Dritte Heimniederlage in Folge - Souveräner Bayern-Sieg gegen überforderte Herthaner

So 23.01.22 | 21:16 Uhr | Von Fabian Friedmann
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Spielszene: Herthas Belfodil sieht sich von mehreren Bayern-Spielern umringt. (Bild: IMAGO / Andreas Gora)
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Video: Sportschau | 23.01.2022 | Stephanie Baczyk | Bild: IMAGO / Andreas Gora

Die Gegentorflut für Hertha BSC geht weiter. Im Heimspiel gegen den Tabellenführer Bayern München setzte es eine 1:4-Niederlage, wobei der Sieg des Rekordmeisters noch höher hätte ausfallen können. Von Fabian Friedmann

Hertha BSC kommt nicht vom Fleck. Im Heimspiel gegen den Rekordmeister aus München gab es eine 1:4-Pleite, gleichbedeutend mit der dritten Heimniederlage in Folge. Damit bleibt Hertha auf dem 13. Tabellenplatz, muss sich aber langsam ernsthafte Sorgen um den Klassenerhalt machen.

Selke vor Spielbeginn positiv auf Corona getestet

Nach der 2:3-Derby-Niederlage im Pokal gegen Union Berlin stellte Hertha-Trainer Tayfun Korkut in der Abwehr um: Marton Dardai und der erst 17-jährige Linus Gechter rutschten für Lukas Klünter und den angeschlagenen Niklas Stark in eine Dreierreihe neben Kapitän Dedryck Boyata. Santiago Ascacibar und Marco Richter routierten für Peter Pekarik und Myziane Maolida auf die Bank. Stürmer Davie Selke war kurz vor Anpfif positiv auf das Coronavirus getestet worden und musste sich in Isolation begeben.

Nach zuletzt zahlreichen Corona-Ausfällen konnte Bayern-Trainer Julian Nagelsmann wieder auf mehr Personal zurückgreifen, unter anderem auf Mittelfeldspieler Kingsley Coman. Und die ausgeruhten Bayern machten zu Beginn gleich ernst gegen eine spürbar verunsicherte Hertha. Schon nach 30 Sekunden legte Gnabry einen Diagonalball von Süle artistisch für Müller ab, dessen Schuss dann aber weit drüber rauschte. Eine Minute später lag der Ball in Herthas Netz, aber Tolisso stand bei seinem Schuss knapp im Abseits.

Nackenschlag in Herthas bester Phase

Und es ging weiter nur auf ein Tor, das der Hertha. Ein Lupfer von Thomas Müller (9.) und die Schüsse von Sané (12.) und Coman (16.) blieben aber noch zu ungenau. Danach konnte sich die Hertha langsam vom Dauerdruck der Münchner befreien. Belfodils Kopfball in der 21. Minute war eine richtig gute Möglichkeit für die Hausherren, Maolidas Schuss aus halbrechter Position ging kurz darauf relativ weit am Tor vorbei.

Inmitten von Herthas kleiner Drangphase kam dann der Nackenschlag für die Berliner: Coman hatte auf der linke Seite zu viel Zeit zum Flanken und Tolisso setzte sich im Zentrum per Kopf gegen Dardai und Mittelstädt durch: 0:1 für die Bayern. Und die Münchner blieben weiter gefährlich, Schwolow musste in der 35. Minute schon seine ganze Klasse gegen das lange Bein von Lewandowski aufbieten, um den Ball aus dem rechten, unteren Heck herauszukratzen.

Kurz vor der Pause zeigte Hertha dann wieder einmal seine Anfälligkeit bei Standards. Thomas Müller stand nach einem Kimmich-Freistoß völlig blank und traf locker mit der Innenseite aus 12 Metern zum 0:2 für die Gäste. Es war der 12. Gegentreffer nach einem ruhenden Ball für die Hertha. Die Torschussstatistik von 16:2 nach der ersten Hälfte unterstrich zusätzlich die Überlegenheit des Rekordmeisters.

Darida mit der großen Chance zum Anschlusstreffer

Hertha kam dann besser aus der Pause. Gerade über die linke Angriffsseite der Berliner konnte immer wieder Druck auf die Abwehr der Münchner aufgebaut werden. Belfodil behauptete sich im Mittelfeld und legte nach links zu Mittelstädt, dessen flache Hereingabe perfekt auf Darida kam. Der Tscheche war am ersten Pfosten komplett frei, schaufelte aber die Kugel neben das Tor. Das hätte in der 52. Minute der Anschluss sein müssen.

Anschließend übernahmen die Bayern wieder das Zepter. Tolisso spielte einen feinen Ball auf den aus abseitsverdächtiger Position startenden Gnabry, der daraufhin frei von rechts auf Schwolow zulief und knapp am langen Eck vorbeischoss. Fünf Minuten später hätte Müller sein zweites Tor erzielen können, doch war sein Abschluss zu zentral. Die Vorentscheidung kam dann in der 75. Minute: Herthas Keeper Alexander Schwolow spielte im Aufbau den Ball unter Druck in die Füße von Leroy Sané und der hatte aus fünf Metern keine Mühe ins leere Tor zu vollenden.

Bayern ließ im Anschluss Ball und Gegner laufen, während die Hertha kaum noch Zugriff fand. Gnabry erhöhte allein vor Schwolow auf 0:4 und man musste in dieser Phase Angst haben, dass Hertha nun vollends unter die Räder geraten würde, doch die Gastgeber zeigten noch mal eine Reaktion: Ekkelenkamp hob den Ball nach einer Jovetic-Chance im Nachsetzen über Neuer zum Ehrentreffer für die Berliner.

Die Kurzanalyse

Die 1:4-Heimniederlage gegen den Rekordmeister war in der Höhe völlig verdient, allein wenn man einen Blick auf die nackten Zahlen riskiert: 30:6 Torschüsse für die Bayern bei 70 Prozent Ballbesitz und 90 Prozent Passquote. Natürlich muss man berücksichtigen, dass die stark besetzten Bayern in dieser Form nur wenig Mannschaften in Deutschland zu fürchten brauchen. Allerdings hätte Hertha in der ein oder anderen Situation konsequenter verteidigt und kurz nach der Pause seine große Chance auf den Anschlusstreffer genutzt, es hätte eine viel spannendere Partie werden können.

Aber so war es das alte Spiel des Kaninchens vor der Schlange. Bayern hatte das Geschehen nach dem 0:3 komplett im Griff und man musste wirklich Angst um die Hertha haben, sich noch eine höhere Packung einzufangen. Die Reaktion nach dem 0:4, als die eingewechselten Jovetic und Ekkelenkamp auf den Ehrentreffer drängten, macht zumindest ein wenig Hoffnung. Doch darf dies nicht über die eklatanten Schwächen in der Defensive hinwegtäuschen. Müllers 0:2 ging naivstes Berliner Abwehrverhalten bei einer Standard voraus. Immer wieder spielten sich die Bayern ohne größere Probleme in den Hertha-Strafraum, wobei Keeper Schwolow, bis dato noch der beste Berliner, sich beim 0:3 als unfreiwilliger Vorlagengeber für die Bayern präsentierte.

Stellt Hertha diese individuellen Fehler nicht alsbald ab, dann muss man sich ernsthafte Sorgen um den Ligaverbleib der Alten Dame machen. Die Unruhe im Umfeld samt Platzsturm von ein paar aufgebrachten Hertha-Anhängern während des Abschlusstrainings am Samstag sind ein Bärendienst für eine Mannschaft, die vollkommen verunsichert wirkt. Auf Trainer Tayfun Korkut kommen schwere Wochen zu.

Das sagt das Netz

Schwache Bayern oder Galgenhumor?

Einstand für einen Neuzugang!

Die Angst geht um.

Der Liveticker

Sendung: Inforadio, 23.01.22, 17:30 Uhr

Beitrag von Fabian Friedmann

28 Kommentare

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  1. 28.

    Wenn die es wirklich wissen wollen
    Nein ich bin nicht alleine, mir ist es nicht langweilig, und ich bin ein sehr geselliger Mensch, halt kein Fan von Hertha
    Kritik könnt ihr wirklich nicht ertragen

  2. 27.

    Wer den Schaden hat braucht für den spott nicht zu sorgen. Andersrum ist es nicht besser.

  3. 26.

    Ihr Leben muss maximal langweilig sein, wenn Sie sich jedes Mal die Zeit nehmen, um gegen Ihre verhasste Hertha zu stänkern. Wahrscheinlich verlassen worden, und irgendjemand bekommt es ab. Kann man nur die Herren Heynckes und Posipal bemitleiden, dass die mit Ihnen den Namen teilen müssen. :D

  4. 25.

    Was macht ihr seid ihr
    Mit dem Herzen bei Hertha

  5. 24.

    Von 20 Spielen 14 verloren oder unenschieden, Serder die sechste Gelbe Karte - gut, der Trainer hatte Mittleid mit gegnerischen Mannschaft und wechselte den Knochenbrecher Prinz nicht ein. Aber das eine Tor zur 1:4 - Klatsche (nach dem Pokalausscheiden die zweite in einer Woche)durch Bayern München, wurde von den Fans gefeiert, wie ein Sieg.
    Nun, Bayern München hat so gar nicht meine Sympathie, der BCC ....
    Nun ist ja Länderspielpause und Zeit sich auf die nächste Klatsche von Bochum vorzubereiten.

  6. 23.

    Wenn es nicht geschafft wird, aus den zusammengewürfelten Kickern eine Mannschaft zu machen, dann wird das nichts in der 1. Liga. Sieht man an unter anderem Gladbach, Hertha, Wolfsburg. Selbst die SGE hat da so ihre Probleme. Fürth ist eine Mannschaft, hat aber leider nicht die Qualität um dauerhaft in der ersten Liga zu überstehen, denn sie lassen sich nicht von Milliardären beatmen. Um zu Hertha zurückzukommen: Herr Korkut tut mir leid, er ist für mich lediglich ein Lückenfüller eines nicht fähigen Führungspersonal im Club. Fredi Bobic wäre besser in Frankfurt geblieben. Jedenfalls drücke ich die Daumen für den Klassenerhalt; und sollte es nicht klappen: die zweite Liga ist eh schon längst interessanter als die erste, die immer mehr vom Geld dominiert wird. Da sollte Hertha einsehen, dasss Geld alleine ist keine Siege einfährt

  7. 22.

    Jupp, zeige mir doch bitte, wann Bobic (und gern auch Co.) Deine behauptete Aussage gemacht hat!

    "Bobic und Co denken halt im.ernoch sie hätten eine Supermannschaft"

    Bin sehr gespannt, was Du lieferst, Du kleiner Stänkerfritze ;)

  8. 21.

    Die Spiele gegen Bayern braucht man gar nicht mehr auszutragen, lediglich die Torzahl muß gewürfelt werden. Ist ganz coronakonform uns spart Reisekosten.

  9. 20.

    Mitleid hatte ich mit Hertha BSC noch nie !!
    Mit einer allenfalls Mittelmäßigen Zweitligamannschaft kann mann nichts gewinnen
    Bobic und Co denken halt im.ernoch sie hätten eine Supermannschaft
    Der Trainer ist eh eine Niete

  10. 19.

    SC Siemensstadt bietet die neue Disziplin Walking Football an.
    Die Herthaner sollten dort einsteigen und könnten wieder erfolgreich sein.

  11. 18.

    Schadenfreude und Häme sind keine Kritik sondern Beleidigung.

  12. 17.

    Wenn Hertha, also der "BCC" nur noch eine "Blind Carbon Copy" seinerselbst ist, darf das gesagt werden. Aggressionen kann ich in den Postings nicht erkennen. Berechtigte Enttäuschung eher. Es stimmt aber, Sport macht den Kopf frei. Man sieht Kritik z.B. nicht als Aggression an.

  13. 16.

    Also mein Mitleid haben die Charlottenburger inzwischen!

  14. 15.

    Hertha ist nur mit der großen Klappe Bundesligareif...
    Die gehören in die zweite Liga.

  15. 14.

    Eine Niederlage gegen die Bayern verdient keine Häme, auch nicht für die Tante!! Allerdings müssen sich die Verantwortlichen von Hertha BSC langsam mal fragen, ob 'ne große Berliner "Schnauze" ob der eigenen demonstrierten Unfähigkeit und der wenig clever investierten Millionengabe des "Dagohorstes" einer angemessenen Außendarstellung entspricht!
    Ich erinnere mich z.B. noch an den 27.05.2019, als in einem offiziellen Glückwunsch des Vereins an den aufgestiegenen 1.FC Union Berlin gleich die sechs zu vergebenen Punkte in zwei Derbys für sich einpreist wurden!! Hatte wenig Stil!

  16. 13.

    Oje oje....Freuen sich die anderen Abstiegskandidaten. HERTHA spielt für diese. Torverhältnis ebenfalls grauenhaft.

  17. 12.

    Wie beim Kaninchen und der Angst vor der Schlange. Hertha ist mehr gelaufen als Bayern laut Kicker und dennoch so gut wie nie an den Ball gekommen. Ha ho He, Hertha oh weh.

  18. 11.

    Nun,gegen Bayern zu verlieren ist leider eine ganz normale Sache. Da werden noch ganz andere Mannschaften ihre Klatsche bekommen. Nur sollte Hertha mal auf das Torverhältnis schauen....sie haben 42 Gegentore....nach Fürth die meisten. Die Abwehr muss jetzt sofort verstärkt werden,sonst sehe ich schwarz. Diese Abwehr ist nicht Bundesligatauglich.

  19. 9.

    Ein's muß man Euch Herthanern lassen, den Humor habt Ihr nicht verloren.
    Gruß aus Köpenick

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