Hertha gegen Union im DFB-Pokal-Achtelfinale - Zwischen Derby-Druck und Pokalfinal-Traum

Mo 17.01.22 | 21:26 Uhr | Von Tabea Kunze
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Die Spieler von hertha BSC bilden vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln einen Kreis. Quelle: imago images/Matthias Koch
Audio: Inforadio | 18.01.2022 | T. Kunze/J. Krüger | Bild: imago images/Matthias Koch

In der Liga hat Hertha das letzte Derby bei Union verloren. In der Tabelle sind die Eisernen enteilt. Trotz der Fakten sehen sich die Blau-Weißen weiter als "größten Verein in Berlin". Dieser Status soll mit einem Sieg im Pokal untermauert werden. Von Tabea Kunze

Das Personal

Für Herthas zuletzt schmerzlich vermissten Stürmer Stevan Jovetic dürfte die Zeit bis zum Derby-Anpfiff zu knapp werden. Der 32-Jährige macht nach seiner Wadenverletzung zwar Fortschritte, ein Einsatz gegen Union käme aber wohl zu früh. Für Belebung in Herthas müder Offensive könnte dagegen Suat Serdar sorgen. Der ist nach seiner Liga-Gelbsperre zurück, genau wie der erfahrene Pokal-Experte Kevin-Prince Boateng.

Bei Rechtsverteidiger Peter Pekarik und Ersatzkeeper Oliver Christensen besteht die Chance, dass sie sich nach ihren Corona-Infektionen freitesten und damit in den Kader rücken. Kapitän Dedryck Boyata hat nach seiner Corona-Erkrankung in Wolfsburg ein kurzes Comeback gegeben, gegen Union könnte er zurück in die Startelf rutschen und dabei Jordan Torunarigha in der Innenverteidigung ersetzen.

Trainer Tayfun Korkut ist sich sicher, dass auch seine angeschlagenen Profis alles dafür geben, zum Anpfiff auf dem Platz zu stehen. Ein Derby könne man "immer spielen", so Korkut.

Die Form

Der überraschende Bundesliga-Heimsieg gegen Borussia Dortmund im letzten Spiel vor Weihnachten verblasst immer mehr als schöne Erinnerung ohne große Substanz. Herthas Start ins neue Fußballjahr verlief unangenehm holprig. Nach der 1:3-Heimniederlage gegen den 1. FC Köln und dem 0:0 beim kriselnden VfL Wolfsburg wartet die Hertha noch auf den ersten Sieg in 2022.

In der Bundesliga-Tabelle haben es die Blau-Weißen bisher nicht geschafft, sich beruhigend von den Abstiegsplätzen abzusetzen. Immer wieder gibt es Phasen im Spiel der Herthaner in denen entweder die defensive Stabilität, die offensive Power oder sogar beides offensichtlich fehlt. Trainer Tayfun Korkut hofft, dass ein Derbysieg im Pokal seiner Mannschaft "emotional" helfen könne, in ihrer Entwicklung die nächsten Schritte zu gehen.

Herthaner im Fokus

"Die ganze Stadt ist heiß auf dieses Derby", sagt Kevin-Prince Boateng und für ihn, den Ur-Herthaner, gilt das ganz besonders. Seit er mit 16 seine ersten Schritte bei den Hertha-Profis gemacht hat, träumt er vom DFB-Pokalfinale im eigenen Olympiastadion. Mit Eintracht Frankfurt hat er dort 2018 den Titel gewonnen, in diesem Jahr will er endlich mit seinem Herzensklub Hertha ins Endspiel von Berlin. Boateng wird im März 35 Jahre alt, er sieht sich als "Papa" der Mannschaft. In dieser Pokalsaison traut der "Papa" seinen "Jungs" mindestens das Halbfinale zu, und dann sei es ja "nur noch ein Spiel, das du gewinnen musst bis zum Finale".

Mit Blick auf den 1. FC Union gibt Boateng offen zu, dass der neue Liga-Rivale am Status der Hertha "kratze". Und es tue weh, dass "sie kratzen", muss er dazu eingestehen. Ob die Eisernen durch die aktuelle sportliche Entwicklung jetzt die Nummer 1 in Berlin seien? "Nein", stellt Boateng klar, "das werden sie auch nicht sein, selbst wenn sie mal Meister werden. Hertha BSC ist der größte Verein in Berlin und ein großer Verein in Deutschland, ganz einfach."

Besonderheiten

Es hätte ein unvergesslicher Derby-Festtag in Berlin werden können, doch aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen muss das Pokal-Achtelfinale in einem fast leeren Olympiastadion stattfinden. Lediglich 3.000 Personen dürfen vor Ort sein, darunter sind 200 Gästefans des 1. FC Union. Hertha BSC hat die verbliebenen Heimtickets unter seinen Vereinsmitgliedern verlost.

Es gilt die 2G-plus-Regel sowie eine permanente FFP2-Maskenpflicht. Auf eine beflügelnde Heimkulisse muss Trainer Tayfun Korkut also verzichten. Das tut gerade der sportlich nicht gefestigten Hertha weh. Fast trotzig verspricht der Coach, dass er mit seinem Team alles tun werde, um "die Fans glücklich zu machen und mit einem Derbysieg etwas zurückzugeben".

Sendung: rbbUM6, 17.01.21, 18 Uhr

Beitrag von Tabea Kunze

13 Kommentare

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  1. 13.

    Ich wüsste nicht, dass DIE Unioner Hertha auslachen, weil die nur Mieter im Olympiastadion ist. Wo Hertha seine Heimspiele austrägt ist uns schitegal, Jürgen. Und es macht schon einen Unterschied aus, ob man auf eigenem oder fremden Rasen spielt - auch ohne viele Fans zur Unterstützung.

  2. 12.

    Sind es nicht die Unioner, die sonst am lautesten Hertha auslachen, dass sie kein eigenes Stadion haben? Jetzt auf einmal soll das Olympiastadion doch Herthas eigenes Stadion sein? Union hat seine internationalen Heimspiele auch im Olympiastadion gespielt, Fans sind kaum welche vor Ort. Wirkliche Heimspielatmosphäre wird wohl kaum aufkommen.

  3. 11.

    Zitat: "Das ist richtig, Union ist zur Zeit viel besser als Hertha. Sprich: eine Niederlage gegen diese Hertha wäre für die Eisernen mehr als peinlich."

    Sollte der FCU gegen Hertha verlieren, was ich natürlich nicht hoffe, wäre das überhaupt nicht "mehr als peinlich", Jürgen. Das sind beides Erstliga Mannschaften von denen die eine gerade gut, die andere weniger gut in Form ist. Und ein Pokalspiel hat immer noch seine eigenen Gesetze, um mal eine berühmte Phrase zu verwenden. Zudem spielt Hertha im eigenen Stadion, was durchaus einen gewissen Vorteil mit sich bringt.

    Bei den anstehenden Partien gibt's wohl nur eine bei der es wirklich peinlich werden könnte, nämlich dann, wenn RBL zuhause gegen Rostock unterliegen würde.

  4. 10.

    Die wölfe heulen, doch die Karawane zieht weiter. Also lasst den Prinzen sich an seinen Sprechblasen erfreuen.

  5. 9.

    Hm, Hertha wird sich gegen Union genauso durchsetzen wie 1860 gegen den FCB? So ist doch aber momentan schon der Status ;-)
    Nein, nein, die Zeit der alten Dame geht zu Ende. So ist es nun mal. Vielleicht spielen die blauen ja bald ein Liga-Derby gegen TeBe oder Tasmania.

  6. 8.

    Klar hat Union im Augenblick mal die Nase vorn . Aber über kurz oder lang wird sich die " Alte Dame " ganz klar durchsetzen . So in etwa wie 1860 München VS Bayern München wird die Zukunft ganz klar zu Gunsten der Hertha aussehen . So ist es nun mal .

  7. 7.

    Das ist richtig, Union ist zur Zeit viel besser als Hertha. Sprich: eine Niederlage gegen diese Hertha wäre für die Eisernen mehr als peinlich.

  8. 6.

    Hertha soll sich lieber auf die Liga konzentrieren! Was bringt es im Pokal weit kommen und dann doch in die 2.Liga abzusteigen!?

  9. 5.

    Der Schlechtere klammert sich immer an irgendwelche blödsinnigen Ausreden!

    Es gibt aber die Faktenlage und nach der ist klar Union die Nummer 1 in Berlin!
    Fakt ist Union hat mehr Vereinsmitglieder, ist damit also DEFACTO der größere Club.
    Fakt ist Union ist sportlich deutlich vor Hertha, ist also damit DEFACTO der bessere Fußballclub und die klare Nummer 1 in Berlin.

    So deutlich wie es ist, ist aber auch klar, dass man sich bei Hertha auf nolstragischen Blödsinn beziehen muss, weil man mal vor gefühlt 100 Jahren (nie in der Bundesliga) Meister war.
    Bezieht man die Vergangenheit mit ein wäre Hertha größer, aber das Leben findet nur im Hier und jetzt statt.

    Aber wer nach Ausreden sucht verbessert sich auch nicht, ergo lasst sie mal schön machen!

    Hertha hat nur noch mehr Geld, aber auch da holt Union mit riesigen Schritten auf, spätestens dort ist Union auch in 2-3 Jahren die vorne.

  10. 4.

    Herta ist eh nur Außenseiter.

  11. 3.

    Da fällt mir doch der alte Spruch der 70er Jahre ein : Wir sind immer vorn, und wenn wir mal hinten sind, ist hinten vorn :-))

  12. 2.

    Union im Finale wird genauso wenig passieren, wie das der Big City Looser Club gegen Union gewinnt !

  13. 1.

    Ach würde das mich freuen,Union im Finale

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