Zum Rückrundenstart der Bundesliga - Hertha BSC unterliegt dem 1. FC Köln mit 1:3

So 09.01.22 | 19:38 Uhr | Von Jakob Lobach
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Herthas Marco Richter im Zweikampf mit Kölns Jonas Hector (Bild: IMAGO/Sebastian Rappold/Mathhias Koch))
Video: rbb | 09.01.2022 | Max Zobel | Bild: IMAGO Images/Sebastian Räppold/Matthias Koch

Gegen den 1. FC Köln spielt Hertha BSC zum Rückrundenstart erst gut, dann fünf Minuten denkbar schlecht und auch zu mutlos. Das Ergebnis: eine 1:3-Niederlage, die auch ein sehenswerter Freistoß von Vladimir Darida nicht mehr abwenden kann. Von Jakob Lobach

Die Fußballer von Hertha BSC haben ihr erstes Spiel im Jahr 2022 verloren. Zum Rückrundenstart unterlagen die Berliner am Sonntagnachmittag im heimischen Olympiastadion dem 1. FC Köln mit 1:3. Nach zuletzt sieben Punkten aus vier Spielen unter dem neuen Trainer Tayfun Korkut zum Abschluss der Hinrunde, spielten dessen Schützlinge gegen aktive Kölner zu lange zu mutlos.

Die Weichen für die Niederlage stellte eine denkbar schwache Phase der Hertha Mitte der ersten Halbzeit, in welcher die Kölner Gäste durch Anthony Modeste (29. Minute) und Ondrej Duda (32.) per Doppelschlag in Führung gingen. Den einzigen Hertha-Treffer des Spiels erzielte Vladimir Darida in der 57. Minute per Freistoß.

Corona-bedingte Ausfälle und Umstellungen

Die Ausgangssituation vor dem Rückrundenstart war aus Sicht der Hertha alles andere als ideal: Eine ganze Reihe von Coronafällen hatten Trainer Tayfun Korkut und seiner Mannschaft die Vorbereitung rund um den Jahreswechsel erschwert und auch die Aufstellung gegen Köln geprägt. So fehlten etwa Innenverteidiger Dedryck Boyata und Neuzugang Fredrik André genauso wie Ishak Belfodil und Stefan Jovetic (Wadenverletzung) im Sturm. Weil darüber hinaus Krzysztof Piatek unter der Woche nach Florenz verliehen wurde, rückte Davie Selke neben Myziane Maolida in die Herthaner Sturmspitze.

Maolida war dann auch derjenige, dem die erste Chance des Spiels gehörte. Nach rund fünf gespielten, von Kölner Defensivdruck und wenig offensiver Struktur geprägten Minuten kam Herthas Stürmer halbrechts von der Strafraumgrenze zum Abschluss, den er dann allerdings etwas zu unplatziert links neben das Tor setzte.

Hertha mit gutem Beginn

Und dennoch waren die Gastgeber in der Anfangsphase die spielbestimmende, weil nach vorne aktivere Mannschaft. Zwar gelang es den Kölner Gästen in typischer Steffen-Baumgart-Manier, Hertha beim Ballvortrag schon in der eigenen Hälfte immer wieder unter Druck zu setzen, insgesamt gingen die Berliner hiermit – zumindest zu Beginn – allerdings gut um. Was den Berlinern in der Offensive allerdings fehlte, war die nötige Durchschlagskraft, um aus jetzt besser strukturierten Angriffen aussichtsreiche Torchancen und auch Tore zu generieren.

So vergingen 29 Minuten, ehe es der Hertha gelang, sich eine wirkliche Großchance herauszuspielen. Diese war dafür dann umso größer: Nach einem schönen Zuspiel von Vladimir Darida, war es abermals Maolida, der sich dieses Mal gänzlich frei vor dem Kölner Torwart Marvin Schwäbe wiederfand. Weil Schwäbe mit dem Fuß jedoch besser parierte als Maolida mit selbigem zuvor geschossen hatte, blieb es beim 0:0.

Rückfall in alte Muster

In der Folge bekamen die 2.000, im weiten Rund des Olympiastadions sitzenden Hertha-Fans dann einen Rückfall in alte Muster zu sehen. Statt aus der Großchance zur Führung zusätzliche Motivation und weiteren Antrieb zu ziehen, spielten die Berliner auf einmal ohne Spannung und zu sorglos. Keine zwei Minuten nach dem Maolida-Schuss ließ der einen Moment unaufmerksame Peter Pekarik auf Höhe der Mitteillinie Kölns Linksaußen Marc Uth davonlaufen. Nach dem in dieser Saison oft gesehen, weil für den FC Köln typischen Schema bediente Uth anschließend mustergültig den in der Mitte völlig frei stehenden Anthony Modeste, der den Ball mit seinem schon neunten Kopfballtreffer der Saison im Tor unterbrachte.

Gewissermaßen vollendet wurde die Wendung des Spiels zwei Minuten später, als Herthas Innenverteidiger Niklas Stark eine Kölner Flanke zu inkonsequent, vor allem aber zu kurz und zu mittig wegköpfte. Der Ball landete genau vor den Füßen von Ex-Herthaner Ondrej Duda, der aus 16 Metern zielsicher auf zwei zu null erhöhte und so zugleich den Halbzeitstand markierte.

Hertha verkürzt in Halbzeit zwei

Während die Berliner nach der Pause zunächst in unveränderter Formation auf den Platz zurückkehrten, blieb Schiedsrichter Tobias Stieler neben diesem stehen. Der 41-Jährige hatte sich im Verlauf der ersten Halbzeit eine Zerrung zugezogen und tauschte deswegen für die zweiten 45 Minuten mit dem vierten Offiziellen Alexander Sather die Plätze und Aufgaben.

Das Geschehen auf dem Platz beeinflusste der ungewöhnliche Wechsel allerdings nicht wirklich. Wie zum Ende des ersten Durchgangs waren es die Kölner, die das Geschehen bestimmten. Allen voran, weil sich die Hertha gegen den defensiven Druck weiter schwertat, strukturierte Angriffe aufzubauen.

So war es in der 57. Minute passenderweise eine Standardsituation, welche die Gastgeber zurück ins Spiel brachte: Nach einem Kölner Foul zwirbelte Vladimir Darida einen langen Freistoß aus dem linken Halbfeld so in Richtung des rechten Pfostens, dass Kölner und Berliner gleichermaßen unter dem Ball vorbeiflogen und dieser anschließend im Tor landete.

Hertha bemüht, aber zu mutlos

Der Rest der Partie gestaltete sich dann zunehmend ausgeglichen. Während die Kölner defensiv nicht mehr ganz mit der Intensität der ersten Halbzeit zu Werke gingen, taute die Hertha nun langsam etwas auf. Die Berliner investierten offensiv nun mehr, allerdings weiterhin nicht genug. Wie bereits im ersten Durchgang agierten sie jetzt zwar wieder strukturierter, wirklich aussichtsreiche Torchancen konnten sie allerdings nicht kreieren. Auch, weil der Mut und die Spielfreude der vergangenen Heimspiele, den Tranier Korkut vor dem Spiel von seiner Mannschaft gefordert hatte, nicht im gewünschten und gebrauchten Maße zu spüren war.

Nichtsdestotrotz riskierte die Hertha in den Schlussminuten defensiv viel, um offensiv vielleicht doch noch den Ausgleichstreffer zu erzielen. Ohne den gewünschten Erolg. So war es schlussendlich der 1. FC Köln, der den vierten und gleichzeitig letzten Treffer des Spiels erzielte. Herthas Vladimir Darida vertändelte in der 90. Minute auf Höhe der Mittellinie einen zuvor aus dem Kölner Strafraum geklärten Ball. Kölns Jan Thielmann stand so völlig plötzlich frei vor Torwart Alexander Schwolow, umkurvte diesen gekonnt und erzielte das 1:3 aus Berliner Sicht. Die Hertha liegt nach der Niederlage zum Rückrundenstart mit 21 Punkten aus 18 Spielen weiterhin im unteren Tabellendrittel.

Das Spiel in der Kurzanalyse

Dass Hertha gegen Köln auf eine gut eingestellte, defensiv mit viel Druck und hoch stehend agierende Mannschaft treffen würde, war bereits im Vorfeld der Partie klar. Genauso, dass die Kölner mit Anthony Modeste einen der aktuell kopfballstärksten Angreifer der Bundesliga in ihren Reihen haben. Trotz dieses Wissens, gehörten genau diese Faktoren zu den Hauptgründen für die Niederlage vom Sonntag.

Nur in der Anfangsphase fanden die Berliner wirklich gute Lösungen gegen die druckvolle Kölner Verteidigung. Nach 20 ersten Minuten, in denen Herthas Akteure ihre Gegenspieler das ein oder andere Mal überspielten, fehlte es ihnen in der Folge zu oft an den richtigen Ideen und Mitteln, den Druck der Kölner zu durchbrechen. So reihten sich immer wieder teils fahrlässige Fehler in das Aufbauspiel der Hertha ein, die durch zu wenige zielstrebige Aktionen in der Nähe des gegnerischen Strafraums ergänzt wurden.

Mitunter wirkte die Mannschaft von Trainer Tayfun Korkut eben nicht so mutig, so selbstbewusst und sicher in ihren Aktionen, wie dieser sich das vor der Partie erhofft hatte. Schlichtweg nicht aufmerksam und konsequent genug war die Hertha dann bei den beiden Gegentreffern in Halbzeit eins, die jeweils aus vermeidbaren Spielsituationen heraus entstanden.

Der Liveticker zum Nachlesen

Sendung: rbb UM6, 09.01.2022, 18 Uhr

Beitrag von Jakob Lobach

25 Kommentare

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  1. 25.

    Nun ja, dass es zu einem deutlich verlorenen Heimspiel von Hertha mehr als zu einem leistungsgerechten Unentschieden des FCU zu schreiben gibt, ist wohl nicht sehr ungewöhnlich.
    Ihre Schlussfolgerung, Hertha sei aufgrund der Mehrzahl an Kommentaren nun besonders interessant und der FCU langweilig, ist daher schon reichlich seltsam, Jürgen.

  2. 24.

    Eigentlich wie immer: das Prinzesschen eingewechselt, Gelbe Karte abgeholt, verloren.

  3. 23.

    Die vielen "Absteiger", "Big City Club" und andere hämische Kommentare zeigen: Hertha scheint doch immer noch interessant zu sein. 22 Kommentare zu einer langweiligen Niederlage. Im Gegensatz dazu beim wenigstens etwas spannenden, da in letzter Minute anders-entschiedenen Spiel der Kultigen aus Köpenick: 5 Kommentare. Viele scheinen sich mit Hertha, dem Berliner Sorgenkind, zu beschäftigen, ob positiv oder negativ. Union Berlin scheint hingegen einfach nur zu langweilen.

  4. 22.

    Adieu Hertha!

  5. 21.

    Die Hertha verkündete oft einen Neuanfang, der aber nur in der nächsten schwachen Phase mündete. Wunsch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander. Meine Forderung ist übertrieben. Etwas mehr Bescheidenheit würde der alten Dame aber trotzdem gut zu Gesicht stehen. Mal ist es das zu grosse Stadion, in das das müde Gekicke nur wenige Fans lockt, diesmal wurde vorsorglich gleich Corona angeführt. Von heute auf morgen wird aus 350 Millionen Euro keine siegreiche Mannschaft. Es fehlt der Grundstock. Doch muss man das auch ehrlich kommunizieren. Saisonziel ist leider wieder einmal nur der Klassenerhalt.

  6. 20.

    Beim Baurecht macht Ihnen so schnell keiner etwas vor. Ihre Geduld, mit der Sie andere vorführen, ist lesenswert. Fußball ist aber eher nicht Ihr Thema.

  7. 19.

    Die schwache Phase werden Hertha dauert schon Jahre. Zig Neuanfänge wurden verkündet, die bisher alle im Abstiegskampf endeten und damit das erklärte Ziel weit verfehlten. Der Verein muss ehrlicher werden. Entweder schrauben die Ansprüche herunter, was Windhorst aber nicht hören will oder die müssen es auf die harte Tour lernen. An den schlechten Zuschauerzahlen ist ja auch das Stadion schuld, nicht das Gekicke zu oft fernab des seit Jahren immer wieder selbsterklärten Anspruchs.

  8. 18.

    "Eine Bestleistung hat Hertha an diesem Spieltag. 3000 Teilnehmer im Olympiastadion bedeuten Fan-Rekord in der Liga."
    Pfui ba - zuviel ist dann doch etwas sehr zu wenig!!!

  9. 17.

    Richtig. Die Flanke muss er haben. Über das 2:0 muss man nicht reden. HBSC scheint nur einen Torwart zu haben.

  10. 16.

    Aber für Wolfsburg auch und für kohfeldt wohl auch. Also immer vorsichtig sein bei dem Begriff "aufbaugegner".

  11. 15.

    nur der gefühlte 5te Neubeginn in 2 Jahren....jetzt noch ein paar Granaten verpflichten sonst wird es ein Rohrkrepierer.

  12. 14.

    einen besseren Aufbaugegner als Wolfsburg kann es nicht geben. Ein 6-Punkte-Spiel.

  13. 13.

    Wir wissen doch allle, wie es demnächst weitergehen wird ... Spätestens um die Osterzeit herum wird die Hertha zielsicher und freundenstrahlend diesen Kohfeldt als neuen Trainer vorstellen!

  14. 12.

    Wenn im Arbeitszeugnis steht, man war stets bemüht, dann weiß Jeder, was wirklich gemeint ist!

  15. 11.

    Was sind das bitte immer für Parolen und Phrasen ?! So groß kann keine Regionalliga sein, wenn jeder Verein nach schwächeren Phasen einen Neubeginn machen sollte …

  16. 10.

    Weiter geht es
    Dem Abstieg entgegen

  17. 9.

    Klatsche für den BCC - jetzt folgen die gebetsmühlenhaft vorgetragenen Durchhalteparolen.

  18. 8.

    Respektable Leistung des Big City Clubs - Hut ab!

  19. 7.

    Nächste Woche gg. WOB. Und dann noch das Pokalspiel gg. Union. Das kann ja " noch sehr heiter" werden.

  20. 6.

    Es geht aufwärts mit der Hertha. Nach dem 0:5 gegeb den Effzeh vergangene Saison nur 1:3 verloren. Natürlich ist für manchen Fan Corona schuld. Die Vereinsführung sollte besser die gesamte 1. Mannschaft ins TOR stellen und in der Regionalliga einen Neuanfang wagen, und die sportliche Leitung gleich mit.


    TOR = Transfer-Online-Registrierungssystem

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