Nach Corona-Chaos und Trainer-Abgang - Wie der Berliner AK zurück in die Spur kommen will

Do 06.01.22 | 22:29 Uhr | Von Johannes Mohren
  1
Die Spieler des Berliner AK bilden einen Kreis. / imago images/Matthias Koch
Bild: imago images/Matthias Koch

Es liegen turbulente Wochen hinter dem Berliner AK. Corona-Chaos, kollabierte Spieler und der Abgang des Erfolgstrainers schüttelten den Regionalligisten durch. Nun ordnet sich der Klub wieder - und hat einen neuen Coach gefunden. Von Johannes Mohren

Von Anstrengung will Benjamin Borth nicht sprechen. "Es ist spannend", sagt er am Donnerstagnachmittag im Telefonat mit rbb|24 - und schiebt noch einmal hinterher: "Es ist richtig spannend." Minuten zuvor erst haben der Berliner AK und sein Technischer Direktor einen neuen Trainer vorgestellt. Benjamin Duda coacht von nun an den Fußball-Regionalligisten. Der 33-Jährige kommt vom Liga-Konkurrenten Germania Halberstadt und füllt die Lücke, die André Meyer durch seinen plötzlichen Winter-Wechsel zum Drittligisten Hallescher FC hinterlassen hat. Für Borths BAK ist mit der Verpflichtung eine weitere Baustelle geschlossen.

Und von denen gab es in den vergangenen Wochen viele. Dabei hatte bis Anfang November alles nach der perfekten Saison für den Klub ausgesehen. Damals lagen die Moabiter auf dem ersten Tabellenplatz und freuten sich auf das Spitzenspiel gegen den BFC Dynamo. Was folgte, waren jedoch nur noch Hiobsbotschaften, die den Verein durcheinander wirbelten. Erst brach Corona im Team aus, traf zehn Spieler und drei Betreuer und verursachte chaotische Zustände. Dann - bei der schnellen und heftigen Rückkehr in den Liga-Alltag - kollabierten zwei zuvor Infizierte nach dem Schlusspfiff. Und als schließlich die Pandemie den BAK ein wenig durchschnaufen ließ, verabschiedete sich an den Weihnachtstagen unerwartet auch noch der Erfolgstrainer.

Borth: "Es ist Wahnsinn gewesen"

Es sind Ereignisse, die Spuren im Verein hinterlassen haben. Borth ringt immer noch nach Worten, wenn er über den massiven Corona-Ausbruch spricht. "Es ist Wahnsinn gewesen. Das kann man nur immer wieder wiederholen", sagt er - und: "Es kam, ist ausgebrochen, und plötzlich stand man da und hat gedacht: 'Boah, das wird langsam eng.'" Am Ende wurde es zu eng. Das Team musste in die Corona-Pause und nach der Quarantäne durch ein sportliches Mammut-Programm: ein Pokal- und drei Ligaspiele binnen elf Tagen.

Das kostete Punkte. Während der - wie Borth sagt - "Vollgas-Veranstaltung gleich aus der Quarantäne" verlor der BAK seine Regionalliga-Partien in Rathenow, gegen den BFC Dynamo und in Jena. Es waren mehr Niederlagen als zuvor in der gesamten Saison. Das Team fiel auf den dritten Rang zurück. Was unter normalen Umständen ärgerlich gewesen wäre, war - spätestens nach den Zusammenbrüchen in Jena - nicht mal mehr Nebensache. "Ich glaube, es weiß niemand mehr so wirklich, wie wir da gespielt haben und was das Ergebnis war. Das war nicht mehr interessant, weil die Gesundheit deutlich wichtiger war", sagt Borth.

Schwieriger Weg in die Alltag

Es ist nun ein schwieriger Weg zurück in den Alltag. Ob sie schon angekommen sind, wissen sie rund um das Poststadion selbst noch nicht so genau. Fakt ist: Sie sind noch vorsichtiger geworden beim BAK. "Unser Präsident (Ebubekir Han, Anm. d. Red.) ist mit Nachdruck hinterher und fragt immer wieder nach, wie es den Spielern geht", sagt Borth. Arzttermine sind bei den Moabitern zur Chefsache geworden, "Kosten waren dabei völlig egal". Die Bilder aus Jena haben sich in den Köpfen eingebrannt. Man müsse verhindern, dass sie sich wiederholen, "im Zweifel mit fünf Arztbesuchen", das sei auch die Maxime des Klub-Bosses, berichtet Borth.

Die ersten Eindrücke von der Mannschaft machen dem Technischen Direktor Mut. Die Weihnachtstage hätten offenbar geholfen. "Das kam ganz gut, sodass alle wirklich abschalten und das Ganze ein wenig vergessen konnten", sagt er. Die Mannschaft sei "super ins Training reingegangen". Am 3. Januar startete das Team zunächst unter der Leitung von Andreas Kerwin, der unter André Meyer Co-Trainer war. Drei Tage später folgte nun der Neue an der Linie.

Meyer-Abgang hat sich "nicht wirklich angebahnt"

Dass mit Benjamin Duda ein anderer Coach die Wintervorbereitung angehen würde, habe sich "nicht wirklich angebahnt", sagt Borth. Kurz vor Weihnachten habe Meyer den Präsidenten über die Anfrage aus Halle informiert. Die nächste große Woge, als sich gerade alles ein wenig zu beruhigen schien. Anderthalb Jahre hatte der 38-Jährige den Klub gecoacht und ihn zu einem Spitzenteam der Liga geformt. "Bitter ist so etwas natürlich immer, und der Zeitpunkt wäre im Sommer vielleicht besser gewesen", sagt Borth. Diskussionen habe es - bei aller Traurigkeit über den Abgang - dennoch keine gegeben. "Als er mit dem Wunsch kam, dass er es gerne machen würde, weil es für ihn der nächste Schritt ist, war sofort klar: Dann ist das so."

Duda soll die erfolgreiche Arbeit Meyers "mit einer intakten Mannschaft, die funktioniert" nun fortsetzen. Für den Liga-Konkurrenten Halberstadt kommt sein Abschied nun ebenso überraschend wie für den BAK der von Meyer. Der 33-Jährige nutzt dabei eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag beim Klub aus Sachsen-Anhalt. "Benjamin passt bei uns extrem gut ins Trainerprofil", sagt Borth. Es sind auch die charakterlichen Parallelen zum Ex-, die die Moabiter an ihrem neuen Coach überzeugen. Er sei "ein junger Trainer, der selbst sehr hungrig und sehr akribisch ist und wirklich Bock hat", sagt der Technische Direktor.

Die Ziele bleiben unverändert: Wir wollen eine gute Saison spielen und mit schönem Fußball überzeugen.

Benjamin Borth, Technischer Direktor des Berliner AK

Aufstieg keine Zielvorgabe

Für Duda ist der Wechsel tabellarisch ein klarer Sprung nach oben. Mit Halberstadt lag er auf dem 15. Tabellenplatz - und war nach starkem Start zuletzt 14 Spiele ohne Sieg. Das soll sich beim neuen Klub schnell wieder ändern. "Die Ziele bleiben unverändert: Wir wollen eine gute Saison spielen und mit schönem Fußball überzeugen", sagt Borth. Vom Aufstieg habe man nie geredet und werde das auch jetzt nicht tun. Außer Reichweite ist er jedoch nicht: Der BAK liegt als Dritter nur fünf Punkte hinter dem ersten Platz, der die Teilnahme an der Relegation zur Dritten Liga bedeutet. Zudem hat der BAK ein Spiel weniger als der aktuelle Spitzenreiter BFC Dynamo absolviert. Es ist eine gute Ausgangslage für einen Neustart nach turbulenten Wochen.

Beitrag von Johannes Mohren

1 Kommentar

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 1.

    Bitte nicht noch ein Berliner Verein ohne vernünftiges Stadion und ohne Fankultur in Liga 3.

Nächster Artikel