Lichtenbergs Hans-Zoschke-Stadion - Zurück in der Wohnstube

Do 27.01.22 | 07:27 Uhr | Von Shea Westhoff
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Hans Zoschke Stadion
Bild: imago images/Picture Point

Mit dem Bau der Flutlichtanlage ist die Voraussetzung geschaffen, dass der SV Lichtenberg 47 in sein heimisches Hans-Zoschke-Stadion zurückkehren kann. Der Verein hofft auf sein erstes Heimspiel in der laufenden Saison. Von Shea Westhoff

Wenn alles nach Plan verläuft, wird Fußball-Regionalligist SV Lichtenberg 47 am 12. Februar tatsächlich sein erstes Heimspiel in der laufenden Saison bestreiten. Am 25. Spieltag, wenn es gegen Chemie Leipzig geht. Dann nämlich soll die Flutlichtanlage des heimischen Hans-Zoschke-Stadions endlich betriebsbereit sein.

Man könnte auch sagen: Zum Rückrundenstart der Saison 2021/22 kommt der Ostberliner Klub endlich an in der Regionalliga Nordost, in der die Lichtenberger eigentlich ja bereits ihre dritte Spielzeit bestreiten.

Heimspiele in Moabit statt in Lichtenberg

Der Verein wirkt seit seinem sensationellen Aufstieg 2019 ja noch immer ein wenig wie ein Zugereister. Tennis Borussia, BFC Dynamo und der Athletik Klub, sie gelten als die Hauptstadt-Größen in der vierthöchsten Spielklasse. Lichtenberg? Ach ja, richtig.

Tatsächlich fand Lichtenberg erschwerte Bedingungen vor, um sich standesgemäß bekannt zu machen beim Rest der Liga. Die ersten beiden Regionalliga-Saisons waren Ausnahme-Spielzeiten, sie mussten coronabedingt vorzeitig abgebrochen werden und wurden durch die sogenannte Quotientenregel am runden Tisch beendet, statt auf dem Rasen.

Vor allem: In der laufenden Saison durfte der Klub seine Heimspiele nicht mehr im Lichtenberger Hans-Zoschke-Stadion austragen. Nach den Vorgaben des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) müssen seit der Saison 2018/19 alle Vereine der vierthöchsten Spielklasse eine Regionalliga-taugliche Flutlichtanlage vorweisen. Im "Hans Zoschke" fehlte sie jedoch. Zunächst durfte Lichtenberg mit einer Sondergenehmigung spielen - die allerdings im Sommer 2021 ausgelaufen war. Danach bestritt Lichtenberg die Heimspiele im Poststadion, in dem eigentlich Ligakonkurrent Berliner AK beheimatet ist.

"Rahmenbedingungen nicht die einfachsten"

Wenn Lichtenbergs Präsident Andreas Prüfer auf die Hinrunde zurückblickt, dann sagt er im Gespräch mit rbb|24: "Wir hatten Tage, da haben wir uns bloß angeguckt. Die Rahmenbedinugngen waren nicht die einfachsten."

Zunächst hatten den Klub zahlreiche Verletzungen heimgesucht. Immer wieder mussten Leistungsträger länger passen, etwa Innenverteidiger Sebastian Reiniger, der sich kurz vor dem Saisonstart einen Kreuzbandriss zuzog und komplett ausfiel. Teilweise sei man mit lediglich 12 oder 13 Spielern angetreten, fügt Lichtenbergs sportlicher Leiter Benjamin Plötz hinzu, er ist ebenfalls fürs Gespräch zugeschaltet. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir mal zwei Partien hintereinander mit demselben Kader bestreiten konnten."

Zweitgrößtes Fußballstadion Berlins

Doch am schwersten wog der Umstand, dass der Klub seine Heimspiele in Moabit statt in Lichtenberg austragen musste. Sowohl beim Bezirk Mitte als auch beim Berliner Athletik Klub müsse man sich natürlich "außerordentlich für die Sportfreundschaft bedanken", dass man als Lichtenberg 47 dort regelmäßig spielen konnte. "Aber es ist eben kein Heimstadion. Es kamen nicht so viele wie hätten kommen können", sagt Präsident Prüfer.

Das "Hans Zoschke" sei die eigentliche Wohnstube. "Da spielen wir seit den 50er Jahren, da müssen wir wieder hin." Und zur Wahrheit gehört auch: Es ist ein richtiges Fußballstadion - mit ihren 9.900 Plätzen sogar die zweitgrößte reine Fußballarena in Berlin, hinter der Alten Försterei des 1. FC Union.

Eine letzte Hürde

Einige Umbauarbeiten musste der Verein im "Hans Zoschke" vornehmen, um den NOFV-Vorgaben zu entsprechen. So wurde rund ums Stadion ein 2,40m-hoher Sicherheitszaun errichtet, dazu eine Absprerrung um den Gästebereich. Außerdem mussten die Kabinenräume neu ausgestattet werden. "Manches konnten wir als Verein durch ehrenamtliche Arbeit stemmen", sagt Präsident Prüfer.

Bei anderen Neuerungen war man angewiesen auf Unterstützung des Bezirks – vor allem natürlich beim Bau der Flutlichtanlage, die Voraussetzung für die Regionalliga ist. "Manchmal hat man Stunden, wo man sagt: Dieser ganze Investitionsaufwand, der betrieben werden muss durch Bezirk und Verein, damit wir drei oder viermal im Jahr unter Flutlicht spielen können", sagt Prüfer. Es belaste auch ein wenig, dass das Spielen in der Regionalliga so wenig vom Spiel selbst abhängt, "sondern von den Rahmenbedingungen". Dankbar ist Prüfer hingegen für die gute Zusammenarbeit mit dem Bezirk.

Nun steht die Lichtanlage mit ihren sechs Masten. Allerdings gilt es noch weitere Beleuchtungen anzubringen für die Zuschauerbereiche. In den kommenden Tagen will sich der Verein dafür nochmals mit dem Bauamt zusammensetzen. Prüfer ist zuversichtlich, dass bis zum 12. Februar auch diese letzte Hürde genommen ist.

Sportlich läuft es rund

Nicht zuletzt gibt die bisherige sportliche Vorstellung der Lichtenberger Anlass zur Zufriedenheit. Das vor der Saison ausgerufene Ziel Klassenerhalt liegt in Reichweite, derzeit rangiert die Mannschaft von Trainer Uwe Lehmann auf dem 13. Tabellenplatz.

Benjamin Plötz ist optimistisch, dass auch die jungen Spieler in der Rückrunde ihre Leistungen bringen werden. Diese hatten durch die Verletzungen zahlreicher Stammkräfte unverhofft viel Spielzeit erhalten. "Die jungen Spieler sind gewachsen und haben sich im Team etablieren können", sagt er.

Plötz freut sich auf die Rückrunde, die am kommenden Samstag zunächst mit einem Auswärtsspiel beim Chemnitzer FC startet. "Wir wollen attraktiven Sport zeigen. Und dabei wollen wir junge Spieler in die Position bringen, dass sie sich für höhere Aufgaben empfehlen können", sagt er. Und das: Ab dem 12. Februar voraussichtlich vor eigener Kulisse im "Hans Zoschke".

Sendung: Inforadio, 26.01.2022, 19:15 Uhr

Beitrag von Shea Westhoff

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  1. 1.

    Ich freue mich über die Rückkehr ins heimische Stadion und drücke dem SV Lichtenberg 47 die Daumen für den Klassenerhalt. Der Termin für einen Stadionbesuch gegen Chemie ist im Kalender notiert. :-)

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