Laufsport in Berlin - Mit Pflieger und den Schöneborns zur Talentschmiede

Mi 12.01.22 | 14:38 Uhr | Von Fabian Friedmann
Berliner Halbmarathon 2021: Die besten Deutschen Rabea Schöneborn (r) und Philipp Pflieger stehen nach dem Lauf nebeneinander. (Bild: picture alliance/dpa | Andreas Gora)
Bild: picture alliance/dpa | Andreas Gora

SCC Events veranstaltet unter anderem den Berlin-Marathon. Ihr Profi-Team bekommt nun mit den Schöneborn-Zwillingen und Philipp Pflieger prominente Verstärkung. Das Ziel: eine neue Talentschmiede für den Langstreckenlauf. Von Fabian Friedmann

Noch im Dezember 2021 musste SCC Events eine bittere Entscheidung treffen: Aufgrund der Pandemie mussten der Berliner Silvester- und der Neujahrslauf abgesagt werden. Dabei war man einige Wochen zuvor noch guter Dinge gewesen, dass die Veranstaltungen stattfinden könnten, aber Corona hatte auch hier etwas dagegen.

Eine gute Nachricht gab es dennoch von SCC-Events-Sportdirektor Mark Milde zu verkünden: Mit den Zwillingen Rabea und Deborah Schöneborn sowie Philipp Pflieger sind nun große Namen in das SCC-Pro-Team gewechselt, die Profi-Mannschaft des Veranstalters. "Die drei sind schon sehr hochentwickelt. Mit ihnen zusammen wollen wir den Laufsport ins positive Licht stellen, um mit ihnen auch den Nachwuchs zu begeistern", sagte Mark Milde über die drei neuen Aushängeschilder seines Lauf-Teams.

Halbmarathon- und 10-Kilometer-Spezialistinnen

Rabea Schöneborn ist mit ihren 27 Jahren bereits mehrfache deutsche Meisterin im Crosslauf. 2021 gewann sie zudem den nationalen Titel über die 10.000 Meter, dicht gefolgt von ihrer Zwillingsschwester Deborah, die bei den Deutschen Meisterschaften in Mainz den zweiten Platz belegte. Über den Halbmarathon gehören die kleinen Schwestern von Fünfkämpferin Lena Schöneborn ebenfalls zu den schnellsten Läuferinnen in Deutschland.

Glaubt man dem dritten SCC-Neuzugang Philipp Pflieger, ist bei den Schöneborns noch viel Luft nach oben: "Bei den beiden ist bei weitem noch nicht alles ausgereizt. Sie haben sich immer kontinuierlich gesteigert – auch bei den zehn Kilometern. Da ist noch viel Potential da." Und Pflieger sollte wissen. Der 34-Jährige kann bereits auf eine beachtliche Karriere zurückblicken: Auf sage und schreibe 14 Deutsche Meistertitel über Langstrecken kommt der gebürtige Sindelfinger.

Das schöneste Erlebnis in Berlin

Seit 2015 konzentriert sich Pflieger vermehrt auf den Marathon. Zu Berlin und seinen Laufveranstaltungen hat er ein ganz spezielles Verhältnis: "Das schönste Rennen meines Lebens war der Berlin-Marathon 2015, weil ich dort die Zeit gelaufen bin, die mich für Rio 2016 qualifiziert hat. Das war eines meiner glücklichsten Erlebnisse meiner Karriere." Neben der erfolgreichen Olympia-Qualifikation gewann Pflieger auch den Berliner Halbmarathon und viermal die City Nacht.

Abseits der Erfolge gab es aber auch zahlreiche Rückschläge, die er verkraften musste. 2017 kollabierte Pflieger live im Fernsehen beim Berlin-Marathon. Anfang 2020 zog er sich einen Bündelriss in der Wade zu und verpasste daraufhin die Olympischen Spiele in Tokio. "Ich habe viele Rückschläge erlitten, aber das war auch immer eine gute Charakterschule. Ich bin dankbarer geworden, für alles was noch kommt."

Pfliegers ehrgeizige Ziele

Pflieger, der seinen Lebensmittelpunkt eigentlich in Regensburg hat, lobt vor allem die sportliche Infrastruktur und das optimale Leistungsumfeld, das hier in Berlin aufgebaut werden soll: "Wichtig ist vor allem, dass man eine starke Trainingsgruppe vorfindet, ein gutes Umfeld herrscht, das zieht junge Sportler an. Das ist jetzt aktuell noch in den Kinderschuhen, aber wenn ich da einen Beitrag leisten kann, dann tue ich das sehr gerne."

Neben der Talentförderung hat der 34-Jährige natürlich auch eigene, ehrgeizige Ziele. Der Olympia-Marathon von Paris 2024 wäre so eines: "Es wird nicht einfach, aber es ist möglich. Wenn der Körper mitspielt, dann ist 37 kein verrücktes Alter für den Marathon. Viele Topläufer aus Kenia oder Äthiopien feiern auch mit Ende 30 noch große Erfolge, wie beispielsweise Kenenisa Bekele oder Eliud Kipchoge. Es ist Teil meines Plans."

Trainingseinheiten: Mindestens 30 Kilometer am Tag

Für diesen Plan schindet sich Pflieger: 210 Kilometer läuft er pro Woche, mindestens 30 Kilometer auf den Tag verteilt. Und für die sogenannten "Tempoeinheiten" geht es mit seinem italienischen Trainer Renato Canova auf die Laufbahn. Dort läuft er teils in hohem Tempo zehn mal in Folge 2.000 Meter. "Das klingt anstrengend und das ist es auch“, sagt Pflieger mit einem Lachen. Ansonsten trainiert er viel außerhalb der Stadt, aber auch auf dem Tempelhofer Feld oder im Grunewald bolzt er seine Kilometer.

Sollte das mit Paris 2024 nicht klappen, könnte sich Pflieger dann neben der Entwicklung junger Talente beim SCC-Pro-Team vermehrt um seine Hobbies kümmern. Seit Mai 2020 produziert er gemeinsam mit dem ARD-Sportmorderator Ralf Scholt den Podcast Bestzeit, der mittlerweile nahezu wöchentlich erscheint.

Sendung: rbb UM6, 12.01.2021, 18 Uhr

Beitrag von Fabian Friedmann

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