Meinung | Ein Blick in die Zukunft - Fünf Thesen für die Rückrunde des 1. FC Union Berlin

Di 25.01.22 | 20:31 Uhr | Von Till Oppermann
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Die Mannschaft vom 1. FC Union Berlin jubelt beim Sieg gegen den Stadtrivalen Hertha BSC im DFB-Pokal-Achtelfinale (imago images/Matthias Koch)
Bild: imago images/Matthias Koch

In der Liga auf einem Champions-League-Platz und im Pokal im Viertelfinale: Für den Fußball-Bundesligisten 1. FC Union Berlin könnte es kaum besser laufen. Ein Überblick, wie die Saison nach Meinung von Till Oppermann weitergeht.

1. Taiwo Awoniyi schießt mindestens 15 Saisontore

Toptorjäger Taiwo Awoniyi befindet sich auf dem Rückweg nach Berlin und wird schon am kommenden Montag wieder am Team-Training teilnehmen, nachdem seine Reise zum Afrika-Cup durch die Viertelfinalniederlage seiner nigerianischen Nationalmannschaft ein vorzeitiges Ende fand. Der Stürmer erscheint in Topform und wird sofort wieder zum Stammspieler werden. Wie Manager Oliver Ruhnert vor Awoniyis Abstellung hoffte, war er im Nationalteam gesetzt und ist im Spielrhythmus geblieben. Seit seiner festen Verpflichtung im letzten Sommer ist Taiwo Awoniyi einer der besten Stürmer der Liga.

Als er im Vorjahr noch ausgeliehen war, ließ seine Chancenauswertung oft zu wünschen übrig. In dieser Saison traf er hingegen schon neunmal in 17 Spielen, obwohl er laut den expected Goals nur Chancen für acht Tore hatte. Gleichzeitig lobte er immer wieder Unions Vertrauen in ihn. Awoniyis Reise zur Nationalmannschaft gab ihm weiteres Selbstvertrauen. Das wird sich für Union in Toren auszahlen, Taiwo Awoniyi schießt insgesamt mindestens 15 Saisontore.

2. Wenn Rönnow in der Rückrunde nicht spielt, braucht Union einen neuen Torwart

Gegen Borussia Mönchengladbach setzte Urs Fischer im Tor auf Frederik Rönnow, Stammkeeper Andreas Luthe musste auf der Bank Platz nehmen. "Der Trainer hatte mir gesagt, dass ich mal eine Chance verdient gehabt hätte", freute sich Rönnow nach seinem soliden Spiel. Trotzdem steht er unter Zugzwang: Andreas Luthes Vertrag läuft im Sommer aus. Will Rönnow die restlichen beiden Jahre bis zu seinem eigenen Vertragsende 2024 Stammkeeper werden, muss er trotzdem an ihm vorbei.

Luthe ist zwar Publikumsliebling und eine Bank auf der Linie, spielt allerdings an seiner Leistungsgrenze und ist trotzdem nicht frei von Unsicherheiten. Rönnow ist vier Jahre jünger als Luthe, aber wenn es ihm nicht gelingt, einen Torwart von Luthes Kaliber zu verdrängen, hat er nicht die Qualität für Union. Manager Oliver Ruhnert sollte dann im Sommer nachlegen.

3. Nächste Saison spielt Union mindestens in der Europa League

Nach 20 Spieltagen steht Union auf einem Champions-League-Platz - dabei war das Saisonziel der Klassenerhalt wie Urs Fischer und Oliver Ruhnert fleißig betonen. Obwohl die Tordifferenz von nur vier Treffern im Plus schwächer ist, als die der den Verfolger aus Freiburg, Hoffenheim und Leipzig, werden die Eisernen auch am Saisonende mindestens zwei dieser Teams hinter sich lassen. Union hat jeden dieser Gegner schon geschlagen und kann durch Kampfgeist und Mentalität jedes enge Spiel für sich entscheiden.

Zudem fällt die Belastung durch die Conference League weg. Gerade nach den internationalen Spielen ließ Union in der Hinrunde beispielsweise gegen Stuttgart und Köln spät wichtige Punkte liegen. Und dann wäre da noch die historische Chance im DFB-Pokal. Ohne Bayern, Dortmund und Leverkusen gehört Union zu den Titelfavoriten. Klingt absurd, ist aber so.

4. Urs Fischer steht vor seinem letzten Halbjahr

Der Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Nicht nur an Spielern wie zuletzt Robert Andrich und Marvin Friedrich und nun Taiwo Awoniyi. Dass der Verein immer wieder Spieler verpflichtet, die alle Beobachter überraschen, ist Oliver Ruhnerts Verdienst. Aber dafür, dass sie scheinbar problemlos im Teamgefüge Topleistungen abliefern, gebührt das Lob Trainer Urs Fischer. Eine Paradebeispiel dafür ist, dass er aus dem mittelmäßigen Reservisten Niko Gießelmann in dieser Saison einen der gefährlichsten Linksverteidiger der Liga gemacht hat.

Auch andere Vereine werden das registrieren. Zumal Fischer als gnadenloser Pragmatiker bereit ist, seine eigenen Träume dem Erfolg unterzuordnen. Wegen kompakter Abstände mag der ehemalige Innenverteidiger Grundformationen mit Viererketten. Gleichzeitig lässt er bei Union eine innovative Dreierkette mit offensivstarken Flügelverteidigern spielen, weil das besser zum Kader passt.

Seit dem Aufstieg hat er Unions Spiel in jeder Saison weiterentwickelt. Abgänge von Stammspielern wie Sebastian Andersson, Andrich oder Friedrich und Ausfälle wie von Max Kruse oder Taiwo Awoniyi fallen unter Fischer kaum ins Gewicht. Diese Qualitäten machen den Schweizer zu einem der besten Fußballtrainer in Deutschland. Wenn Union den Pokal holt oder in die Europa League einzieht, kann es allein aus finanziellen Gründen kaum besser werden. Urs Fischer wird dann eine neue Herausforderung suchen.

5. Wenn Oliver Ruhnert bis zum Transferschluss nicht weitere Spieler abgibt, droht Ärger

Im perfekten Kader stehen 27 oder 28 Spieler. Das sagte zumindest Oliver Ruhnert vor dem Winter-Transferfenster. Es sei deshalb sicherlich ein Ziel, die Mannschaft zu verkleinern, erklärte der Manager weiter. Viele Spielern können mit ihrer Spielzeit nicht zufrieden sein. Bisher äußerte nur Sheraldo Becker öffentliche Kritik, der diese danach mit tollen Leistungen rechtfertigte. Das könnte andere Mannschaftskameraden auf den Plan rufen. Die Rönnow-Rochade gegen Gladbach beweist, dass Urs Fischer versucht, den hohen Druck mit Einsatzchancen für Reservisten zu senken.

Weitere Abgänge könnten ebenfalls für etwas Entspannung sorgen. Bisher hat Ruhnert mit Cedric Teuchert und den Ausleihen von Tymotheusz Puchacz und Fabio Schneider reagiert. Abwehrchef Marvin Friedrich wurde zwar auch verkauft, aber der gestandene Dominique Heintz soll ihn ersetzen. Seit der Verpflichtung von Andras Schäfer, Ungarns Fußballer des Jahres 2021, beträgt die Kadergröße wieder 29 Spieler. Sieben Spieler, die schon seit Sommer im Kader stehen, haben in der Bundesliga noch gar nicht gespielt. Wenn es Ruhnert nicht gelingt, einige von ihnen loszuwerden, droht Ärger in der Mannschaft.

Beitrag von Till Oppermann

4 Kommentare

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  1. 3.

    Ja, so kann man vieles Beschreiben. Aber meistens kommt es anders als man denkt.
    Auch morgen wird es wieder hell.
    Union bleibt Union ,ob 2. oder 17.

  2. 2.

    Wenn ja, wo läge das Problem? Es ist eine von mir aus belanglose Gedankenspielerei in einer mehr als komfortablen Situation des 1. FC Union Berlin. Man verfolgt die Entwicklung immer noch mit ungläubigem Staunen und großem Respekt.

  3. 1.

    Ist das Satire?

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