Bobpilotin Jamanka und Sprinterin Burghardt - "Wir können es nur gemeinsam schaffen"

Mi 15.12.21 | 06:01 Uhr | Von Shea Westhoff
Alexandra Burghardt und Mariama Jamanka
Bild: imago images/Beautiful Sports

Bei den Olympischen Spielen in Peking will die Berliner Bobpilotin Mariama Jamanka ihre Goldmedaille von 2018 verteidigen. Hilfe bekommt sie von der aktuell schnellsten deutschen Sprinterin Alexandra Burghardt. Für beide sind es unvorhersehbare Spiele. Von Shea Westhoff

Lachs, Kartoffeln und Salat. Das gibt es zum Abendessen, wenn die beste Bobpilotin und die schnellste Sprinterin Deutschlands gemeinsam kochen. Mariama Jamanka und Alexandra Burghardt sind zum Zeitpunkt des Gesprächs mit rbb|24 im Hotel in Winterberg untergebracht, zur Vorbereitung auf den dort stattfindenden Weltcup. Dass sie sich ihre Mahlzeiten dort selber zubereiten können, sei "natürlich sehr angenehm", wie Jamanka sagt, die Olympiasiegerin von 2018 im Zweierbob.

"Muss mich in Geduld üben"

Und eine gewisse Vertrautheit zwischen den beiden ist da bereits zu erahnen, selbst via Telefon. Genau das war ja die große Frage, als bekannt wurde, dass die Bobpilotin Jamanka bei den Olympischen Winterspielen in Peking im kommenden Februar gemeinsam mit Deutschlands schnellster 100-Meter-Sprinterin als Anschieberin durch den Eiskanal donnern will: Werden die beiden so schnell zueinander finden? Und: Wird sich die 27 Jahre alte Burghardt in der völlig neuen Sportart direkt zurechtfinden?

Burghardt absolviert weiterhin ihre Sprint-Trainings auf der Tartanbahn, wie sie berichtet, aber zusätzlich gehe es nun darum, sich mit dem komplexen Mechanismus des Haubenschlittens vertraut zu machen – und Kufen zu schleifen. "Es ist eben nicht nur Sprint", sagt sie, die vor allem für die Geschwindigkeit am Start sorgen soll. Die größte Herausforderung für die gebürtige Oberbayerin: "Ich muss mich manchmal in Geduld üben." Es gibt keinen Startschuss, wie beim Sprint, es komme beim Bobsport mehr "auf den gemeinsamen Impuls" an. Manchmal sei sie zu hektisch, obwohl sie begriffen habe, dass es wichtiger sei, "auf den perfekten Moment zu warten".

Sommer-Ziel ist die Leichtathletik-WM

"Es ist auch ganz lustig, wenn jemand neu dabei ist und dann neue Einblicke in den Sport bekommt", sagt Mariama Jamanka hörbar amüsiert. Die technischen Elemente des Bobsports zu begreifen, das sei am Anfang recht viel. "Aber Alex macht das schon gut." 2018 gewann Jamanka die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen im Zweierbob, noch gemeinsam mit der Anschieberin Lisa Buckwitz, die mittlerweile selbst Pilotin ist.

Burghardt und Jamanka zueinandergebracht hat Stephan Bosch, der Landestrainer für Bobsport in Bayern. Der kannte die gebürtige Oberbayerin Burghardt schon länger, habe sie für den Wechsel in den Kufenschlitten begeistert.

Mit der gebürtigen Berlinerin Jamanka erhofft sich Burghardt nun Erfolge in ganz anderen Dimensionen. Eine olympische Medaille im Bobsport sei realistischer als auf der Tartanbahn, das müsse sie zugeben. Aber der wichtigste Faktor bei der Entscheidung für den Bobsport sei nicht die Jagd nach dem Edelmetall gewesen: "Sondern einfach die Olympischen Spiele an sich, die für mich im Sommer sehr emotional und positiv waren, und das noch mal zu erleben", sagt sie. Bei den Sommerspielen in Tokio fehlten Burghardt und ihrer 4x100-Meter-Staffel tatsächlich nicht viel, um den Sprung aufs Podium zu schaffen. Im Finale erreichte man den fünften Rang.

Klar, dass die begnadete Sprinterin ihre Sprintschuhe nicht an den Nagel hängt. Im Gegenteil. Nach den Olympischen will die 27-Jährige in die Vorbereitungen auf die Leichtathletik-Weltmeisterschaften starten, die im Juli im US-amerikanischen Eugene stattfinden sollen. Einen Monat später beginnen die Leichtathletik-Europameisterschaften im nahe ihrer Heimat gelegenen München. "Ich werde im Herbst 2022 auf jeden Fall einen ganz langen Urlaub machen", sagt Burghardt.

Ungeliebte Disziplin Monobob

Doch nicht nur sie, auch Teamkollegin Mariama Jamanka hat mit einer Neuerung zu kämpfen. Für die Berliner Pilotin ist das der Monobob. Das streitbare Gefährt war vom Internationalen Bobverband (IBSF) offiziell aus Gründen der Gleichberechtigung eingeführt worden, da die Männer neben dem Zweierbob die zusätzliche Disziplin des Viererbobs haben. Nun, so die Logik, können auch die Spitzenpilotinnen eine weitere Medaille gewinnen.

Den verkürzten Bobschlitten und dessen Eigenheiten musste Jamanka im vergangenen Jahr erst einmal kennen lernen, etwa, dass man diesen nicht seitwärts anschiebt, sondern von hinten, und auch nicht von der Seite, sondern vorwärts hineinhüpft.

Jamanka bekräftigt ihre Skepsis gegenüber der neuen Disziplin. Viele Pilotinnen hätten sich den Viererbob gewünscht. "Das wurde aus, meiner Meinung nach, nicht wirklich guten Gründen abgesagt", sagt sie. Mit vollkommener Chancengleichheit habe der Monobob insofern wenig zu tun. Zumal es vier Medaillen im Vierer, und eben nur eine im Mono gebe. Doch die 31-Jährige gibt sich zweckorientiert. "Ich lege jetzt meinen Fokus darauf, es so gut wie möglich hinzubekommen", sagt sie. "Ich kann das auch hinbekommen."

Die Olympia-Qualifikation hat das neue Bob-Gespann zwei Tage später festgezurrt: Beim Weltcup in Winterberg rasten Jamanka und Burghardt auf Platz zwei - der erste gemeinsame Podestplatz. Bis zu den Olympischen Spielen wollen die beiden ihr angestrebtes Leistungsniveau erreichen. "Wir sind ein Team, wir sind voneinander abhängig", sagt Burghardt.

Dann sagt die Sprintern den Satz, der wie eine Erfolgsformel klingt für die unkalkulierbaren Spiele - und zwar für beide: "Wir können es nur gemeinsam schaffen."

Sendung: Inforadio, 10.12.2021, 15:15 Uhr

Beitrag von Shea Westhoff

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