Teamcheck | Energie Cottbus - Nichts ist unmöglich für die Wollitz-Schützlinge

Di 25.01.22 | 15:06 Uhr | Von Fabian Friedmann
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Cottbus Torjäger Erik Engelhardt (Mitte) jubelt nach seinem Tor zum 3:2 gegen Luckenwalde. (Bild: IMAGO / Fotostand)
Bild: IMAGO / Fotostand

Energie Cottbus schloss das alte Jahr mit einer Siegesserie ab. Will man tatsächlich den großen Traum vom Aufstieg wahr werden lassen, dann muss die Elf schnell an die Erfolge anknüpfen. Ein Problem könnte der dünn besetzte Kader werden. Von Fabian Friedmann

So lief die Hinrunde

Die Mannschaft von Trainer Claus-Dieter Wollitz hat sich gefangen und gezeigt, was in ihr steckt. Das Team hatte zunächst Startschwierigkeiten und verlor gegen Titelaspirant BFC Dynamo am 2. Spieltag (1:2). Was dann bis in den Herbst hinein fehlte, war die Konstanz. Kantersiege über schwächere Teams wie gegen Auerbach (5:0), Halberstadt (6:1) und Eilenburg (9:0) wechselten sich ab mit unnötigen Niederlagen. Tiefpunkte waren mit Sicherheit die 0:3-Heimniederlage gegen Altglienicke und die 1:2-Auswärtspleite bei Kellerkind Tasmania.

Was folgte, war eine anschließende Siegesserie von Energie, die dem Verein eine komfortable Ausgangslage zum Ende des Jahres bescherte. Die Mannschaft spielte sich laut Wollitz in einen "Flow" und blieb in den folgenden sieben Spielen ungeschlagen (5 Siege, 2 Unentschieden). Aktuell belegt sie einen beachtlichen 2. Platz in der Tabelle der Regionalliga Nordost. Dennoch relativiert Coach Claus-Dieter Wollitz die bisher gezeigte Leistung seines Teams: "Die Mannschaft und der Verein können zufrieden sein. Ich bin es aber nicht, weil wir in den Phasen im September und Oktober viel liegengelassen haben. Entscheidend ist, ob wir in den Rhythmus wieder reinkommen."

Wer kommt, wer geht?

Ob Energie nach der Winterpause in die Erfolgsspur und den Rhythmus fortsetzen kann, ist vom Personal, das dem Coach zur Verfügung steht, abhängig. Während der Transferperiode bewegte sich bislang aber nichts. Die angestrebte Verpflichtung für einen Sturmpartner des starken Erik Engelhardt (bislang neun Tore und elf Vorlagen) kam bisher ebenso wenig zustande wie der Wunsch nach einem weiteren Abwehrspieler. Der Kader ist nach wie vor verhältnismäßig klein. Corona-Ausfälle können da nur bedingt adäquat ersetzt werden.

Doch für Claus-Dieter Wollitz scheint all dies kein Grund zur Sorge. Für ihn steht die finanzielle Ausgewogenheit und der sportliche Sinn von Verpflichtungen im Vordergrund: "Wenn es auf dem Transfermarkt ein oder zwei Spieler gibt, die der Mannschaft in dieser Situation helfen können, ist der Klub bereit, das zu unterstützen. Aber im Winter kriegst du auch nicht unbedingt den Spieler, der in einem kompletten Rhythmus und einer perfekten Verfassung ist", sagt er. Das heißt, es soll keine Neuzugänge um jeden Preis geben. Da bislang keine Abgänge zu verschmerzen sind, wird man wohl mit dem jetzigen Kader in die zweite Hälfte der Saison gehen – außer es ergibt sich kurzfristig noch etwas.

Ohnehin sind neben den Langzeitverletzten Malcolm Badu, Joshua Putze, Max Kremer und Kapitän Axel Borgmann, der mehrere Wochen an einer Corona-Erkrankung gelitten hatte, wichtige Spieler wieder zur Mannschaft gestoßen. Abwehrmann Borgmann stand im letzten Test gegen Hertha BSC II (2:1) bereits in der Anfangsformation.

Der Trainer

Wenn ein Trainer in der Regionalliga Nordost fest im Sattel sitzt, dann ist es Claus-Dieter Wollitz. Seit September 2021 im Amt, hat er die Lausitzer stabilisiert und nun in die mögliche Reichweite des Drittliga-Aufstiegs geführt. Im Sommer hatte er den Kader umgebaut: 14 Spieler mussten gehen. Sein jetziger kleiner feiner Kader mit vielen jungen, hungrigen Spielern konnte zuletzt überzeugen. Präsident Sebastian Lemke träumte bereits laut von einer Rückkehr in den Profifußball: "Wenn der Verein die Entwicklung der letzten Monate fortführt, kann im Mai 2022 ein ganz großer Wunsch in Erfüllung gehen", prophezeite Lemke.

Sein Trainer ist in der sportlichen Bewertung der aktuellen Lage etwas vorsichtiger. Wollitz verweist darauf, dass die Mannschaft sich vieles erst wieder erarbeiten müsse: "Da gilt es, sich in jedem Training diese Stabilität wieder zu erarbeiten. Es geht wieder bei null los. Es kann nicht mehr dieselbe Selbstverständlichkeit geben, weil das Pausen unterbrechen." Wollitz selbst sieht sich und seine Arbeit aber im Soll. "Mir wurde der Auftrag gegeben, dass ich eine Mannschaft formen soll, die im nächsten Jahr unter den Top-Drei spielt", sagt er. Und diese Maßgabe wurde, Stand jetzt, erfüllt.

Erwartungen an die Rückrunde

Momentan sind die wichtigsten Leistungsträger bei Energie Cottbus an Bord. Nun gilt es, die Serie, die vor der Winterpause begonnen wurde, weiter auszubauen. Mit Carl-Zeiss Jena kommt aber gleich zu Beginn ein direkter, starker Konkurrent ins Stadion der Freundschaft. Bei den anschließenden Aufgaben gegen Auerbach, TeBe und Fürstenwalde darf sich die Wollitz-Elf keine Blöße geben, will man ernsthaft in den Kampf um die Meisterschaft eingreifen. Denn an der Spitze geht es eng zu. Fünf Mannschaften könnten sich über längere Zeit ein enges Rennen liefern; neben Cottbus sind das Jena, Lok Leipzig, der Berliner AK und Spitzenreiter BFC Dynamo. Einige Teams haben noch ein bzw. zwei Spiele weniger als die Wollitz-Schützlinge bestritten, weshalb die Lausitzer sich keine Schwächephase erlauben dürfen.

Sollten die Cottbusser ihr zuletzt im alten Jahr gezeigtes Leistungsniveau halten können, dann wäre nichts unmöglich – auch Richtung Meisterschaft. Wollitz sagt: "Wir versuchen alles, um nächste Woche Samstag so vorbereitet zu sein, dass wir die Ausgangsposition aufrechterhalten können, die sich die Mannschaft in den letzten Wochen so hart erarbeitet hat."

Sendung: rbb24, 25.01.2022, 21:45 Uhr

Beitrag von Fabian Friedmann

1 Kommentar

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  1. 1.

    Wollitz ist erst seit Frühjahr 2021 wieder Trainer, im September 2020 kam Dirk Lottner als Nachfolger von Sebastian Abt. Bitte korrigieren ;)

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