Hertha verliert gegen Köln - Es war ein Spiel gegen sich selbst

So 09.01.22 | 21:37 Uhr | Von Marc Schwitzky
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Hertha verliert gegen Köln: Das Spiel gegen sich selbst. (Bild: dpa/Andreas Gora)
Video: rbb | 09.01.2022 | Max Zobel | Bild: dpa/Andreas Gora

Hertha BSC wollte eigentlich an das Niveau des Spiels gegen Borussia Dortmund anknüpfen. Die 1:3-Niederlage gegen den 1. FC Köln am Sonntag hat jedoch mehr Fragen aufgeworfen als positive Erkenntnisse hervorgebracht. Von Marc Schwitzky

Die zweite Minute der Nachspielzeit läuft. Hertha liegt mit 1:2 gegen Köln zurück, es bleiben zwei Minuten Nachspielzeit, um den Ausgleich zu erzielen. Kölns Benno Schmitz klärt den Ball aus dem eigenen Strafraum, die Bogenlampe landet am Mittelkreis bei Vladimir Darida – Herthas letztem, weil nicht ganz mit aufgerücktem Mann.

Der Tscheche hat gleich mehrere Möglichkeiten, den Ball zu kontrollieren, kriegt seinen Körper jedoch nicht justiert und verliert das Spielgerät letztendlich an den herangestürmten Jan Thielmann. Dieser hat nun leichtes Spiel: er rennt auf Herthas Keeper Alexander Schwolow zu, umkurvt diesen und schiebt zum endgültig entscheidenden 1:3 ein.

Die Szene ist ein Sinnbild dafür, dass Hertha BSC am Sonntag mal wieder einen dieser Tage erwischt hat. Einen Tag, an dem die Mannschaft unerklärlich fahrig wirkt und sich gefühlt immer wieder für ein paar Minuten mental ausklinkt. Einer, an dem nichts funktionieren will, sei es Pass, Schuss, Stellungsspiel oder Zweikampfverhalten. Es ist einer dieser Tage, an denen sich die Hertha eher selbst besiegt als von einem übermächtigen Gegner überrollt zu werden.

Korkut wollte den BVB-Schwung mitnehmen

Eigentlich wollte Hertha an die Partie gegen Borussia Dortmund anknüpfen. In der letzten Begegnung vor der Winterpause zeigten die Blau-Weißen ihr wohl bestes Spiel der Hinrunde, mit einem 3:2 besiegt man den BVB. "Mut, Spielfreude und Aktivität vor allem mit Ball" – Attribute, die Trainer Tayfun Korkut seit Tag eins fordert, waren an jenem Abend allesamt zu sehen. Dass die Berliner am 17. Spieltag auf ein schwaches Dortmund getroffen waren, gehört sicherlich zu Wahrheit dazu. Dass Hertha vielleicht das erste Mal in dieser Saison nahezu alles getan hatte, um einen Sieg zu erzwingen, aber auch.

So wollte Trainer Korkut auch nach der Winterpause weitermachen. "Es geht vor allem darum, dass wir das, was wir in den vergangenen Spielen gezeigt haben, noch stabiler machen", sagte er zum Trainingsauftakt für die Rückrunde. Nach der Niederlage gegen Köln ist klar: Das Vorhaben ist schwerer als vielleicht gedacht. Die Inkonstanz bleibt die größte Konstante der "alten Dame".

Spielidee erkennbar, Umsetzung mangelhaft

Dabei begann die Partie am Sonntagnachmittag gar nicht schlecht. Korkut musste eine etwas umgebaute Mannschaft aufs Feld schicken, da rund um Stevan Jovetic, Ishak Belfodil und Dedryck Boyata gleich mehrere Stützen fehlten. In einem 4-2-2-2 ordnete Korkut sein Team an.

Suat Serdar und Marco Richter waren auf den Mischpositionen aus Flügelspieler und Zehner aufgeboten. Sie sollten gegen den Ball das starke Kölner Flügelspiel mitverteidigen, mit Ball eher Richtung Zentrum schieben und damit die Spielmitte überladen. Der Matchplan beinhaltete zwei Schritte. Erste Phase: Hertha wollte Köln herauslocken, deren Pressing auslösen. Zweite Phase: Waren die Kölner somit weit aufgerückt, sollte durch sauberes Passspiel möglichst schnell in Zentrum kombiniert werden, da dort nur ein einziger Kölner Sechser wartete, der leicht überspielt werden kann. Die Kölner Probleme in der Rückwärtsbewegung sollten ausgenutzt werden.

Zu oft zu ideenlos

Denn wenn man einmal Kölns Pressing überspielt hat, findet man riesige freie Räume vor. So zu sehen auch in Halbzeit eins als Herthas Matchplan durchaus aufging. Immer wieder konnte sich Hertha gut aus Kölns Pressing lösen und das Mittelfeld schnell überbrücken. Auch einige Seitenverlagerungen gelangen. Einzig die dadurch entstanden Räume wusste man nicht zu nutzen. "Wir haben von hinten gut herausgespielt, aber vor dem gegnerischen Tor waren wir nicht zielstrebig, sauber und ruhig genug", analysierte Korkut nach Abpfiff. "Allgemein waren wir in den entscheidenden Situationen im vordersten Drittel nicht ruhig genug", sagte auch Vladimir Darida.

In den gewünschten Angriffssituationen angekommen, ging der Hertha die Genauigkeit und Dynamik vollends verloren. Vor allem Darida, aber auch der Rest der Offensive um Marco Richter und Myziane Maolida hatte dann große Probleme, die richtigen Entscheidungen zu treffen oder den Mitspieler sauber anzuspielen.

Kölns Tore fallen zu einfach

So türmten sich in Halbzeit eins zahlreiche Szenen, in denen Hertha aus dem gegebenen Raum so viel mehr hätte machen müssen. Bereits Korkut-Vorgänger Pal Dardai hatte die so ungenauen ausgespielten Umschaltmomente mehrmals kritisiert. Spätestens in der 28. Minute hätte die Berliner Führung fallen müssen, doch Maolida scheiterte alleinstehend an Kölns Keeper Marvin Schwäbe.

Stattdessen kassierte Hertha im direkten Gegenzug das 0:1 (30. Minute). Man hatte versucht, hoch herauszuschieben, verlor dabei jedoch die Ordnung. Innenverteidiger Jordan Torunarigha hätte beim Pass von Jonas Hector wie der Rest der Berliner Viererkette auf Abseits stellen müssen, verschlief die Szene aber. So hatte Mark Uth sehr viel Platz, den er für die präzise Flanke auf Anthony Modeste nutzte. Der Franzose machte das, was er am besten kann und köpfte zur Gästeführung ein.

Aus dem Nichts kam das Tor nicht, war Herthas Defensive schon zuvor mehrmals nicht auf der Höhe, was in gefährlichen Szenen resultierte. Nach dem 0:1 verloren die Berliner dann komplett den Faden. Nur zwei Minuten später lieferte der Ex-Herthaner Ondrej Duda das 0:2 nach. Erneut hatte Hertha sich etwas hinauslocken lassen und anschließend den Flügel zu nachlässig verteidigt – als wäre Kölns Angriffsmuster und deren starker Flügelfokus nicht bekannt gewesen.

Hertha in Halbzeit zwei nicht zwingend genug

"Insgesamt waren die Gegentore unnötig", stellte auch Trainer Korkut fest. Sowohl beim 0:1 als auch 0:2 agierte die gesamte Mannschaft viel zu nachlässig, ließ die taktische Disziplin vollkommen vermissen. Anschließend hatte Hertha großes Glück, vor dem Halbzeitpfiff nicht noch massiver unter Räder gekommen zu sein.

In der zweiten Halbzeit blieb Hertha dann – angesichts des Spielstandes – irritierend passiv. Darida konnte mit einem Freistoß, der eigentlich als Hereingabe geplant war, dann aber an allen Köpfen vorbei ins Tor segelte, noch den 1:2-Anschlusstreffer erzielen (57. Minute), eine intensive Aufholjagd blieb allerdings aus. Stattdessen kam es immer wieder zu Slapstick-Einlagen, in denen Köln quasi zu Toren eingeladen wurde. Thielmann wusste das letzte Geschenk in der 92. Minute dann zu nutzen und machte einen weiteren tristen Nachmittag für Herthas Fans in dieser Saison perfekt.

Hertha zeigt ein bekanntes Gesicht

Hertha zeigte gegen Köln ein Gesicht, das man diese Saison schon mehrfach gesehen hat: Die Mannschaft ging mit einem klaren Plan in die Partie, ließ jedoch die Zielstrebigkeit vermissen, um diesen erfolgreich umzusetzen. Mit dem ersten Rückschlag brach sie entzwei.

Immer wieder erlaubt Hertha sich Spiele, in denen es zu einem unerklärlichen Bruch kommt, von dem man sich nicht mehr erholt. So gesehen im Derby gegen Union (0:2), bei der Niederlage gegen Hoffenheim (0:2) oder im Hinspiel gegen Köln. Damals ging man sogar in Führung, kassierte jedoch den Ausgleich und nahm anschließend sehr passiv den Verlauf der 1:3-Niederlage hin.

"Es war eine vermeidbare Niederlage", resümierte Trainer Korkut auch am Sonntag. Von eben jenen erlebt Hertha sträflich viele. Und das, nach einem so überzeugenden Spiel gegen den BVB. "Konstanz" bleibt für Hertha das größte Fremdwort dieser Saison.

Sendung: rbb UM6, 09.01.2022, 18 Uhr

Beitrag von Marc Schwitzky

10 Kommentare

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  1. 10.

    Windhorst sollte 100% übernehmen und Gegenbauer zurücktreten.
    Dann klappt es auch mit dem neuen Stadion in Brandenburg.

  2. 8.

    Auf wieder sehen Hertha
    Das war sch...

  3. 7.

    Warum hält man solange am TW Schwolow fest. Er strahlt keine Ruhe aus und hat keine Strafraumbeherschung. Bei Flanken immer unsicher.

  4. 6.

    Schade das offenbar kein Verantwortlicher von Hertha die seit Monaten schlechten aber ehrlichen Kommentare hier liest, sonst würde man in den Pressekonferenzen von Hertha etwas davon spüren.

  5. 5.

    Ich bin gespannt, wann mal geeignete Spieler verpflichtet werden.
    Hochgelobte Spieler werden verpflichtet, und dann passen diese doch nicht ins Team.
    Vielleicht sollte man mal nach Leistung bezahlen.
    Und dann so eine schlechte Spielweise auf dem 160000 € teuren neuen Rasen.

  6. 4.

    Vielleicht sollte man mal die komplette Mannschaft austauschen, es kommt mir so vor als wenn diese hochbezahlten Profis keine lust haben.
    Sollten sich mal ein Beispiel an unterklassigen Vereinen ein Beispiel nehmen, da wird noch gekämpft.

  7. 3.

    Vielleicht gelingt ja gegen Wolfsburg die Überraschung, dass die Hertha die eigenen Ansprüche erfüllt ohne dass der Gegner tatkräftig mithilft.

  8. 2.

    Na da hat ja Wolfsburg den nächsten aufbaugegner...denn wenn hertha eins ist..denn das..diese untrainierbare geldgeile und sich selber überschätzende "Mannschaft " ...und wenn die Trainer von herberger angefangen bis nach klopp fortgeführt heißen sollten....alle würden komplett verzweifeln..

  9. 1.

    Kapiert es doch endlich
    Mit dieser Mannschaft und diesem Trainer ist kein Pfifferling zu gewinnen
    Hertha wird so absteigen

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