Aus in der Conference League - Ein passendes Ende für Unions Europareise

1.FC Union vs. Slavia Prag (Quelle: nordphoto GmbH / Engler)
Audio: Inforadio | 10.12.2021 | Stephanie Baczyk | Bild: www.imago-images.de/nordphoto GmbH / Engler

Nach einem Remis gegen Slavia Prag verabschiedet sich der 1. FC Union aus dem Europapokal. Im Spiel am Donnerstag wiederholten sich sportliche Fehler, die Union schon vorher einige Punkte gekostet hatten. Von Till Oppermann

Eine Szene aus dem Gruppenfinale in der Conference League gegen Slavia Prag reicht, um Union Berlins gesamte Saison im Europapokal zusammenzufassen. In der 50. Minute spielte Innenverteidiger Timo Baumgartl von der Seitenlinie einen fatalen Rückpass vor den eigenen Strafraum. Der Prager Ivan Schranz nahm den schlecht gespielten Ball problemlos auf, und hämmerte ihn vorbei am machtlosen Torwart Frederik Rönnow in die Maschen.

Wie schon bei den beiden Niederlagen gegen Gruppensieger Feyenoord Rotterdam und im Hinspiel gegen Slavia schwächten sich die Eisernen mit vermeidbaren Fehlern selbst. Was man in den ersten Spielen noch mit Anlaufschwierigkeiten auf dem ungewohnten internationalen Parkett entschuldigen wollte, wurde spätestens am Donnerstag zur traurigen Gewissheit. Der Mannschaft des 1. FC Union Berlin fehlt offenbar die Reife, dem speziellen Druck einer Nacht im Europapokal standzuhalten.

Kein Heimspiel für Union

Am Ende reichte auch der Ausgleich von Max Kruse nicht, um sich für die K.o.-Runde zu qualifizieren. Trotzdem feierten die pandemiebedingt nur 5.000 zugelassenen Anhänger ihre Mannschaft im Olympiastadion noch Minuten nach dem Abpfiff mit lauten Gesängen. "Uns bleibt nichts als Danke zu sagen, die Erinnerungen bleiben für die Ewigkeit", schrieb Union in den sozialen Netzwerken. Damit setzt der Klub den passenden Ton für die Nachbetrachtung der acht Spiele im internationalen Wettbewerb. Denn wer die selbstsicheren Köpenicker seit ihrem Aufstieg in die Bundesliga regelmäßig verfolgt, vergisst leicht, dass die Qualifikation für die Conference League die Belohnung für den vielleicht größten sportlichen Erfolg seit dem DDR-Pokalsieg vor über 53 Jahren darstellte.

Viel bitterer als das Aus nach der Vorrunde, war für die meisten Unioner sowieso eine UEFA-Entscheidung vom 28. Juni. Da verkündete Präsident Dirk Zingler in einem Brief an die Mitglieder: "Weil der dritte Bauabschnitt im Stadion an der Alten Försterei nicht rechtzeitig fertiggestellt werden kann, werden wir unsere internationalen Spiele im städtischen Olympiastadion austragen." Weil man Feste feiern muss, wie sie fallen, strömten zum Playoff-Rückspiel gegen den finnischen Vertreter Kuopio, Maccabi Haifa und Feyenoord trotzdem jeweils mindestens 22.000 Fans ins 23 Kilometer entfernte Olympiastadion. Zwar gab sich der Verein alle Mühe dort mit rot-weißer Beleuchtung ein Heimspiel zu simulieren, aber anders als in der Alten Försterei, wo Union seit September 2020 nur ein Spiel verlor, gelang es nicht, den Ersatzspielort zur Festung auszubauen.

Slavia raubte den Unionern ihre Stärken

Dass Union aus den Spielen im Olympiastadion nur vier Punkte holte, war letztlich entscheidend für das Aus. Denn am Donnerstag gegen Slavia hätte nur ein Sieg gereicht, um weiterzukommen. "Das war heute über 90 Minuten zu wenig", grämte sich Innenverteidiger Marvin Friedrich nach dem geplatzten Traum. Wie schon beim Bundesliga-Sieg gegen Leipzig hatte Trainer Urs Fischer Spielmacher Max Kruse als Zehner hinter den Stürmern Taiwo Awoniyi und Sheraldo Becker aufgeboten. Die abgezockten Prager waren darauf perfekt vorbereitet.

Sie zogen ihren Kapitän Masopust aus dem Mittelfeld in die Innenverteidigung und ließen ihn Toptorjäger Awoniyi in Manndeckung nehmen. Weil er und seine Abwehrkollegen gleichzeitig sehr tief vor dem eigenen Tor verteidigten, fehlten die Räume für Kruses Steilpässe und Beckers Tempoläufe in die Tiefe. Fischer lobte im Nachgang die Spielkontrolle seiner Mannschaft. Doch diese Kontrolle war von Prag gewollt. Denn mal wieder fehlten Union im eigenen Ballbesitz die Kreativität, um sich gegen eine gut organisierte Abwehr Chancen zu erspielen. Slavia wusste das und lauerte auf Fehler der Unioner. Schon vor dem Seitenwechsel trafen die Tschechen die Latte, nachdem Kapitän Christopher Trimmel an der Grundlinie einen sicheren Ball vertändelte.

Letztlich scheidet Union verdient aus

Nach dem Gegentor und Kruses Ausgleich in der 64. Minute blieben der Mannschaft mit Nachspielzeit noch über dreißig Minuten, um die Entscheidung herbeizuführen. Doch echte Torgefahr entstand nur nach Standardsituationen. Trimmel haderte: “Auch wenn die Platzverhältnisse schwierig waren, können wir viel besser Fußball spielen.” Selbst als Fischer fünfmal wechselte und in den letzten Minuten sogar die Fünferkette auflöste, änderte sich daran nichts. Anstatt das Feld breit zu machen und spielerische Lösungen über die Flügel zu suchen, hämmerten Robin Knoche und Marvin Friedrich einen langen Ball nach dem anderen in die Spitze.

Zwischen ihnen und den eingewechselten Stürmern Andreas Voglsammer und Kevin Behrens, wo man eigentlich die Mittelfeldspieler erwarten würde, klaffte ein riesiges Loch. Auch deshalb fehlte die Staffelung, um wenigstens über gewonnene zweite Bälle Druck in der gegnerischen Hälfte erzeugen zu können. Insgesamt wirkten die Versuche kopflos und waren nicht ausreichend, um sich für eine K.o.-Runde im europäischen Wettbewerb zu qualifizieren. Marvin Friedrich brachte es auf den Punkt: "Wir haben zu früh den langen Ball gesucht, im Endeffekt einfach zu wenig, um weiterzukommen."

Folgt bald eine neue Chance?

Neben Negativerlebnissen wie den antisemitischen Angriffen einiger Unioner auf die Gästefans gegen Haifa und der Polizeigewalt beim Auswärtsspiel in Rotterdam werden die sportlichen Fehler sicher nicht zu den positiven Erinnerungen an den Europapokal gehören. Alles in allem blickte Urs Fischer aber zufrieden auf die Vorrunde zurück: "Es war eine tolle Erfahrung und ich denke, wir haben das Ganze nicht schlechtgemacht." Und wer weiß: Vielleicht gibt es im nächsten Jahr eine Chance, es besser zu machen. Am Sonntag treffen die Berliner in der Bundesliga auf den Tabellenletzten aus Fürth. Mit einem Sieg könnten die Köpenicker im besten Fall auf einen Champions League-Platz springen.

Sendung: Inforadio, 10.12.2021, 8:15 Uhr

23 Kommentare

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  1. 23.

    Ich denke eher dass sie das Verhalten einiger ihrer Unioner Familienangehörigen , insbesondere gegen Haifa, maßlos verharmlosen.
    Zum Glück vergisst das Netz nichts und jeder kann sich, selbst mit Berichten von Augenzeugen, ein Bild machen.

  2. 22.

    Sie haben ein kleines aber in diesem Zusammenhang wichtiges Wörtchen vergessen, Negan. Es muss heißen: "Was MIR aber in Erinnerung bleibt . . ."

    Wobei mir sowieso unerklärlich ist, dass einige Herthaner hier immer wieder meinen, die Unioner würden sich in ihrer Gesamtheit als "Gutmenschen" verkaufen wollen. Dem ist nicht so, Negan. Es gibt beim Union Anhang auch Idioten der untersten Kategorie, was nie jemand ernsthaft bestritten hat.

    Und wo bitte haben Sie Randale machende und "Hitler grüßende" Unioner bei den ECL Spielen ausgemacht? Beim Spiel gegen Maccabi Haifa im Olympiastadion gab es den Vorfall mit einer kleinen Gruppe Asozialer, die sich antisemitisch gebärdet hat und einem Typen, der bei den üblichen "Sieg"-Gesängen nach Abpfiff meinte ein "Heil" dranhängen zu müssen. Sie übertreiben maßlos diese ekelhaften, aber doch randständigen Ereignisse.

  3. 21.

    Sportlich gesehen wird dieser kurze Ausflug sicher bald vergessen sein. Was aber in Erinnerung bleibt ist Randale, Pyro und antisemitische Auswüchse die ihren Höhepunkt mit Hitlergruß und "Heil Hitler" brüllenden Unionern fand.
    Auch wenn es nur Wenige waren zeigt es doch bei den hochgejubelten Unionern dass die Realität in deren Reihen anders aussieht als suggeriert wird.




  4. 20.

    Im Prinzip betrifft es bis auf den FCB alle deutschen Mannschaften. International ist der deutsche Liga-Fußball nicht so wettbewerbsfähig. Und auf Union bezogen, da fehlt einfach noch die Erfahrung.

  5. 19.

    Ich sag nur Hertha, die doch wohl ziemlich weit unten in der Tabelle steht. Wer von den beiden Klubs hat denn nun die Probleme?

  6. 18.

    Ich glaube, ich hab's anderswo schonmal geschrieben, dass Sie ein recht vernünftiger welcher Blau-Weisser sind, Stefan. ;-)

  7. 17.

    Bei aller Rivalität besteht für mich als Herthaner nun angesichts des Auscheidens der Köpenicker aus der von mir als recht überflüssig bewerteten ECL kein Grund zur Häme. Die Leistungen von Union sind in dieser wie auch der vorangegangenen Saison auf einem deutlich höheren Niveau als die der alten Dame. Da müssen wir erst einmal vor der eigenen Haustür kehren, insbesondere weil leider ein in Zukunft sicher nicht mehr in dieser Höhe verfügbarer Etat bisher unglaublich wirkungslos verbrannt wurde. Vielleicht wirken sich die strukturellen Veränderungen ja in der Zukunft doch noch positiv aus. In jedem Fall tut man sich keinen Gefallen damit die Leistungen des Stadtrivalen unsachlich klein zu reden.

  8. 16.

    Gut, bei der Hertha passiert das jedes Wochenende in der BL, dass sie von "durchschnittlichen" Mannschaften geschlagen werden.
    Während aber Union wieder um einen Platz in der ECL spielt, spielt die Hertha mal wieder um den Klassenerhalt.
    Das ist wohl der der Boden der Tatsachen.

  9. 14.

    Sie können sich ja gerne ein bisschen schadenfreuen, es sei Ihnen gegönnt, M.S. Nur ist ein solcher 'Schaden' einfach nicht vorhanden. Für die Unioner war der Ausflug in die ECL ein nie erwarteter Bonus der fantastischen letzten Saison. Nun kann man sich auf die Hauptziele konzentrieren, und die lauten nach wie vor Klassenerhalt und die dauerhafte Etablierung in der Bundesliga.

  10. 13.

    Ach, eine "durchschnittliche Mannschaft aus Prag" also, Eusebio? Nun, Slavia Prag spielt im Gegensatz zum FCU seit Jahren international und steht beim UEFA Klubranking immerhin auf Platz 31.

    https://de.uefa.com/nationalassociations/uefarankings/club/#/yr/2022

    Und dass Sie die Spiele des FCU in der ECL mit den noch kommenden in der Bundesliga zu 'vergleichen' versuchen, zeugt mehr von Ihrem Herthatum, als von fussballerischem Sachverstand.

  11. 12.

    Eisern Union!
    Nicht gut gespielt, aber trotzdem nicht untergegangen. Zu viele Fehler, wenig Ideen, den Kopf nicht frei und blöde rote Karten aus Frust. Aber 2 Wettbewerbe sind noch zu bestehen und nächstes mal dann wieder zu Hause, nicht in Westend.

  12. 11.

    Eine Schande für Berlin ist was ganz anderes!
    Eine demokratische Wahl nicht organisieren können zum Beispiel, das Trauerspiel um den BER, die nichtfunktionierende Verwaltung...
    Und schauen sie sich mal die letzten EL - Auftritte der Hertha im Jahntierpark an. Deren uninspiriertes frühes Ausscheiden war auch keine Schande für Berlin!

  13. 10.

    Somit dürfte so mancher Unionanhänger, der gern auf Hertha rumhackt, auf den Boden der Tatsachen zurück geholt worden sein.
    Ich gebe zu, dass ich schon eine gewisse Schadenfreude empfinde.
    Union ist eben auch nur ein klitzekleiner Verein und kann fußballerisch kaum international mithalten. Wenn gleich ich den sympathischen Trainer und seine Arbeit sehr schätze. Nur reicht es halt nicht aus, nur wie blöde Eisern, Eisern zu brüllen. Zum erfolgreichen Fußball gehört viel mehr.

  14. 9.

    Eher ein Indiz für das schwache Niveau der Bundesliga. Wenn ein ambitionierter und in der Liga gut platzierer Klub wie Union nicht Mal die nächste Runde erreicht. Einfach peinlich und eine Schande für Berlin

  15. 8.

    Es war eine Veranstaltung unter 2G-Plus-Bedingungen. Eine Maskenpflicht am Platz bestand nicht. Ebenso entfiel deshalb die Abstandsregelung. Das hat Union nicht so beschlossen, sondern umgesetzt. Warum man nur 5.000 Zuschauer zulässt, die aber über nur einen Eingang ins Stadion lässt, an dem sich lange Schlangen bilden, ist allerdings diskussionswürdig.

  16. 7.

    Eine durchschnittliche Mannschaft aus Prag hat den Köpenickern die Grenzen aufgezeigt.
    Ein ganz schwaches Spiel was andeutet, dass Union auch in der BL. erhebliche Probleme bekommen wird. Am Ende werden Sie froh sein,die Klasse zu halten.

  17. 6.

    Das war eine 2G+ Veranstaltung, da entfällt das Tragen einer Maske! Außerdem war das der höchst infektiöse Außenbereich, da halten Unioner immer zusammen!!
    Bei Konzerten unter 2G+ im Innenbereich! (lt. der lustigen Senatvorgaben wohl gleich infektiös) stehen natürlich alle im Abstand von jeweils 2m und haben zusätzlich noch drei Masken auf.

  18. 5.

    Das Konzept, kommt städtischen Olympiastadion, weder vom Verein und schon gar nicht von uns Unionern,
    sah sogar vor die Masken am platz abnehmen zu können.
    Viel bedenklicher war, das dieser eine block nur durch einen Eingang, der durch eine TV Kamera noch künstlich verengt wurde, zu erreichen war.
    Nach Beschwerden unsererseits, war die die Kamera zur 2.hälfte weg und 2 weitere Eingänge geöffnet, immerhin sind se lernfähig.
    Zur ECL, ist nur erste Testphase auf dem weg zur Champignonliga^^ eisern

  19. 4.

    Na ja, auf ein Neues !
    Als ich vor ca. 30 Jahren erstmalig in der "Alten Försterei" war, hat kein Mensch dran geglaubt, das die EISERNEN mal soweit kommen würden.
    Eisern Union!!!
    Eisern Union! Immer wieder Eisern Union!
    Immer wieder! Immer wieder!
    Immer weiter – ganz nach vorn
    :-)

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