BR Volleys - Wie Benjamin Patch das Bild des Athleten neu definiert

Di 08.02.22 | 08:07 Uhr | Von Lynn Kraemer
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Benjamin Patch von den BR Volleys. (Bild: IMAGO / Fotostand)
Video: rbb24 | 02.02.2022 | Lynn Kraemer | Bild: IMAGO / Fotostand

Athlet und Künstler: Benjamin Patch entspricht nicht der typischen Definition eines Profisportlers. Er bricht sie auf und erweitert sie. Das dass auch für seine Teamkollegen gilt, zeigt der Volleyballer in zwölf Bildern. Von Lynn Kraemer

Auf dem Platz sind sie die Helden. Sergey Grankin, der instinktiv weiß, wohin er die Bälle verteilen muss. Jeffrey Jendryk, die Blockmaschine. Cody Kessel, der mit seiner enormen Sprungkraft beeindruckt. Für Benjamin Patch sind seine Teamkollegen von den BR Volleys noch viel mehr. Wie er sie sieht, oder besser, einen Teil ihrer vielen Facetten, hat er in einem Fotokalender festgehalten.

Athlet und Künstler

Dass Patch künstlerisch veranlagt ist, hat er in der Vergangenheit bereits bewiesen. Es ist sein Ausgleich neben dem Sport. Ohne die Kunst wäre er auf dem Platz nur halb so gut. In seinem Atelier töpfert er. Dazu kommen eigene Mode-Entwürfe. Er ist ein begnadeter Tänzer. Nun also Fotografie. Ein Hobby, das der US-Amerikaner aus Utah nach längerer Zeit wieder aufgegriffen hat.

"Die Idee schwirrt mir schon seit ein paar Jahren durch den Kopf", erzählt Patch, während er mit der Kamera in der Hand über die Wiese läuft. "Bevor ich professionell Volleyball gespielt habe, war ich Fotograf. Naja, was heißt Fotograf", sagt er und zeichnet lachend Anführungszeichen in der Luft. "Ich wusste, wie man Fotos macht." Er sei schon immer davon besessen gewesen, die Geschichten von Menschen zu erzählen. Auf der Reitanlage des Olympiaparks, unweit von der Trainingshalle seiner Mannschaft, fand Benjamin Patch den perfekten Ort für seine kreative Vision. Die Pferde besucht der 27-Jährige gerne, bevor es auf der anderen Straßenseite zum Training geht. An einem kalten, aber klaren Dezembertag begleiteten ihn seine Mitspieler für ein Fotoshooting.

Benjamin Patch steht mit Händen in der Jackentasche neben Baum mit Fotokalender (Quelle: rbb/Lynn Kraemer)

Sich selbst überraschen

"Natürlich hat ausgerechnet Ben diese Idee. Das war mein erster Gedanke", sagt Teamkollege Cody Kessel und beginnt dann zu schwärmen: "Das Ergebnis ist einfach so toll geworden. Es ist ein wunderschönes Kunstwerk." Kessels Foto, eine Nahaufnahme von ihm, halb versteckt hinter dem Kopf eines Schimmels, hat Patch für das Titelbild ausgesucht. Jeffrey Jendryk erzählt, er habe gleich fünf Exemplare für Familie und Freunde gekauft. "Es ist einfach wirklich cool, Ben beim Fotografieren in seinem Element zu sehen", ergänzt der Mittelblocker. Sie seien es gewohnt, Volleyball zu spielen, aber eben nicht nur Athleten.

Ein paar der Spieler zeigen im Kalender sogar etwas mehr Haut. "Ich war etwas nervös zu versuchen, Volleyballspieler weich und ästhetisch zu zeigen. Aber sie haben mich total überrascht. Die Stimmung war toll", sagt Benjamin Patch. Das Team habe zwar Witze gemacht, aber am Ende schlüpften alle in die vorgesehenen Outfits, hielten die Leinwand und packten mit an: "Es zeigt einfach, was für Leute wir im Team haben. Du kannst einen Haufen haben, der sich nur beschwert oder Menschen, die Ideen fördern und versuchen, einen Unterschied zu machen."

Bei der Frage nach seinem liebsten Foto muss der Diagonalangreifer nicht lange nachdenken. "Ganz ehrlich, das muss einfach Sergey sein", sagt Patch und beginnt die Kalenderblätter umzuschlagen, bis er bei der Schwarzweißaufnahme im November angekommen ist. "Das ist einfach er. Alle denken, dass er so ernst ist, aber das hier ist wirklich er." Patch deutet auf den lachenden Sergey Grankin und beginnt selbst zu schmunzeln: "Er ist ein richtiger Plagegeist, aber wirklich, wirklich lustig."

Mehr als eine Rückennummer

Patch stört das einheitliche Bild, das meistens von Sportlerinnen und Sportlern gezeichnet wird: Laute Farben, überdrehte Schriftzüge, Gebrüll in die Kamera. "Wir machen immer wieder die gleichen Sachen und um uns herum entwickelt sich alles weiter. Auch der Sport muss sich entwickeln", sagt der 27-Jährige. Die aktuellen Inhalte seien langweilig und wenig ästhetisch. Er hält in der obersten Reihe der Tribüne des Reiterstadions an und klettert auf die vermoosten Sitzschalen, um ein Foto zu machen.

Ich denke, was ein Athlet ist, kann nur vom Athleten selbst bestimmt werden. Das Potenzial aller Menschen, egal ob Athlet oder nicht, ist unendlich.

Benjamin Patch, Diagonalangreifer bei den BR Volleys

"Ich denke, was ein Athlet ist, kann nur vom Athleten selbst bestimmt werden. Das Potenzial aller Menschen, egal ob Athlet oder nicht, ist unendlich." Die Gesellschaft müsse an den Punkt kommen, dass jeder die Chance bekomme, sich selbst zu entdecken und zu überraschen: "Wenn ich dabei in meiner Position als Athlet helfen kann, dann will ich genau das tun."

Die eigene Plattform nutzen

Mit dem Kalender zeigt Patch nicht nur ein anderes Gesicht der Volleys, sondern unterstützt auch den guten Zweck. Der gesamte Erlös geht an die Berliner Stadtmission. "Ich bin wirklich glücklich, dass die Kombination von Kunst und Sport sogar einen sozialen Einfluss haben kann", sagt Patch. Als Sportler sei er in einer privilegierten Position: "Einfach nur Geld zu spenden, weil man es hat, ist eine Möglichkeit. Aber wenn man etwas tun kann, das man spannend findet und auch etwas für die Gemeinschaft tut, finde ich es ehrlicher und wertvoller." Die Aktion kommt bei den Volleys-Fans bisher so gut an, dass der Verein eine zweite Auflage geordert hat. Der Sportler, der mehr als eine Rückennummer ist, bleibt nicht nur eine Idee. Er hat Zukunft.

Sendung: rbb24, 02.02.2022, 18 Uhr

Beitrag von Lynn Kraemer

1 Kommentar

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  1. 1.

    Ich kann mir nicht helfen, aber Volleyballer und Handballer sind mir schon immer irgendwie sympatischer als Fußballer, auch die beiden Sportarten liegen mir einfach näher als der Hype ums Fußball. Fußball kann doch jeder D...

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