Berliner Fanklub des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln - "Die blühen auf unter Baumgart"

Sa 08.01.22 | 13:23 Uhr | Von Lukas Witte
Köln-Trainer Steffen Baumgart hebt die Arme und jubelt (imago images/Uwe Kraft)
Bild: imago images/Uwe Kraft

Am Sonntag startet Hertha gegen Köln in die Rückrunde der Bundesliga. Dabei wird mit Trainer Steffen Baumgart auch ein Ex-Unioner im Olympiastadion zu Gast sein, der mit seinem Offensiv-Fußball nicht nur in Köln für viel Freude sorgt. Von Lukas Witte

"Das macht Spaß zuzugucken und das mitzuerleben. Und Steffen Baumgart hat einen sehr großen Anteil daran", schwärmt Tom Bieling vor einem seiner wichtigsten Saisonhöhepunkte. Bieling ist Vorsitzender des Berliner Fanklubs "Sektion Westpolen", der sich aus Anhängern des 1. FC Köln zusammensetzt. Und wenn seine Rheinländer nach Berlin reisen, "dann ist das für uns natürlich immer das absolute Highlight. Das sind quasi unsere Heimspiele."

Rund zwei Dutzend feste Mitglieder hat die Gruppierung. Davon sind manche gebürtige Kölner, so wie Bieling, die ihren Verein mit in die Hauptstadt gebracht haben. Andere kommen aus Berlin und Brandenburg und sind über Umwege zum "Effzeh" geraten. Eines vereint sie aber alle: Sie sind begeistert von der aktuellen Kölner Spielweise und ihrem Erfolgstrainer.

Baumgarts Offensive führt zum Erfolg

Mit 25 Punkten steht der FC Köln derzeit auf dem achten Tabellenrang. Und Europa ist in greifbarer Nähe: Nur zwei Punkte trennen die Rheinländer von der Conference League. Zu einem Europa- oder Champions-League-Platz fehlen drei Zähler. "Damit war nicht zu rechnen", sagt Bieling. Natürlich wird bei ihm im Fanklub auch viel über die aktuellen Leistungen und die Euphorie diskutiert. Die Analyse dabei ist klar: "Die Art und Weise, wie dieser Platz und die Punkte zustande kommen, hat glaube ich mit der offensiven Spielweise zu tun." Das Markenzeichen von Steffen Baumgart. Der Ex-Unioner betont immer wieder, wie wichtig ihm das Spiel nach vorne ist. Hinten Reinstellen ist gar nicht sein Ding. Und genau diese Philosophie zeigt seine Kölner Mannschaft, die er zu Beginn der Saison übernommen hatte, Spiel für Spiel auf dem Rasen.

Der Erfolg liegt nicht nur auf dem Platz

"Das ist dieselbe Mannschaft die noch vor einem halben Jahr das Hinspiel in der Relegation gegen Kiel 0:1 zu Hause verloren hat und dann mit Ach und Krach den Klassenerhalt noch geschafft hat. Und dieselbe Mannschaft tritt plötzlich ganz anders auf. Die blühen auf unter Baumgart", sagt der Vorsitzende der "Sektion Westpolen" euphorisch. Und das hat auch mit Baumgarts Verhalten neben dem Platz zu tun. Der 50-Jährige ist direkt und klar in seiner Ansprache und hüllt die Dinge nicht in Watte. "Er ist ja manchmal auch so ein kleiner Asi, der passt gut nach Köln", sagt Bieling lachend.

Köln-Trainer Steffen Baumgart will seine Mütze von Stürmer Anthony Modeste zurück (imago images/Sven Simon)
Anthony Modeste klaut Trainer Baumgart die Mütze (imago images/Sven Simon)

Für seine Art und sein Auftreten wird Baumgart in der ganzen Liga gefeiert. Teilweise ist fast schon ein Hype um ihn entstanden. Dazu tragen auch Szenen bei, wie es sie beim Hinrunden-Spiel der Rheinländer gegen Union Berlin gab. Nach seinem Tor klaute der Kölner Stürmer Anthony Modeste Baumgart die Schiebermütze und tänzelte vor ihm umher. Der Trainer fand das gar nicht so witzig und schickte Modeste nach einem ordentlichen Wutanfall ohne Mütze zurück auf den Rasen. Bilder, die wohl jedem Fußball-Fan in Deutschland von dieser Saison in Erinnerung bleiben werden. Und Bilder, die den FC Köln auch immer wieder über das Rheinland hinweg in den Fokus rücken.

Ein bisschen Skepsis schwingt auch beim Fanklub mit

Der bundesweite Hype um seinen Erfolgstrainer interessiert Bieling aber weniger: "Das ist mir egal. Entweder ist man Fan von einem Verein oder nicht. Egal ob der Trainer jetzt lustig ist." Der Vorsitzende des Köln-Fanklubs bekommt die gestiegene Aufmerksamkeit um seinen Verein aber schon auch in Berlin mit: "Da kommt dann plötzlich ein Papa aus der Kita zu mir, klopft mir auf die Schulter und sagt: 'Ihr macht das gut.'"

Also neuer Glanz beim 1.FC Köln und pure Euphorie beim Fanklub aus der Hauptstadt? Nicht ganz. "Wenn ihn jemand kritisch sieht, dann ist das eher die Minderheit", sagt Bieling. "Aber zu der würde ich mich schon fast dazuzählen." Der Fanklub-Vorsitzende tritt auf die Bremse: "Ich habe im Laufe der Jahre Höhen und Tiefen erlebt. Und je höher die Euphorie ist, desto schmerzhafter wird es am Ende, wenn die Euphorie vorbei sein sollte. Wenn alle was abfeiern, werde ich nicht nur skeptisch, sondern habe auch schnell keinen Bock mehr", sagt er.

Es muss einen Plan B geben

Teil der Skepsis bei Bieling ist auch der vorher so oft gelobte pure Offensiv-Fußball. "Bei mir schwingt immer ein bisschen die Frage mit: Wie lange geht sowas gut? Die anderen Mannschaften sind ja auch nicht blöd und können sich auch darauf einstellen", sagt er. Richtig negativ will der Vorsitzende der "Sektion Westpolen" dann aber auch nicht werden. "Ich habe schon auch eine Art Grundvertrauen. Ich glaube Baumgart hat da noch ein bisschen mehr in der Hinterhand."

Steffen Baumgart wird Hertha am Sonntag im Olympiastadion vor eine schwere Aufgabe stellen - und seine Berliner Fans von der "Sektion Westpolen" werden vor dem Fernseher sitzen und mitfiebern. Eigentlich wollten sie wie immer, wenn der FC Köln bei einem der Berliner Vereine zu Gast ist, gemeinsam ins Stadion gehen. Bei vergangenen Partien in der Hauptstadt organsierten sie schon Schiffsfahrten und große Partys. Dieses Mal sollten eigentlich alle Fanklub-Mitglieder ihre Familien mit zum Spiel nehmen. Das fällt durch die Corona-Beschränkungen nun aus. Die Freude und Spannung auf ihr "Heimspiel" weit weg vom Kölner Dom ist aber trotzdem groß.

Und Steffen Baumgart? Der verkündete am Freitag auf einer Pressekonferenz, auch in Berlin wieder voll auf Angriff zu gehen und mit zwei Stürmern agieren zu wollen. Und ganz zur Freude der "Sektion Westpolen" gab der Trainer auch bekannt, seinen Vertrag beim FC Köln auf jeden Fall verlängern zu wollen.

Sendung: rbb UM6, 08.01.2022, 18:15 Uhr

Beitrag von Lukas Witte

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