Vor dem Heimspiel gegen Hoffenheim - Wie Union um den Europacup kämpft - und wie die Chancen dafür stehen

Do 13.01.22 | 20:20 Uhr | Von Jakob Rüger
Union-Neuzugang Dominique Heintz. (Bild: IMAGO / Matthias Koch)
Audio: Inforadio | 14.01.2022 | Jakob Rüger | Bild: IMAGO / Matthias Koch

Der 1. FC Union empfängt die aktuell heißeste Mannschaft der Liga. Das Heimspiel gegen Hoffenheim am Samstag wird zur ersten Partie ohne Marvin Friedrich, doch sein Nachfolger könnte sein Debüt geben. Von Jakob Rüger

Das Personal

Es war ein Bild, das vielen Union-Fans einen kleinen Stich ins Herz verpasst hat. Marvin Friedrich im Trikot von Borussia Mönchengladbach. Der Spieler mit den meisten Bundesliga-Einsätzen im Union-Trikot hat den Verein ein halbes Jahr vor Ablauf der Vertragslaufzeit verlassen. Urs Fischer muss die Dreierkette umbauen. "Er war ein Führungsspieler", so der Trainer. "Natürlich schmerzt dieser Abgang, aber es gilt, diesen Abgang vergessen zu machen. Wir haben Spieler, die das auffangen können." Zum Beispiel Paul Jaeckel, Timo Baumgartl oder Neuzugang Dominique Heintz.

Union hat Erfahrung darin, Leistungsträger zu ersetzen. Toptorjäger Taiwo Awoniyi ist seit Jahresbeginn mit Nigeria beim Afrika-Cup. Zuletzt fehlte Sheraldo Becker wegen eines positiven Corona-Tests. Auch ohne ihr Sturmduo erzielten die Köpenicker zwei Tore beim 2:2 gegen Leverkusen. Der schnelle Becker ist zurück im Training und eine Option für die Startelf gegen Hoffenheim. Der zuletzt angeschlagene Linksverteidiger Niko Gießelmann wird von Bastian Oczipka ersetzt.

Es fehlt: Awoniyi (Afrika-Cup)

Die Form

Der 1. FC Union ist ganz schwer zu besiegen, das haben mittlerweile alle Mannschaften der Bundesliga erfahren müssen. Die bisherigen vier Niederlagen in dieser Saison werden nur von Spitzenreiter Bayern München unterboten. Die Eisernen haben mit 28 Punkten genauso viele auf dem Konto wie nach 18 Spieltagen der vergangenen Rekordsaison.

"Wenn man sich die Tabelle genau anschaut, sieht man, dass da drei, vier Teams hinter uns stehen, die hinter uns nichts zu suchen haben", so Fischer. Der Trainer will deshalb auch weiterhin nichts vom Europapokal hören. Der Blick auf die Tabelle verrät aber auch, mit Hilfe der Konkurrenz könnte Union am Ende des 19. Spieltages auf einem Champions-League-Platz stehen, vorausgesetzt Hoffenheim wird bezwungen. Der Gegner ist als Tabellendritter nur drei magere Pünktchen entfernt.

Der Gegner

1899 Hoffenheim ist derzeit das heißeste Team der Liga und seit sieben Bundesligaspielen ohne Niederlage. Die Handschrift von Trainer Sebastian Hoeneß ist für Urs Fischer erkennbar, dabei stand der ehemalige Herthaner vor einem Jahr kurz vor der Entlassung. "Ein bisschen mehr Geduld würde ich mir für unsere Trainergilde schon wünschen", so Fischer über seinen Kollegen, der das Vertrauen der Hoffenheimer Vereinsführung nun zurückzahlt.

Hoffenheim spielt kompakt, ist läuferisch extrem stark und lässt sich auch von Rückständen nicht aus der Ruhe bringen. Siebenmal hat die Hoeneß-Elf in dieser Saison noch Zählbares eingefahren, nachdem der Gegner in Führung gegangen war. Sie ist ein aktives Team mit vielen schnellen Spielern. Eine Herausforderung vor allem für Unions Defensive.

Unioner im Fokus

Kurz vor Weihnachten überraschte der 1. FC Union mit der Verpflichtung von Dominique Heintz. Der erfahrene Innenverteidiger kam vom SC Freiburg. Nach dem Abgang von Marvin Friedrich ist klar, Heintz soll der direkte Nachfolger werden. In Freiburg war er jahrelang eine feste Größe, musste seinen Stammplatz in dieser Saison aber abgeben. Nach zwei Wochen Training mit der Mannschaft verinnerlicht Heintz Unions Spielweise immer besser. Gegen Hoffenheim könnte er sein Startelfdebüt links in der Dreierkette geben. Mit seinem starken linken Fuß soll er das Köpenicker Aufbauspiel bereichern und Publikumsliebling Marvin Friedrich vergessen machen.

Besonderheiten

28 Pflichtspiele hat der 1. FC Union bislang in dieser Saison absolviert. Von großen Verletzungen oder längeren Ausfällen sind die Köpenicker erstaunlicherweise verschont geblieben. "Das hat mit der individuellen Steuerung zu tun", erklärt Fischer und nennt weitere Gründe: "Die vielen Spiele haben dafür gesorgt, dass wir weniger trainieren konnten und sich niemand beim Training ernsthaft verletzt hat. Die Spieler investieren viel Zeit in die Regeneration." Außerdem habe das Trainerteam und die medizinische Abteilung einen guten Job gemacht.

All das hat Einfluss auf die Qualität der Mannschaft. Ohne nennenswerte Ausfälle ist der Konkurrenzkampf in jeder Trainingseinheit groß. Die Spieler pushen sich gegenseitig. Auch das ist ein kleines Puzzlestück für den sportlichen Erfolg der Köpenicker.

Sendung: rbb24, 14.01.2022, 18:10 Uhr

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