Branche im Wachstum - Wie Berlin vom E-Sports-Boom profitieren will

Mi 12.01.22 | 17:00 Uhr | Von Maike Gomm
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Ein Mann spielt in Berlin das Computerspiel League of Legends auf einem PC. (Quelle: dpa/Zacharie Scheurer)
Bild: dpa/Zacharie Scheurer

Die deutsche E-Sports-Branche wächst und das mitten aus der Hauptstadt heraus. Für Berlin kann das wirtschaftlich profitabel sein. Deswegen hat auch die Politik E-Sports auf dem Schirm. Von Maike Gomm

Ausgerechnet aus Spandau kommt der neueste Zuwachs in der Berliner E-Sports-Szene. Der Gaming-Influencer Maximilian Knabe, aka HandOfBlood, ist Gründer und Gesicht des neuen E-Sports-Clubs Eintracht Spandau. Antreten will Eintracht Spandau vor allem in dem beliebten Computerspiel "League of Legends". Gerade sind sie dabei, ihr Team aufzubauen.

Doch hinter der Eintracht steckt mehr. Die Marketingagentur Jung von Matt NERD und die Influencer-Agentur Instinct3 sind darin involviert. Eine aufwendig produzierte Videokampagne auf Youtube zeigt schon jetzt, dass es der Eintracht um mehr geht, als nur darum Wettkämpfe zu gewinnen. "Wir wollten, was Content und Storytelling angeht, den deutschen E-Sports ein bisschen revolutionieren, weil wir finden, dass uns andere Länder da etwas voraus sind", sagt Christian Baltes, Projektmanager von Eintracht Spandau.

Der E-Sports-Markt wächst weltweit

Vor allem aus wirtschaftlicher Perspektive ist das clever. Die E-Sports-Branche wächst weltweit. Nach Angaben des Verbands der deutschen Games-Branche ist der deutsche E-Sports-Markt von 2019 auf 2020 um 32 Prozent gewachsen [game.de]. Laut Prognosen von Statista soll sich der Umsatz bis 2025 sogar fast verdoppeln [statista.com].

Davon könnte auch Berlin profitieren. Denn nicht nur Eintracht Spandau sitzt in Berlin. Viele kleinere, aber auch größere international agierende E-Sports-Unternehmen haben sich in der Hauptstadt angesiedelt. Darunter auch G2, ein global Player in der Branche, und Berlin International Gaming, die weltweit erfolgreich an Wettkämpfen teilnehmen. Auch Riot Games hat in Berlin einen Sitz. Das Unternehmen bringt das beliebte Game "League of Legends" heraus und veranstaltet jährlich in Berlin die LEC, die europäische "League of Legends"-Meisterschaft.

Auch Christian Baltes von Eintracht Spandau hat erkannt, dass das Berlin als Standort attraktiv macht: "Ein Großteil der besten 'League of Legends'-Organisationen der Welt haben hier in Berlin ihren Standort. Das zieht natürlich Talente an, das zieht Spieler an, sodass man hier eine gute Infrastruktur hat, was E-Sports angeht."

E-Sports bringt Geld in die Stadt

Doch nicht nur für "League of Legends“-Spieler ist Berlin interessant. Hertha BSC baut zum Beispiel schon sein eigenes Fifa-Team auf. Und 2019 fand in der Mercedes Benz Arena die Weltmeisterschaft von "Counter Strike: Global Offensive" (CS:GO) statt. Spieleentwickler Riot Games führt mittlerweile sogar ein internes Bewerbungsverfahren für Städte durch, die Austragungsort einer Weltmeisterschaft oder eines Finalspiels sein wollen. Denn so ein E-Sports-Turnier zieht viele Menschen in die Stadt und bringt somit auch Geld ein.

E-Sports ist kein offizieller Sport - und damit nicht gemeinnützig

Im E-Sports entwickeln sich also schon Strukturen, wie man sie sonst aus dem internationalen Fussball kennt. Dabei ist E-Sports vom Deutschen Olympischen Sportbund nicht offiziell als Sport anerkannt. Der Landessportbund Berlin schließt sich dem an. Friedhard Teuffel, Präsident des LSB, sagte gegenüber dem rbb: "Für uns gehört E-Gaming nicht zu dem, was wir unter Sport verstehen. Da gehören für uns nur die Spiele dazu, die eine Sportart wirklich abbilden mit der körperlichen Betätigung."

Solange E-Sports nicht als Sport anerkannt ist, gilt er auch nicht als gemeinnützig. Das könnte sich aber bald ändern. Die neue Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag schon angekündigt, E-Sports gemeinnützig machen zu wollen. Das könnte auch den Unternehmen einen weiteren Wachstumsschub bescheren. Die Gemeinnützigkeit wäre ein starkes Signal für den Breitensport und würde so auch die Nachwuchsförderung einfacher machen.

Auch die Berliner Politik zeigt Interesse an E-Sports

Die Berliner Politik hat E-Sports auf jeden Fall schon auf dem Schirm. Auf eine Anfrage des ehemaligen Abgeordneten Bernd Schlömer (FDP), welche Bedeutung der Senat E-Sports als Faktor für den Wirtschafsstandort Berlin beimisst, teilte die Senatskanzlei im November 2020 mit: "Alles in allem wird E-Sport ein großes Potential zugeschrieben u. a. auch durch Sekundäreffekte durch touristische Einnahmen bei Großevents."

Der ehemalige Regierende Bürgermeister Michael Müller hat sich 2020 sogar mit der Branche zu einem Runden Tisch getroffen. Laut Koalitionsvertrag plant auch die neue Berliner Regierung dies fortzusetzen.

Schon jetzt ist Berlin innerhalb Deutschlands einer der attraktivsten Standorte für die E-Sports-Branche - und das, obwohl auch sie von der Pandemie eingeschränkt ist. Doch sollte wieder Normalität einkehren und E-Sports tatsächlich gemeinnützig werden, dann könnte dem E-Sports-Standort Berlin ein große Zukunft bevorstehen.

Sendung: rbb|24 Explainer, 12.01.2022, 17:00 Uhr

Beitrag von Maike Gomm

10 Kommentare

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  1. 10.

    Auweia, da hab' ich ja was angefangen. Natürlich sollte man E-Sports nicht die Daseinsberechtigung entziehen. "Sport" ist nunmal kein geschützer Begriff. Nur mit der Anerkennung als Sportart im Sinne der Förderung / Gemeinnützigkeit gehe ich mit dem LSB / DOSB absolut konform. Das Merkmal "Spass" alleine ist irgendwie doch ein bisschen wenig. Schach setzt strategisches Denken voraus, das weit über die Anforderungen eines Screens hinausgeht. Dart setzt doch mehr als nur eine Hand/Auge Koordination voraus. Motorsport kann überaus körperlich anstrengend sein und setzt einen mind. guten Fitnesszustand voraus. Zum Boxen - ich find's einfach nur doof, obwohl auch hier ein Höchstmaß an Körperbeherrschung nur eine der Voraussetzungen ist - eigentlich wie bei jedem Kampfsport oder Kampftänzen (Capoeira z.B. :-) ). Ja, Computerspiele machen/machten auch Spass - aber das war es auch schon.

  2. 9.

    Eine interessante Fragestellung, was als Sport gilt und was nicht.

    Auch für mein Empfinden ist der sogenannte E-Sport kein Sport.
    Und dennoch: Würde man ihm die Daseinsberechtigung entziehen, müsste man das wohl auch für einige andere Sportarten tun, die z.T. schon lange als solche geduldet werden.
    Worin z.B. besteht beim sog. Motorsport die eigentliche sportliche Ertüchtigung? Wie steht man zu Spielarten wie Darts, die ebenfalls als Sport gehandelt werden? Was ist an Boxen sportlich?

    Auf der Suche nach Erkenntnis habe ich u.a. herausgefunden, dass der Begriff "Sport" ursprünglich vom französichen "se disporter" = "sich (von der Arbeit) wegbegeben" abgeleitet wurde - was ja auf alle genannten Beispiele zutrifft, andererseits natürlich wiederum die Frage aufwirft, als was Menschen bezeichnet werden sollten, die mit Sport als Arbeit ihr Geld verdienen.

  3. 8.

    Sport muss nicht "körperliche Betätigung" bedeuten.
    Auch Schach gilt als ein solcher.
    Dennoch stehe ich als begeisterter Videospieler (und Sportignorant) dieser Entwicklung skeptisch gegenüber.
    Zusehen reizt mich diesbezüglich einfach nicht.

  4. 7.

    Schach und Dart sind auch Sport, warum nicht Mausschupsen? Computerspiele sind anspruchsvoller als Sie vielleicht denken. Probieren Sie es doch mal aus, vielleicht macht es Ihnen ja Spaß.

  5. 5.

    Für Erfolg im E-Sport muss man so viel trainieren, daß es einem die Lust an diesem Hobby kaputt macht. Wie siehts eigentlich mit Doping aus in dieser Sportart? Wird das genauso streng geprüft und behandelt?

  6. 4.

    Wir können leider nicht auf alle Teams eingehen, die in Berlin sitzen, aber wir haben BIG im Artikel ergänzt. Danke für den Hinweis.

  7. 3.

    Moin! Schade das ihr das erfolgreichste deutsche Team mit keiner Silbe erwaehnt habt: BIG - Berlin International Gaming - bigclan.gg

  8. 2.

    Mir erschliesst sich nicht, was E-Sports mit Sport im eigentlichen Sinne zu tun hat? Flapsig gesagt, 100 Meter Mausschubsen dient nicht gerade der Förderung der körperlichen Ausdauer oder der beim Sport notwendigen Koordination und selbst wenn man nur den Spielaspekt sieht, wird ein "Ballerspiel" wird nicht an die Erfordernisse eines "Outdoor-Paintball-Treffens" rankommen.

  9. 1.

    Aha, EEEEEE-Sport so so, was sich so alles Sport nennt Heutzutage... Kann man das bei der Krankenkasse anrechnen für den Bonus?

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