, müssen die Situation aber weiter genau beobachten", sagt Lemke.

Fans unterstützen Energie mit 250.000 Euro

Zur Verbesserung der Lage haben, neben zahlreichen neuen Sponsoren, auch die Fans beigetragen, die bei der Mitgliederversammlung im Sommer einer Sonderumlage von 120 Euro zugestimmt hatten. Etwa 250.000 Euro kamen so zusammen. Geld, mit dem Lücken geschlossen wurden.

Große Transfers waren im Sommer nicht möglich. Eigentlich rächt sich so etwas. Trainer Claus-Dieter Wollitz standen in den letzten Spielen des Jahres gerade noch elf Profis zur Verfügung. Platz zwei mit vier Punkten Rückstand auf Spitzenreiter BFC Dynamo ist da fast schon sensationell. Und dafür gibt es ein Extra-Lob vom Präsidenten: "Wenn man die sportliche Entwicklung sieht, glaube ich kaum, dass wir auf die falsche Karte gesetzt haben."

Doch wenn Cottbus tatsächlich wieder in die dritte Liga will, muss in der Winterpause personell etwas passieren. So reicht das nicht für den Aufstieg. Zum Neustart nach der Winterpause (5. Januar) soll in der Abwehr und auch im Sturm nachgelegt werden. Torjäger Erik Engelhardt soll zum Beispiel einen starken Partner an seine Seite bekommen. "In ganz Deutschland ist Energie Cottbus bekannt. Die Ambitionen sind hoch. Doch wir dürfen nichts überstürzen und müssen beharrlich sein", sagt der 23-Jährige.

Präsident träumt vorsichtig vom Aufstieg

Dem stimmt auch Präsident Sebastian Lemke zu, der es sich aber nicht nehmen lässt, zum Ende des Jahres ein bisschen zu träumen. "Wenn der Verein die Entwicklung der letzten Monate fortführt, kann im Mai 2022 ein ganz großer Wunsch in Erfüllung gehen." Es ist der Traum von der Rückkehr in den Profi-Fußball.

2018 feierte Cottbus schon mal den Aufstieg in die dritte Liga. Auch einsetzende Grabenkämpfe an der Klubspitze führten den sofortigen Abstieg herbei. Aus diesen Fehlern der Vergangenheit scheint man gelernt zu haben. Ruhig und mit klarer Strategie wurde Energie in den vergangenen Monaten geführt. Der Trainer kann mit der Mannschaft in Ruhe arbeiten und vielleicht ja schon in dieser Saison Regionalliga Nordost-Meister werden und um den Aufstieg in die dritte Liga spielen.

Sendung: Inforadio, 28.12.2021, 10:15 Uhr

Beitrag von Andreas Friebel

10 Kommentare

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  1. 10.

    Kümmert euch doch bitte nicht um solche Nichtsnutz/Kommentare! Wir sind stolz auf unseren FC Energie.

  2. 9.

    Ich weiß ja nicht aus welchem Dorf Sie kommen. In jedem Verein der Welt gibt es ein paar Unverbesserbesserliche, aber in Cottbus gibt es nun mal pure Leidenschaft. Das sieht man an den Fans, welche Auswärts mit dabei sind. Wenn ich da an die Fahnenschwenker hinter dem Bayern Tor denke, fällt mir nichts zu ein.

  3. 8.

    Sehr schön gesagt!

    Wenn ich im Stadion bin, sehe ich wie vielfältig die Fans sind. Und es sind auffällig viele Frauen und Kinder und Jugendliche im Stadion und sie alle haben es verdient glücklich zu sein. Natürlich auch die im Fanblock.

    Wir hoffen auf Platz 1 im Sommer 2022.

  4. 7.

    Ist Leidenschaft und Enthusiasmus so verwerflich? Aber ich verstehe. Sie spielen mit Sicherheit auf einige Idioten an, die selbstredend für die hiesige Fangemeinde steht...o0

    Energie ist so viel mehr!

  5. 6.

    Viel Erfolg Pele mit der Mannschaft. Ein Name begeistert mich aber schon die ganze Zeit: Pronichev.
    Jetzt nur nicht nachlassen, denn nichts ist wichtiger als der Verein.

  6. 5.

    CB soll mal lieber in Liga 4 bleiben. Diese Fans kann man doch keinem antun.

  7. 3.

    Was der Verein als ganzes im vergangenen Jahr geleistet hat, das verdient allerhöchsten Respect und Wertschätzung .
    Seid langem scheint auch die Symbiose zwischen den Gremien und Mannschaft , sowie Trainerstab zu stimmen, kann mich da nur anschliessen. Selbst hier im tiefsten Oberbayern hat man dies mitbekommen, werde hier von vielen Zeitgenossen
    angesprochen. Habe alles von Energie hier in der Fremde aufgesogen und las Exilcottbuser bin ich stolz auf unseren Verein.

    Nette Grüße vom Fusse der Zugspitze .
    Uwe Jeitner

  8. 2.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn Energie wieder 3 Liga spielt. Aber bei aller Freude, 2 Liga muss es sein. Energie ist ya schließlich kein normaler Aufsteiger.

  9. 1.

    Zur Zeit läuft es sehr gut und das Umfeld scheint harmonisch zu sein. Es wäre sehr zu wünschnen. Auf Grund des tollen Publikums ist es eigentlich ein muss in den bezahlten Fußball zurückzukehren.

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