Glücklicher Sieg gegen Hoffenheim - Sheraldo Beckers Rückkehr rettet Union

Sa 15.01.22 | 20:40 Uhr | Von Till Oppermann
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Die Unioner Max Kruse, Bastian Oczipka und Sheraldo Becker feiern das 2:1 gegen Hoffenheim. (Bild: IMAGO / Jan Huebner)
Audio: Inforadio | 16.01.2022 | Lars Becker | Bild: IMAGO / Jan Huebner

Union Berlin gewinnt das erste Spiel nach Marvin Friedrichs Abgang. Trotz eines frühen Rückstandes und einer mäßigen Leistung drehten die Eisernen die Partie. Die entscheidende Wendung gab die Rückkehr von Sheraldo Becker. Von Till Oppermann

Sucht man nach dem Schlüsselmoment für Union Berlins Heimsieg gegen die TSG Hoffenheim, dann wird man in der 65. Minute der Bundesligapartie des 19. Spieltags fündig. Nach überstandener Corona-Infektion kehrte Stürmer Sheraldo Becker zurück aufs Feld und ersetzte den bemühten, aber glücklosen Levin Öztunali. Grinsend trabte der Niederländer auf den Platz und zeigte seinen Teamkollegen mit drei Fingern einen Systemwechsel an. Drei offensive Unioner sollten das Match beim Stand von 1:1 entscheiden: Becker orientierte sich in den Sturm neben Andreas Voglsammer, Max Kruse rückte dadurch etwas zurück auf seine Lieblingsposition im offensiven Mittelfeld. Der richtige Plan, wie sich einige Minuten darauf zeigen sollte.

Union war lange das schlechtere Team

In der guten Stunde zuvor fehlte Union oft die Entlastung. "Wir waren das dominante Team, haben das Spiel gemacht", fasste Hoffenheims Nationalspieler David Raum das Geschehen auf dem Platz korrekt zusammen. Als Becker selbigen betrat, hatte die TSG knapp 59 Prozent Ballbesitz. Von Anfang an hatten die Kraichgauer an Druck gemacht, dabei nutzte die vom Ex-Herthaner Sebastian Hoeneß trainierte Mannschaft gekonnt die offenen Halbräume zwischen Unions neu formierter Innenverteidigung und dem defensiven Mittelfeld, um sich vor Andreas Luthes Tor zu kombinieren. "Wir hatten heute nicht den Zugriff und den Balldruck, der uns eigentlich auszeichnet", schimpfte Trainer Urs Fischer nach dem Spiel. Bei der Umstellung mit Beckers Einwechslung sei es auch um die fehlende Kompaktheit gegangen, erklärte der Schweizer.

Insbesondere die Abstände zwischen den Mannschaftteilen seien zu groß gewesen. So hätten die Hoffenheimer immer wieder in den Zwischenräumen aufdrehen können. Schon in der Anfangsphase war es den Gästen auf diese Art gelungen, den schnellen Ihlas Bebou auf der Außenbahn einzusetzen. Seine erste Flanke sorgte für eine Großchance, die zweite köpfte Timo Baumgartl ins eigene Tor. Dass Union Minuten danach mit der ersten wirklichen Gelegenheit den Ausgleich erzielte, war ein Glücksfall, denn sie sollte lange die einzige bleiben. "Die Momente im Spiel waren auf unserer Seite und das brauchten wir", konstatierte Fischer.

Sheraldo Becker bringt die Wende

Gelang es Union dann doch mal, den Ball zu erobern, versandeten die meisten Konter. Da fehlten die Tiefenläufe des schnellen Sheraldo Becker bis zu seiner Hereinnahme schmerzlich. Seit Urs Fischer den Niederländer vom Flügel in seine Doppelspitze beorderte, ist Becker einer der kreativsten Stürmer Europas. Pro Spiel liefert er statistisch 4,5 Aktionen, die einen Abschluss nach sich ziehen. Nur zwei Prozent der Angreifer in den europäischen Top-Ligen gelingt das noch häufiger.

Das liegt auch daran, dass Becker seine Geschwindigkeit - gegen Hoffenheim war er mit 33,82 km/h der schnellste Spieler auf dem Feld - in der Zentrale noch besser ausspielen kann, weil er die Freiheit besitzt, sich in jede Richtung zu orientieren, anstatt an der Seitenlinie zu kleben. Direkt nach seiner Einwechslung sprintete Becker erst die rechte Linie entlang, spielte einen Seitenwechsel nach links, fand den Weg in den Strafraum und köpfte eine Flanke knapp neben das Tor. Vor dem Siegtreffer setzte Kruse ihn mit einem Pass von der Zehnerposition auf die linke Seite ein und Becker spielte zurück in die Mitte, wo Grischa Prömel nach Kruses Lattenschuss abstaubte.

Oder wie Hoffenheims Raum es formuliert: "Union ist auf die zweiten Bälle gegangen, das ist ihr Spiel." In der Tat erzielte Prömel sein drittes Tor in den letzten beiden Spielen, weil er geistesgegenwärtig nachsetzte. Das ist allerdings nicht nur eine Mentalitätsfrage, sondern auch Ergebnis eines Dogmas von Urs Fischer: Union versucht bei jedem Ball in die Mitte den Strafraum mit so vielen Spielern wie möglich zu besetzen. Ohne die unterstützenden Läufe der Außenverteidiger und Mittelfeldspieler in den gegnerischen Sechzehner wären viele Tore kaum denkbar.

Am Mittwoch wartet ein Highlight

Nicht mal das stimmte Urs Fischer glücklich. Gefallen habe ihm einzig die Solidarität, der Wille und die Leidenschaft seiner Mannschaft, kommentierte er. Zwar wollte der Trainer noch nicht über das Pokal-Stadtderby am Mittwoch im Olympiastadion reden, aber es wurde klar, dass er gegen Hertha eine spielerische Steigerung erwartet.

Grischa Prömel war etwas gesprächiger: "Das ist ein großes Spiel für den ganzen Verein. Deshalb fahren wir dahin, um zu gewinnen." Dann steht Sheraldo Becker wahrscheinlich in der Startelf. Dem Siegtorschützen Prömel würde das gefallen: "Wir wissen, dass er den Unterschied machen kann."

Sendung: rbb24, 15.01.2022, 21:45 Uhr

Beitrag von Till Oppermann

7 Kommentare

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  1. 7.

    Da sitzen ja auch alle herthafans zu Hunderten dicht beieinander. Und bei 100 Leute ist das schon gefährlich.
    Die Regelung 2G plus gilt auch fürs Pokalspiel. Da macht nicht hertha die Regeln, sondern der DFB. Ist sein Spiel und er hat das Hausrecht.

  2. 6.

    Übrigens falls Sie am Mittwoch im Olympiastadion dabei sein sollten, dort herrscht dauerhafte Maskenpflicht.

  3. 5.

    Im Stadion galt 2G-plus, also geimpft oder genesen plus tagesaktuellem Antigen-Schnelltest oder PCR-Test (48h Gültigkeit), welche für Geboosterte wegfielen. Und zusätzlich galt Maskenpflicht bis zum Platz. Sonst noch Fragen oder irgendwas zu meckern, Spandauer?

  4. 4.

    und als Antwort auf die ersten drei Kommentare: ick freu mir offn Mittwoch !!!!! und die danach kommenden "KLUGEN SPRÜCHE" aus den beiden Teilen Berlins !!!!!
    übrigens: der BESSERE möge gewinnen
    U.N.V.E.U

  5. 3.

    Sehr gut gekontert,Eiserner. Und Spandauer, im Stadion gilt am Platz keine Maskenpflicht.

  6. 2.

    Weine nicht. Dafür sind bei euch die 300Mio nicht zu sehen, die der alten Dame in den Allerwertesten geschoben wurden.

  7. 1.

    Auf den Rängen von Abstand und Masken überhaupt nichts zu sehen … ohne Kommentar

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