Check zum Start der Winterpause - Das sind die Gewinner und Verlierer der bisherigen Regionalliga-Saison

Di 21.12.21 | 18:18 Uhr | Von Friedrich Rößler
Führt die Regionalliga Nordost an: der BFC Dynamo(Bild: imago images/Matthias Koch)
Bild: imago images/Matthias Koch

Die Regionalliga Nordost befindet sich in der Winterpause, alle Mannschaften konnten die Hinrunde abschließen. Welches Fußball-Team aus Berlin und Brandenburg hat überrascht und wer enttäuscht? Von Friedrich Rößler

Im Gegensatz zur Saison 2020/21 ist die aktuelle Saison in der Fußball-Regionalliga Nordost nicht abgebrochen worden und alle 20 Mannschaften konnten die Hinrunde abschließen. Zwar hat die anhaltende Corona-Pandemie auch die laufende Spielzeit immer wieder durcheinandergebracht und so verhindert, dass zum Beginn der Winterpause bereits 22 Spieltage komplett absolviert werden konnten. Doch die aktuelle Saison dürfte laut aktualisierter Spielordnung des für die Regionalliga Nordost zuständigen Nordostdeutschen Fußballverbandes nicht mehr annulliert werden, da 75 Prozent der Mannschaften mindestens 50 Prozent der zum Spielzeitstart vorgesehenen Partien ausgetragen haben.

Das bedeutet, falls der Spielbetrieb auf Grund von behördlicher Anordnung nicht wie geplant zum 28. Januar 2022 wieder aufgenommen werden kann oder eventuell gar nicht mehr gespielt werden kann, wird die laufende Saison gewertet. Damit dürfte es auch einen Aufsteiger und mehrere Absteiger geben. Da zur Winterpause nicht alle Mannschaften die gleiche Anzahl an gewerteten Meisterschaftsspielen aufweisen können, müssten momentan Auf- und Abstieg mit der Quotientenregel bestimmt werden. Die Tabelle zur Winterpause ist demnach aussagekräftig genug, um ein Hinrunden-Fazit zu ziehen, welche Teams aus Berlin und Brandenburg überrascht und welche enttäuscht haben.

Bärenstarker BFC

Der Herbstmeister der Regionalliga-Saison 2021/22 heißt BFC Dynamo und hat eine beeindruckende Leistung bis zur Winterpause gezeigt. Der BFC hat mit dem FC Energie Cottbus zusammen die beste Tordifferenz der Liga (+34) und dabei ein Tor mehr geschossen (54) als die Lausitzer. Von 22 Spielen haben die Weinroten 15 gewinnen können, vier Mal unentschieden gespielt und nur drei Niederlagen hinnehmen müssen. BFC-Trainer Christian Benbennek sprach immer wieder von einer sensationellen Stimmung im Team und davon, dass er noch nie so oft wie mit dieser Truppe gelacht habe.

In Berlin-Hohenschönhausen können sie auf einen eingeschworenen Haufen zählen. Der Stammkader existiert seit der Berliner Landespokal-Endrunde im Mai 2021. Dazu hatte der BFC ein sehr gutes Händchen bei seinen Neuzugängen. Torgarant Christian Beck zum Beispiel machte bei den Berlinern genau damit weiter, womit er beim 1. FC Magdeburg aufhörte: Tore schießen(15 Saisontreffer). Außerdem fügte sich der Stürmer nahtlos ins Team ein, so dass beim BFC Dynamo auf und neben dem Platz gute Laune herrscht. Zum Vergleich: In der abgebrochenen Vorsaison lag der BFC mit 18 Punkten nach elf Spielen auf Platz 6 - in der aktuellen Spielzeit stand der DDR-Rekordmeister nach elf Spieltagen mit 28 Punkten auf Platz 1.

Der BAK ist wieder da

Ärgster Konkurrent vom BFC Dynamo um die Spitzenposition in der Regionalliga Nordost war der Berliner Athletik-Klub. Das Team aus Berlin Moabit erwischte wie der BFC einen sehr guten Saisonstart und hat nie den Kontakt zu Platz 1 in der laufenden Saison verloren. War in der Spielzeit 2020/21 der FC Viktoria Berlin dem Verfolgerfeld schnell enteilt, so sorgte neben dem FC Energie Cottbus auch der BAK dafür, dass sich der Tabellenführer in der Nordoststaffel nie ausruhen konnte. Bis zum 17. Spieltag lieferte sich das Team von Andre Meyer ein Berliner Duell mit dem BFC Dynamo um die Tabellenführung und wurde dadurch den seit Jahren von der Vereinsführung formulierten Auftstiegsambitionen wieder gerecht.

Allerdings warf die Pandemie die Moabiter zum Ende der Hinrunde zurück. Nach einer Zwangspause wegen zu vieler Corona-Erkrankungen musste der BAK eine kleine Ergebnis-Krise überstehen und verlor erst überraschend gegen den Abstiegskandidaten Optik Rathenow(1:3) und anschließend im Spitzenspiel(1:3) gegen den BFC Dynamo. Nach der Auswärtspleite in Jena(0:2) rehabilitierte sich der Berliner Athletik-Klub mit einem Auswärtssieg bei Tennis Borussia(2:1) und lauert während der Winterpause auf Platz 3 mit einem Spiel weniger und fünf Punkten Rückstand zum Spitzenreiter BFC Dynamo.

Cottbuser Comeback

Das Motto vom FC Energie Cottbus nach den 22 Spielen vor der Winterpause kann nur "Totgesagte leben länger" heißen. Nach der abgebrochenen Vorgängersaison, in der Energie überhaupt nicht in der Spitzengruppe ankam, starteten die Lausitzer ähnlich in die laufende Spielzeit: Mit einem Unentschieden (1:1) im Stadion der Freundschaft gegen Luckenwalde und einer Niederlage beim BFC Dynamo im Sportforum Hohenschönhausen (1:2) war der Platz an der Sonne bereits an andere Mannschaften vergeben. Der ewige Favorit in der Regionalliga Nordost legte allerdings einen Zwischenspurt von vier Siegen hin, wobei auch der stark aufspielende BAK im Poststadion mit 3:0 bezwungen wurde.

Es folgte eine deutliche Heimpleite gegen die VSG Altglienicke (0:3) und anschließend der höchste Sieg in der Regionalliga Nordost. Energie Cottbus fegte den Aufsteiger FC Eilenburg mit 9:0 vom Platz und machte dadurch eine deutliche Ansage in Richtung Tabellenspitze. Doch statt einer Siegesserie folgten zwei Unentschieden gegen Halberstadt und Tennis Borussia, ein paar Spieltage später verloren die Lausitzer sogar auswärts beim Liganeuling Tasmania Berlin.

Das sollte allerdings die letzte Pleite im Jahr 2021 bleiben, denn das Team von Claus-Dieter Wollitz trotzte den vielen Spielerausfällen und arbeitete sich Schritt für Schritt voran in der Tabelle. Der Brandenburger Traditionsverein überwintert nun auf Platz 2 in der Regionalliga Nordost und hofft, die vier Punkte Rückstand auf den BFC Dynamo mit der jeweils zweitbesten Offensive und Defensive im neuen Jahr aufholen zu können. Denn abschreiben sollte man den FCE diese Saison auf keinen Fall.

Abgehängtes Altglienicke

Mit dem Kampf um die Meisterschaft und damit um einen möglichen Aufstieg in die 3. Liga dürfte die VSG Altglienicke in dieser Saison nichts mehr zu tun haben. Belegte die Mannschaft von Trainer Karsten Heine in den beiden vergangenen Spielzeiten jeweils den zweiten Platz, sieht es zur Winterpause gar nicht nach Spitzenposition aus: Platz sieben mit elf Punkten Rückstand auf den BFC bei zwei Nachholspielen. Dabei stellte sich bei der VSG mit der Verpflichtung von Karsten Heine als Cheftrainer in den letzte beiden Jahren der Erfolg ein. In der Saison 2019/20 verlor Altglienicke die Meisterschaft in der Regionalliga Nordost am grünen Tisch gegen Lok Leipzig. Die Sachsen wurden dank der Quotientenregel nachträglich zum Staffelsieger Nordost erklärt. In der Folgesaison konnte Altglienicke als Zweitplatzierter wenigstens etwas mit dem furiosen Spitzenreiter FC Viktoria mithalten.

In der laufenden Spielzeit fehlt der VSG vor allem die Konstanz. Gegen auf dem Papier schwächere Mannschaften holten Heines Spieler zu wenig Siege, gegen Teams aus dem oberen Tabellendrittel ist die Bilanz ausgeglichen. Anscheinend konnte der Klub den Abgang von Tolcay Cigerci zum Drittligisten FC Viktoria Berlin nicht adäquat kompensieren, obwohl Mittelfeldmotor Christian Skoda (5 Tore, 5 Torvorlagen) und Sturm-Neuzugang Felix Brügmann (7 Tore, 1 Torvorlage) vom FC Energie Cottbus bisher eine gute Saisonleistung ablieferten.

Quo Vadis, Union Fürstenwalde?

In der sechsten Regionalliga-Saison steht der FSV Union Fürstenwalde zur Winterpause so schlecht wie noch nie in der Tabelle da. Die Schießbude der Liga (56 Gegentore) befindet sich auf dem vorletzten Platz mit nur einem Punkt Vorsprung auf das Schlusslicht aus Auerbach, das ein Spiel weniger aufweist. Sorgten die Spreestädter unter ihrem ehemaligen Cheftrainer Matthias Mauksch noch für etwas Aufsehen in der Regionalliga Nordost, so scheint das Team aus der Mark Brandenburg in dieser Spielzeit gar nicht in Topform zu sein. Union konnte sich bisher nur drei Mal über drei Punkte freuen. Der 3:2-Heimsieg gegen den Hertha-Nachwuchs erscheint aus Sicht der Winterpause noch das Hinrunden-Highlight gewesen zu sein, die beiden anderen Siege gegen Auerbach und Meuselwitz kommen eher als Lebensversicherung daher.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Union Fürstenwalde ging zum Beispiel 2020 als Achter, ein Jahr zuvor als Sechster und 2018 als Tabellenfünfter in den Winterschlaf. Gegen die abstiegsbedrohten Optiker aus Rathenow holten die Unioner in Hin- und Rückspiel nur einen Punkt, gegen weitere Abstiegskandidaten der Liga sieht die Bilanz ähnlich erschreckend aus. Wenn im nächsten Jahr nicht gegen die Klubs aus der unteren Tabellenhälfte regelmäßig gepunktet wird, dann dürfte der FSV zu den sicheren Absteigern in die Oberliga gehören. Dabei gewannen die Unioner 2020 noch den Landespokal Brandenburg.

Beitrag von Friedrich Rößler

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