Berlin und Brandenburg - Fünf Angeltrends für 2022

Sa 15.01.22 | 12:08 Uhr | Von Friedrich Rößler
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Angeltrends 2022
Bild: imago images/SNA

Das Naturerlebnis Angeln erfreut sich in Berlin und Brandenburg immer größerer Beliebtheit. Doch welcher Fisch, welche Fang-Technik und welches Gewässer werden im neuen Jahr gefragt sein? Von Friedrich Rößler

In Zeiten von Abstandsregeln und Hygienevorschriften zieht es die Menschen in Berlin und Brandenburg immer mehr mit der Angelrute in der Hand an die Gewässer. In Brandenburg stieg 2021 die Zahl der Mitglieder im Landesanglerverband um fast 3.000 auf mehr als 94.000.

Zum Vergleich: Im Fußball-Landesverband waren im letzten Jahr knapp 98.000 Vereinsmitglieder organisiert. In der Mark ist der Angelsport also König Fußball dicht auf den Fersen. Auch in Berlin stieg die Zahl der organisierten Anglerschaft: Mehr als 9.000 Mitglieder verzeichnete der Anglerverband Berlin 2021.

Mehr als 3.000 Seen in Brandenburg

Ein Blick auf die Gewässer in der Region verrät schnell, warum gerade Fische fangen als Outdoor-Hobby immer gefragter wird. In Brandenburg existieren mehr als 3.000 Seen und auch die großen Flüsse Elbe, Oder, Spree und Havel bieten jede Menge Platz für Fische.

In Berlin befinden sich unzählige Kanäle und viele Verzweigungen entlang der Havel, der Spree oder der Dahme und auch der Müggelsee, Tegeler See, Wannsee oder Seddinsee verheißen den großen Fang. Ein weiterer Aspekt: Ein Trip an die Ostsee nach Mecklenburg-Vorpommern dauert nicht länger als drei Stunden. Die Nachfrage ist also groß, das Angebot ebenfalls - da drängen sich für das neue Jahr quasi ein paar Angeltrends regelrecht auf.

1. Zielfisch Hering

Wenn Mitte März bis Anfang April die Heringsschwärme an die Küste von Mecklenburg-Vorpommern ziehen, dann findet gerade in Brandenburg eine Art Völkerwanderung statt. Anstatt auf der Havel oder der Spree sitzen die Brandenburgerinnen und Brandenburger in ihren Kähnen zum Beispiel auf dem Strelasund und stellen den Heringen nach.

Doch in den letzten beiden Jahren war der Ausflug an die See zur Heringssaison fast unmöglich. Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern hatte wegen der hohen Infektionszahlen ein Einreiseverbot verhängt. Nur Menschen mit Wohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern oder mit beruflich begründeten Anliegen durften beim nördlichen Nachbarn zum Winterende hin einreisen. Die Hoffnung für dieses Jahr ist groß, dass mit der steigenden Impfquote kein Einreiseverbot im Frühjahr kommt.

Was ebenfalls für den Hering als Zielfisch 2022 spricht, ist die drastisch herabgesetzte Fangquote für den Dorsch. Die Bestände des beliebten Speisefisches sinken dramatisch, sodass sich die Europäische Union gezwungen sah, die Regeln für die westliche Ostsee zu verändern. Im neuen Jahr ist nur noch ein Dorsch pro Tag pro Anglerin bzw. Angler erlaubt, vor einem Jahr waren es noch bis zu fünf, 2017 durften maximal sieben Ostsee-Leoparden pro Tag entnommen werden.

Der Dorsch-Tourismus dürfte damit fast zum Erliegen kommen und es werden andere Zielfische in den Fokus rücken, wie zum Beispiel die Plattfische Flunder und Scholle oder eben der Hering. Und wenn der kurz vor dem Frühling in Schwärmen auftaucht, dann werden sich auch viele der mehr als 100.000 Anglerinnen und Angler aus der Region Berlin-Brandenburg auf den Weg zum Fisch machen. Wenn sie denn dürfen.

2. Streetfishing-Hype hält weiter an

Dass Angeln sein ramponiertes Image in den letzten Jahren abgelegt hat, beweist ein Blick auf die Art von Menschen, die da an den Flüssen und Kanälen stehen. Dominierten jahrelang alte und unfreundliche Männer das Geschehen, so bevölkern in den letzten zwei, drei Jahren immer mehr junge Menschen in urbanem Outfit die Berliner Angelszene. Mit leichter Angelrute, einem klappbaren Kescher auf dem Rücken und wenig Ausrüstung im Rucksack ziehen die so genannten Streetfishing-Frauen und -Männer entlang der Ufer.

Teilweise organisiert in Crews, teilweise alleine wird beim Streetfishing mit kleineren Kunstködern zügig eine vielversprechende Stelle abgefischt und wenn es keinen Bisskontakt gab, schnell zum nächsten Spot weitergezogen. Um zu den Angelstellen zu gelangen, wird auch gern die urbane Infrastruktur wie Bus, Bahn oder E-Scooter genutzt.

Diese moderne Variante des Raubfischangelns auf Barsch oder Zander ist vor allem in größeren Städten wie Berlin oder Hamburg zu beobachten. Aber auch in Potsdam, Cottbus oder Oranienburg sieht man immer mehr Menschen beim Streetfishing. Diesen Trend hat auch die Angelindustrie erkannt und produziert mittlerweile eigene Streetfishing-Produktreihen.

3. Angeln vom Kajak aus

Die besten Angelplätze lassen sich nicht von Land, sondern vom Boot aus erreichen. Doch so ein Angelkahn kostet viel Geld in der Anschaffung und im Unterhalt. Da sind Alternativen gefragt. Eine davon könnten Angelkajaks sein.

Diese extra zum Angeln entworfenen Kunststoff-Kähne gibt es mit Pedalantrieb und stabiler Wasserlage, sodass die Hände frei sind zum Fische fangen. Durch den Fußantrieb können diese Boote auch rückwärts fahren und lassen sich dadurch einfach manövrieren. Die geräuscharme Wasserfortbewegung im Gegensatz zu Bootsmotoren ermöglicht ein unauffälliges Annähern, ohne die potentiellen Zielfische zu verscheuchen. Und dort, wo Motorboote verboten sind, punktet ein Angelkajak umso mehr. Verschiedene Modelle kosten 500 bis 1.500 Euro, in Berlin und Brandenburg lassen sich die Boote auch für circa 80 Euro pro Tag ausleihen.

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4. Back to the Roots

Jeder Fisch lässt sich mit verschiedenen Angeltechniken fangen. Die Angelindustrie bedient das fleißig und denkt sich jedes Jahr neue Trends aus. Wenn daher viele Anglerinnen und Angler mit Kunstködern Fische überlisten wollen, wären eventuell Naturköder eine Alternative. Einerseits, um den Geldbeutel zu schonen, anderseits, um eine Beute zu präsentieren, die eher den Fangerfolg verspricht, da zum Beispiel Würmer oder tote Köderfische nicht so häufig benutzt werden und durch Geruch und Geschmack noch mehr Reize als Metall- oder Plastikköder anbieten.

So lassen sich zum Beispiel Barsche auch sehr gut mit Regenwürmern aus dem eigenen Komposthaufen oder frisch von der Wiese gesammelt fangen. Zander und Hechte kann man mit toten Köderfischen versuchen zu überlisten, das gilt auch für große Barsche. Als Köderfische eignen sich besonders gut Rotaugen oder Rotfedern, aber auch die invasive Schwarzmundgrundel.

5. Angelurlaub im Lausitzer Seenland

Während sich in Berlin vielversprechende Angelplätze schnell herumsprechen und dann besetzt sind, überfordert das Angelland Brandenburg jeden Angler mit seinem Überangebot an Seen. Wer eventuell seinen Urlaub mit dem Angeln verbinden möchte, der sollte sich eine Seenkette im Land aussuchen. Der Naturpark Dahme-Heideseen zwischen Königs Wusterhausen und Storkow (Mark) bietet sich da an oder die Norduckermärkische Seenlandschaft.

Wer es lieber etwas größer und touristischer mag, der sollte das Lausitzer Seenland besuchen. Der Senftenberger See, Geierswalder See, Bärwalder See, die Talsperre Spremberg, der Dreiweiberner See und der Gräbendorfer See beherbergen Aale, Barsche, Hechte, Welse, Zander, aber auch Schleien oder Karpfen. Informationen zu den Bestimmungen lassen sich schnell online finden. Für einige Seen reichen zum Beispiel ein gültiger Fischereischein und die Mitgliedschaft im Landesanglerverband Brandenburg, sodass keine Extra-Kosten für die Angelerlaubnis anfallen. Warum also in die Ferne schweifen, gerade in Zeiten der Corona-Pandemie.

Sendung: Inforadio, 13.01.2022, 14:15 Uhr

Beitrag von Friedrich Rößler

7 Kommentare

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  1. 7.

    Nur das Petri keine Fische am Haken hatte und sich daran ergötzt hat, sondern als Menschenfischer unterwegs gewesen ist - daher ist dieser Gruß völlig unsinnig und beleidigt den eigentlichen Namensgeber.

  2. 6.

    Den Anglergruß schreibt man Petri(ohne e) Heil. Nur soviel dazu, Sie urbaner Jäger und Sammler (was ein Schwachfug auch).
    Und wären die Menschen Fleichfresser, hätten sie ein entsprechendess Gebiss. Haben wir aber nicht. Nur auch soviel dazu, Sie "Schlaumensch"

  3. 4.

    Schon vor 60 Jahren haben wir in Köpenick rund um die Altstadt und Schlossinsel geangelt, ganz profan. Heute ist man ein hipper Streetfisher wenn man das Gleiche macht. Mein Gott, was waren wir doch für Vorreiter in der DDR!

  4. 2.

    Schönes Bild: ein Fisch am Haken, zappelt, japst nach Sauerstoff, hat Schmerzen und der "erfolgreiche" Angler grinst in die Kamera und schaut der Kreatur beim Todeskampf seelenruhig zu. Kann jeder Angelfan stolz drauf sein. Ich halte das für in Szene gesetzte Tierquälerei.

  5. 1.

    „Streetfishing“ - Hm, auf der Straße angelt man sich eigentlich was anderes... so dachte man mal...Die Verwirrung ist doch nicht coronabedingt gewollt?

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