Special Olympics World Games - Die größte inklusive Sportveranstaltung kommt 2023 nach Berlin

Di 14.12.21 | 10:21 Uhr
Eine Athletin aus Usbekistan bei den Special Olympics World Games in Abu Dhabi am 16. Mäaz 2019. (Quelle: dpa/Dominika Zarzycka)
Bild: dpa/Dominika Zarzycka

Mit den Special Olympics World Games 2023 hat Berlin ein sportliches Großevent zu meistern. Zwar sind Sportstätten und weitere Infrastrukturen durchaus vorhanden, jedoch erfüllen viele nicht den Status barrierefrei.

Am Montag wurden im Berliner Olympiastadion Logo und Motto der Special Olympics 2023 enthüllt. Die Special Olympics World Games sind die weltweit größte inklusive Sportveranstaltung. Dabei treten Athletinnen und Athleten mit geistigen und körperlichen Einschränkungen gegeneinander an, aber auch Menschen ohne Behinderung sind Teil der Spiele. Vom 17. bis 25. Juni 2023 finden die internationalen Wettkämpfe erstmals in Berlin statt. Ein Jahr zuvor wird Berlin Gastgeber der nationalen Auflage sein.

Die sportlichen Wettkämpfe seien dabei gar nicht das Wichtigste, betont der Bundesgeschäftsführer der Special Olympics Sven Albrecht im Gespräch mit rbb|24. Sondern: "Wir wollen Begegnungen schaffen. Wir wollen ein Bewusstsein schaffen für die Inklusion, für den Behindertensport. Das ist uns ganz wichtig." Daher auch das Motto #ZusammenUnschlagbar.

Nur acht Prozent der Menschen mit geistigen Einschränkungen hätten überhaupt Zugang zum Sport. Und diese Zahl stamme noch aus der Zeit vor der Corona-Pandemie, erklärt Albrecht.

Mammutaufgabe

Auf Albrecht und sein Organisationskomitee wartet eine Mammutaufgabe. Die nackten Zahlen zeigen das schiere Ausmaß dieser Großveranstaltung: 7.000 Athletinnen und Athleten aus 170 Nationen werden 2023 in Berlin erwartet, dazu kommen 20.000 Volunteers, die für die Organisation und den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung gebraucht werden, davon allein bis zu 17.000 in der deutschen Bundeshauptstadt.

Zum Vergleich: Für die Fußball WM 2006 benötigten die Organisatoren für alle Spielorte zusammen 15.000 freiwillige Helfer. "Diese Volunteers zu finden und auszubilden, ist eine große Aufgabe. Das zweite ist ein Bewusstsein zu schaffen. Wir wollen, dass möglichst viele Menschen von den Special Olympics erfahren", sagt Albrecht. Sein Ziel: So viele Zuschauer wie nur möglich in die Stadien und Sportstätten zu bringen.

Bis es dazu kommt, wartet aber noch viel Arbeit auf die Special Olympics-Macher. Denn zahlreiche Berliner Sportstätten wie der Olympiapark oder das Messegelände müssen fit gemacht werden für die Para-Sportlerinnen und -Sportler. Barrierefreiheit ist ein Schlagwort, das Sven Albrecht in diesem Zusammenhang häufig benutzt. Zugänge müssten zum Beispiel rollstuhlgerecht gestaltet werden.

Dennis Mellentin (l), Athletensprecher Special Olympics Berlin, und Sven Albrecht, CEO des Organisationskomitees der Special Olympics World Games Berlin 2023 und Bundesgeschäftsführer von Special Olympics Deutschland, präsentieren im Berliner Olympiastadion, Schauplatz der Eröffnungsfeier im Juni 2023, das Logo der Weltspiele 2023. (Bild: dpa-Bildfunk)Dennis Mellentin (l), Athletensprecher Special Olympics Berlin, und Sven Albrecht, CEO des Organisationskomitees der Special Olympics World Games Berlin 2023 präsentieren im Berliner Olympiastadion das Logo der Weltspiele 2023.

"Veranstaltung nutzen, um zu zeigen, was möglich ist"

Dabei geht es auch um Dinge wie eine einfache Symbolsprache auf Schildern. Viele geistig eingeschränkte Menschen könnten nicht richtig lesen und fänden sich häufig nur schwer zurecht. Albrecht und sein Team versuchen für solche Probleme zu sensibilisieren. "Wir wollen den Scheinwerfer der Veranstaltung nutzen, um aufzuzeigen, was möglich ist." Barrierefreie Apps mit einfacher Sprache beispielsweise sind ein weiteres Anliegen, gerade wenn es darum gehe, den Berliner ÖPNV zu nutzen. Auch die Stadt sei hier gefordert. Aber man sei in guten Gesprächen, betont Albrecht.

Der Gesamtetat der Veranstaltungen von 2022 und 2023 liegt bei 113 Millionen Euro. 36 Millionen Euro kommen jeweils von Bund und dem Land Berlin. Der Rest wird durch Spenden, Stiftungen, Sponsoren und EU-Fördermitteln gestemmt. Das Geld wird vor allem für Unterkünfte und barrierefreie Sportstätten genutzt. Es wird kostenfreie Wettbewerbe geben, aber auch kostengünstige Tagestickets.

Arbeitsgruppe Corona

Die Eröffnungsfeier der nationalen Special Olympic Games soll 2022 im Stadion An der Alten Försterei stattfinden, die Worldgames sollen dann ein Jahr später im Olympiastadion ihren Auftakt erleben. Man wolle überall in der deutschen Bundeshauptstadt Präsenz zeigen und für Aufmerksamkeit sorgen: zum Beispiel mitten in der Stadt mit 3x3-Basketball am Neptunbrunnen in Mitte, Leichtathletik und Handball im Olympiapark im Westend oder Kanu- und Ruderwettbewerbe auf der Dahme in Grünau.

Eine weitere Herausforderung sei die sich ständig verändernde epidemische Lage, denn Menschen mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen zählen zu den vulnerablen Gruppen. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann man noch keine Aussagen treffen, aber wir nehmen das Thema sehr ernst", sagt Special Olympics-Bundesgeschäftsführer Sven Albrecht. Man habe eine Arbeitsgruppe Corona eingerichtet, die verschiedene Szenarien und Konzepte entwickle.

Doch Albrecht legt den Fokus von der Zukunft bereits in die Gegenwart: "Was uns aber noch mehr bewegt, ist die Auswirkung im täglichen Leben." Die Para-Sportlerinnen und -Sportler könnten nicht täglich trainieren, da viele Angebote nicht barrierefrei wären. An diese ganzen Dinge müssen man denken. Es gäbe daher noch sehr viel zu tun.

Sendung: rbbUM6, 14.12.2021, 18 Uhr

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