Hockeyspieler Paul Dösch - Glänzen in Zehlendorf für den Traum von Paris

So 09.01.22 | 18:19 Uhr | Von Shea Westhoff
Paul Dösch
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Video: rbb24 | 15.01.2022 | Lynn Kraemer | Bild: imago images/foto2press

Sein Trainer beim Berliner HC hält Paul Dösch für einen der besten deutschen Hallen-Hockeyspieler. Doch einen Stammplatz im Nationalkader hat er nicht. Nach einer überstandenen Corona-Infektion will Dösch nun wieder auf sich aufmerksam machen.

Einen normalen Wochentag beschreibt Hockeyspieler Paul Dösch im Gespräch mit rbb|24 so: "Morgens trainiere ich alleine oder in einer kleinen Gruppe, tagsüber bin ich produktiv für die Uni. Abends komme ich noch mal mit der Mannschaft zusammen." Um weiter zu trainieren.

Der 23-Jährige studiert Kommunikationswissenschaften und Politik in Berlin. Doch sein großes Ziel ist es, den Sprung in den Stammkader der Hockey-Nationalmannschaft zu schaffen. Dösch will zunächst zur Indoor-Weltmeisterschaft in Belgien (2. bis 6. Februar). und sich dort profilieren. Vielleicht klappt es dann sogar mit den Olympischen Spielen 2024 in Paris.

"Ich mache es ja gerne"

Dösch, der bei der Bundeswehr Mitglied der Sportfördergruppe ist, scheint sich ein relaxtes Studentenleben nicht erlauben zu können. "Das ist gar nicht so stressig", sagt er. "Ich mache es ja gerne, sonst würde ich es lassen."

Bereits im Kindergarten-Alter schaute sich der kleine Paul die Hockeyleidenschaft bei seinen drei älteren Geschwistern ab, entwickelte selbst Begeisterung für den Sport. Mittlerweile gilt der offensiv ausgerichtete Abwehrspieler als eines der größtes Hockeytalente Berlins.

Dabei war Dösch vor gut zwei Jahren drauf und dran, die Bundeshauptstadt zu verlassen. Während seiner ersten Bundesliga-Station, die er bis 2019 beim TC Blau-Weiß Berlin absolvierte, fühlte sich Dösch reif für eine neue Erfahrung, wie er sagt. Zum ersten Mal wollte er raus aus Berlin, setzte sich mit mehreren Klubs zusammen und führte Gespräche. "Ich wollte einen Tapetenwechsel", erinnert er sich. Schlussendlich wechselte er dann doch innerhalb Berlins das Trikot, ging nach Zehlendorf zum Berliner Hockey Club (BHC). "Der BHC hat mich einfach überzeugt", sagt er. Das galt für die Mitspieler, aber auch für den Trainer, Rein van Eijk, unter dem er sich Entwicklungsmöglichkeiten versprach.

Jetzt muss er seine Chance nutzen

Der Niederländer van Eijk schätzt seinen Kapitän als jemanden, der Verantwortung übernimmt, gerade in den engen Phasen des Spiels. "In gewissen Momenten weiß er sehr gut, wann er ins Risiko gehen muss." Außerdem sei Dösch ein Spieler, mit dem man gerne zusammenspielt. Gleichzeitig baue er die Nachwuchsspieler mit auf und ziehe sie mit.

Dösch selbst feierte vor zwei Jahren als Lokalmatador in Berlin neben weiteren jungen Perspektivspielern den Gewinn der Hallen-Europameisterschaft 2020. Zwei Treffer steuerte er im Finale gegen Titelverteidiger Österreich bei, der größte Erfolg in seiner jungen Karriere.

Dennoch wurde er danach weniger berücksichtigt im Nationalkader, was Vereinstrainer van Eijk auch auf die Doppelbelastung mit Bundeswehr und Studium zurückführt. Außerdem musste Dösch Ende des vergangenen Jahres eine Corona-Infektion auskurieren. "Jetzt ist Paul wieder voll da", sagt der Niederländer und adelt seinen Abwehrspieler: "Paul ist meiner Meinung nach einer der besten Hallenspieler Deutschlands." Nun müsse er die Chance nutzen und zeigen, dass er in den WM-Kader der Nationalmannschaft gehört.

Der Traum von Paris

Darüber zu entscheiden hat der Bundestrainer – der selbst erst seit Kurzem im Amt ist. Im Dezember beförderte der Deutsche Hockey-Bund André Henning an die Spitze der Herren-Nationalmannschaft. Henning trainierte im vergangenen Jahr bereits das kanadische Team bei den Olympischen Spielen in Tokio. Nun soll er die deutsche Auswahl in Richtung Olympische Spiele 2024 entwickeln, die in Paris stattfinden werden.

Dösch selbst glaubt, dass die aktuelle Phase entscheidend für seinen Platz in der Nationalmannschaft sein kann. Unter dem neuen Nationaltrainer kristallisiere sich gerade heraus, wer welche Position im Team bekommt – und ob man ihn überhaupt berücksichtigt wird. "Deswegen gilt es jetzt, direkt Gas zu geben, die Monate zu nutzen", sagt Dösch. Wenn die Hallen-Saison ab März in die populärere Feldhockey-Saison übergeht, komme es darauf an, fit zu sein und sich gut zu präsentieren. Anfang 2023 steht die Feldhockey-Weltmeisterschaft in Indien an. "Das ist das erste große Ziel, das für mich in Frage kommt", sagt Dösch. "Und ein Jahr später Paris, das ist natürlich der Traum von jedem Hockeyspieler." Die Olympischen Spiele im Nachbarland.

Und das Studium? "Die Priorität liegt gerade ganz klar auf dem Hockey", gesteht Dösch. Ironischerweise hat das um sich greifende Coronavirus dazu geführt, dass er Studium und Hockeykarriere besser unter einen Hut bekommt: Plötzlich werden seine Seminare online abgewickelt. "Online studieren macht für Profisportler auf jeden Fall mehr Sinn", sagt Dösch. Denn nun kann er auch an Kursen teilnehmen, während er für Hockey-Spiele unterwegs ist. Um beim Bundestrainer für seine Dienste zu werben, kann das nur hilfreich sein.

Sendung: rbb UM6, 10.01.2022, 18 Uhr

Beitrag von Shea Westhoff

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