1. FC Union reist nach Leverkusen - Startspiel mit Sturmproblemen

Do 06.01.22 | 20:22 Uhr | Von Tabea Kunze
Union-Trainer Urs Fischer. / imago images/Matthias Koch
Bild: imago images/Matthias Koch

Der 1. FC Union muss zum Rückrundenstart auf seinen besten Angreifer verzichten. Trainer Urs Fischer glaubt trotzdem daran, gegen individuell starke Leverkusener "Lösungen" zu finden. Beim Saisonziel bleibt er auch im neuen Jahr ganz der Alte. Von Tabea Kunze

Das Personal

Der Angriff des 1. FC Union präsentiert sich zum Start ins neue Fußballjahr ganz schön ausgedünnt. Der beste Torjäger der Eisernen, Taiwo Awoniyi, bereitet sich als Nationalspieler Nigerias auf den Afrika Cup vor. Er könnte sogar die ersten fünf Union-Pflichtspiele des Jahres verpassen. Sheraldo Becker hätte ihn beim Auftakt in Leverkusen (Samstag, 15:30 Uhr) ersetzen können, befindet sich allerdings positiv auf Corona getestet in häuslicher Isolation.

Und der Köpenicker Sturm könnte sogar noch mehr zum Lüftchen werden, denn Angreifer Kevin Behrens hat mit Trainer Urs Fischer vereinbart, dass er bei der bevorstehenden Geburt seines dritten Kindes dabei sein dürfte, statt in Leverkusen auf dem Platz zu stehen. Somit bliebe als ausgewiesener Strafraum-Stürmer mit Spielpraxis nur Andreas Voglsammer übrig. In Linksaußen Keita Endo ist zudem ein weiterer Offensivspieler angeschlagen.

"Wir haben Optionen", will sich Trainer Fischer über seine Personalprobleme zum Start ins Jahr trotzdem nicht zu sehr beklagen. Es sei jetzt wichtig, "denen das Vertrauen zu schenken, die zur Verfügung stehen". Dass der Schweizer dabei Suleiman Abdullahi und Anthony Ujah als mögliche Alternativen nennt, verdeutlicht die extrem schwierige Situation im Angriff. Beide haben in dieser Saison noch keine Minute für Union gespielt. Immerhin kann Mittelfeldmann Rani Khedira nach seiner überstandenen Corona-Infektion seit Mittwoch wieder voll trainieren.

Die Form

Vor der kurzen Weihnachtspause haben die Unioner in der Bundesliga aus vier Spielen solide sieben Punkte geholt. Dank des knappen Auswärtssieges in Bochum zum Jahresende haben sie auf Platz sieben überwintert - und ein überragendes Jahr 2021 mit einem zufriedenen letzten Eindruck abgeschlossen. In der Tabelle stehen sie nur einen Punkt hinter dem Vierten Leverkusen und damit hinter einem Champions League-Platz.

Trotz dieser verlockenden Perspektive bleibt Trainer Urs Fischer öffentlich weiter eisern beim Saisonziel "Klassenerhalt". Mehr als ein "wozu es am Ende reicht, werden wir sehen", lässt sich der Schweizer zum Start in die Rückrunde trotz aller Versuche der Berliner Journalisten nicht entlocken.

Der Gegner

Patrik Schick ist die Leverkusener "Lebensversicherung" im Sturm. Der tschechische Nationalstürmer hat in dieser Saison bereits 16 Mal getroffen, nur Robert Lewandowski steht in der Torjägerliste der Bundesliga vor ihm. Schicks Trefferquote sei "eine Bank", staunt Unions Trainer Fischer, ihn könne man nur mit "Kompaktheit und Organisation" stoppen, indem man Flanken und Zuspiele verhindere. Trotz Schicks Superform haben die Leverkusener von den letzten vier Pflichtspielen vor Weihnachten drei verloren. Ex-Unioner und Jetzt-Bayer-Profi Robert Andrich forderte von seinem neuen Team öffentlich, sich in Sachen Mentalität etwas beim 1. FC Union abzuschauen.

Unioner im Fokus

Urs Fischer bleibt auch zum Start in ein von Corona-Sorgen begleitetes neues (Sport-) Jahr Unions besonnener Steuermann. Er sei positiv eingestellt, dass Corona irgendwann überstanden sei. Bis dahin versuche er, nicht "verrückt" zu werden, indem er nicht alle Meldungen lese. Das Wichtigste sei, sich "pflichtbewusst an Regeln zu halten", um "eine gewisse Sicherheit" im Trainings- und Spielalltag hinzubekommen. Angesichts der stark steigenden Corona-Zahlen in der Liga zeigt sich Fischer aber auch nachdenklich - in Bezug auf das Virus könne man sich nie ganz sicher sein, das "Ungewisse" bleibe.

Besonderheiten

Zum zweiten Mal in dieser Saison erwartet die Unioner ein Spiel komplett ohne Zuschauer im Stadion. Das erste verloren sie Anfang Dezember überraschend mit 0:1 beim abgeschlagenen Tabellenletzten Greuther Fürth. Um trotz "Geisterkulisse" dieses Mal fokussierter zu sein, hat Fischer als Vorbereitung auf Leverkusen mehrmals im leeren Stadion An der Alten Försterei trainieren lassen. So wollte er die Atmosphäre "simulieren", allerdings sei es "unheimlich schwierig", sich auf Geisterspiele vorzubereiten, gibt der Schweizer zu. Denn im Training "gehe es nun mal nicht um Punkte".

Der 1. FC Union hofft darauf, sein erstes Heimspiel des Jahres am kommenden Samstag gegen Hoffenheim vor 3.000 Personen im Stadion austragen zu können. Die Karten sollen in diesen Tagen unter den Dauerkarteninhabern verlost werden, für sie gilt dann die "2G-Regel", außerdem müssen sie einen negativen Test vorweisen und dauerhaft Maske tragen.

Sendung: rbb24, 07.01.2022, 18:10 Uhr

Beitrag von Tabea Kunze

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