Union Berlin vor dem Spiel gegen Mainz - "Das hinterlässt seine Spuren"

Do 24.02.22 | 19:25 Uhr | Von Jakob Rüger
Union-Trainer Urs Fischer auf einer Pressekonferenz (imago images/Matthias Koch)
Audio: Inforadio | 25.02.2022 | Jakob Rüger | Bild: imago images/Matthias Koch

Der 1. FC Union erlebt ein längst vergessenes Gefühl. Zwei Jahre lang haben die Köpenicker nicht mehr drei Bundesliga-Spiele in Folge verloren. Trainer Urs Fischer benennt die Gründe und will doch nichts ändern. Von Jakob Rüger

Das Personal

Der Abwehrchef ist zurück. Robin Knoche steht als zentraler Mann in der Dreierkette nach seiner Sperre wieder zur Verfügung. Nach zuletzt sechs Gegentoren in den drei sieglosen Spielen eine gute Nachricht. Dafür droht jedoch Dominique Heintz auszufallen, der Innenverteidiger ist angeschlagen, trainierte am Donnerstag erstmals wieder mit dem Team. Definitiv fehlen werden die verletzten Andras Schäfer und Keita Endo, da beide zuletzt nicht zum Stammpersonal gehört haben, stehen Trainer Urs Fischer wohl alle wichtigen Spieler zur Verfügung.

Auf den defensiven Außenbahnen wird der Trainer wieder rotieren. Christopher Trimmel ist am Donnerstag 35 Jahre alt geworden. Der Kapitän dürfte rechts wieder in die Mannschaft rutschen. Auf links wird Nico Gießelmann sein Comeback feiern. Urs Fischer erhofft sich von den Beiden mehr Stabilität und offensive Gefahr.

Die Form

Drei Spiele, kein Sieg und 0:6 Tore. Schlechter war in diesem Zeitraum kein anderer Bundesligist. Es scheint, als habe Urs Fischer genau richtig gelegen mit seinem wöchentlichen Mantra, der Klassenerhalt sei das Ziel. "Im Januar haben wir nicht besser gespielt wie im Februar", stellt Fischer klar. "Im Februar waren wir aber auch nicht schlechter als im Januar. Das nötige Wettkampfglück, dass wir bislang hatten, haben wir jetzt nicht mehr." Fischer strahlt trotzdem weiter Ruhe aus. Der Torabschluss war Thema unter der Woche im Training. Veränderungen will und hat Fischer nach eigener Aussage nicht vorgenommen.

"Man sollte nicht zu viel Aktionismus betreiben", erklärt Fischer. "Nach drei Spielen ohne Sieg kann das Selbstvertrauen nicht das Gleiche sein. Das hinterlässt Spuren." Der 1.FC Union erlebt seine erste Ergebniskrise der Saison. Ein Heimsieg gegen Mainz wäre sehr wichtig. In der nächsten Woche wartet das DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Sankt Pauli und dann gibt es das Wiedersehen mit Max Kruse in Wolfsburg.

Der Gegner

Der Gast aus Mainz ist derzeit das glatte Gegenteil von Union. In drei Spielen gab es 2 Siege und ein Unentschieden. Die sieben Punkte in diesem Zeitraum sind Bundesligaspitze. Am letzten Spieltag drehte Mainz gegen Leverkusen einen Rückstand, um am Ende 3:2 zu gewinnen. "Sie geben nicht auf, bis es zu Ende gespielt ist, unermüdlich", lobt Urs Fischer den Gegner. "Sie haben ein sehr gutes Umschaltspiel und viel Tempo, es wird die erwartet schwere Aufgabe."

Die Mainzer schnuppern an einem Europapokalplatz und sind punktgleich mit Union. Der Spielstil der Nullfünfer ähnelt dem der Köpenicker. Beide Teams verzichten auf viel Ballbesitz und spielen schnörkellos nach vorne. Gegen den Ball tritt Mainz kompakt und geschlossen auf. Für Union gibt es ein Wiedersehen mit Stürmer Marcus Ingvartsen, der im Sommer nach Mainz wechselte und zuletzt gegen Leverkusen als Joker das Siegtor erzielte.

Unioner im Fokus

Nicht schon wieder – werden die Union Fans zu Beginn der Woche gedacht haben. Mittelfeldspieler Grischa Prömel gab seinen Abgang im Sommer bekannt. Mit Vertragsende in Köpenick wechselt Aufstiegsheld Prömel in seine Heimat zur TSG Hoffenheim. Der 1.FC Union verliert damit den nächsten Leistungsträger, nach Andrich (im Sommer nach Leverkusen), Friedrich (im Winter nach Mönchengladbach) und Kruse (ebenfalls im Winter nach Wolfsburg).

"Wenn man gute Leistung zeigt, ist es normal, dass man interessant wird für den einen oder anderen Verein", so Trimmel. "Grischa hat sich jetzt entschieden für den Sommer aber er spielt noch bis zum Saisonende und wird alles geben." Beim ersten Heimspiel nach der Verkündung werden 10.000 Augenpaare auf Grischa Prömel gerichtet sein.

Besonderheiten

Trainer Urs Fischer spricht Dinge, die ihn stören, klar und direkt an. So auch nach drei sieglosen Spielen. "Im Moment sind es zu viele Geschichten, der Fokus liegt nicht auf dem Spiel", kritisiert Fischer die Abgänge und Schlagzeilen der letzten Wochen. "Wir haben drei Leistungsträger verloren. Das ist auch in der Mannschaft ein Thema, das steckst du nicht so einfach weg."

Die Eisernen als Opfer ihres eigenen Erfolges. Die Abgangsflut und der anstehende Umbruch im Sommer könnten dem 1.FC Union eine erfolgreiche Saison kosten. Noch hat es die Mannschaft aber selbst in der Hand. 11. Spieltage bleiben in dieser Spielzeit noch übrig. Ein Erfolg gegen Mainz und die eiserne Welt in Köpenick sieht, wie die Schlagzeilen, wieder ganz anders aus.

Sendung: rbb24, 24.02.2022, 18 Uhr

Beitrag von Jakob Rüger

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