Änis Ben-Hatira kehrt zurück in seine Heimat - "Es ist teilweise anstrengender als in der Bundesliga"

Di 08.02.22 | 21:47 Uhr | Von Lukas Witte
BAK-Neuzugang Änis Ben-Hatira beim Spiel gegen den Chemnitzer FC (imago images/Matthias Koch)
Bild: imago images/Matthias Koch

Der Berliner AK bringt Fußball-Prominenz in die Regionalliga. Mit der Verpflichtung von Änis Ben-Hatira kommt ein U21-Europameister, Nationalspieler und hundertfacher Bundesligaprofi. Und einer, der einen langen und steinigen Weg hinter sich hat.

"Ich wurde hart rangenommen! So, wie ich es erwartet habe", erzählt Änis Ben-Hatira nach dem Spiel seines neuen Vereins Berliner AK gegen Chemnitz. Der 33-Jährige wird nicht mit Samthandschuhen angefasst. Ganz im Gegenteil - seine Gegenspieler sind gegen ihn sogar noch motivierter. Denn Ben-Hatira gehört in der Regionalliga Nordost quasi zur Fußball-Prominenz.

2009 wurde er mit der deutschen U21-Nationalmannschaft Europameister, bestritt über 100 Bundesliga-Partien und war tunesischer Nationalspieler. Von 2011 bis 2016 stand der gebürtige Berliner bei Hertha BSC unter Vertrag. Nach vielen verschiedenen Stationen zieht es in nun zurück in die Hauptstadt zum BAK. "Ich will in Berlin mit meinem Namen noch einmal Geschichte schreiben", erzählt er.

Nach dem Bundesliga-Aus wird er zum Weltenbummler

Ben-Hatira ist keine unumstrittene Persönlichkeit. Das vorzeitige Ende seiner Bundesliga-Karriere lag im Januar 2017. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass der offensive Mittelfeldspieler für eine Organisation warb, die von Verfassungsschutzbehörden als salafistisch eingestuft wurde. Sein damalige Arbeitgeber Darmstadt 98 und er trennten sich daraufhin einvernehmlich. "Das war eine schwierige Situation, das braucht man nicht schönzureden", sagt er.

Auf der Suche nach neuem Glück wurde Ben-Hatira zum Weltenbummler und spielte für mehrere Vereine im Ausland. So zog es ihn in die Türkei, nach Tunesien, nach Ungarn und zuletzt nach Griechenland. "Das waren oft auch Stationen, wo ich gar keine andere Wahl hatte. Der ein oder andere Ort hätte mir auch erspart bleiben können", erzählt der 33-Jährige. Trotzdem ist er froh, die Erfahrungen gemacht zu haben: "Im Ausland zu spielen bringt einen immer weiter." Und besonders schwer ist ihm die Eingewöhnung in den fremden Ländern auch nie gefallen. "Ich komme aus Berlin, einer Weltstadt. Deshalb hatte ich nie Anpassungsschwierigkeiten", sagt er.

Ben-Hatira ist im Wedding aufgewachsen und machte seine ersten Fußball-Erfahrungen beim BSC Reinickendorf. Auch ein Großteil seiner Familie wohnt immer noch hier. "Dass ich irgendwann zurückkehre nach Berlin, stand sowieso fest", erzählt er. Doch das er als Spieler für den Berliner AK in der Regionalliga zurückkehren würde, damit hätte er vor ein paar Jahren wohl selbst nicht gerechnet.

Schließlich hatte er zuerst eigentlich einen anderen Plan, doch die ein oder andere Option hatte sich auf den letzten Drücker dann doch nicht ergeben. "Zum Beispiel mit einem Verein aus der 2. Bundesliga", erzählt er. Am Ende entschied er sich aber trotzdem sehr bewusst für den BAK. Denn Auswahl hätte es trotzdem gegeben: "Ich hätte in den asiatischen Raum wechseln können. Auch zu guten Klubs, die sogar in der Champions League spielen. Aber ich wollte nicht mehr so weit weg sein und hatte keine Lust mehr, ins Ausland zu gehen."

Ben-Hatira ist von der Qualität des BAK überzeugt

Also wieder zurück in die Hauptstadt. Und da kam ihm das Angebot vom BAK sehr gelegen. Schon immer hatte er ein bisschen Kontakt zu dem Verein, kannte Spieler aus seiner Jugendzeit in Berlin oder aus dem privaten Umfeld. "Beim BAK gibt es ein Projekt, mit dem ich mich hundertprozentig identifizieren kann", erzählt Ben-Hatira. Und dieses Projekt heißt Aufstieg in die 3. Liga. "Vom Kader und der Qualität her müsste man aufsteigen. Auch dieses Jahr noch", sagt er. Der Offensivspieler ist überzeugt von dem Verein - und von sich: "Wir haben einen neuen Trainer und ich bin neu. Wenn das schon im Sommer alles so gewesen wäre, dann kann ich garantieren, dass wir jetzt auf dem ersten Platz stehen würden mit ein paar Punkten Abstand!"

Der Berliner AK steht derzeit auf Platz vier und hat sieben Punkte Abstand auf den Tabellenersten und Aufstiegsaspiranten BFC Dynamo. Das aufzuholen, wird schwierig werden, das weiß Ben-Hatira. Er will trotzdem alles dafür geben: "Ich habe hier ein Ziel und eine Vision mit dem Verein. Und das wird man auch spüren!" Er fühlt sich wohl bei seinem neuen Klub und wurde gut aufgenommen. An die Regionalliga muss er sich allerdings erstmal gewöhnen: "Für mich ist das auch alles neues Territorium. Es ist teilweiser anstrengender als in der Bundesliga zu spielen. Wegen der Bedingungen, der Plätze, der Härte und auch den Schiedsrichtern."

Hertha geht ihm nicht aus dem Kopf

Vorerst bis zum Sommer hat Änis Ben-Hatira einen Vertrag beim Regionalligisten. Dann wird feststehen, ob ihm das ambitionierte Ziel des Aufstiegs noch gelungen ist. Doch unabhängig davon ist für ihn auch noch nicht ganz sicher, ob er dann auch in der kommenden Saison im Poststadion auflaufen wird: "Man weiß nie, was morgen passieren wird. Aber wenn jetzt nichts Reizvolleres kommt, dann will ich hier schon was aufbauen."

Fußballspielen will er auf jeden Fall noch ein bisschen. Aber nur so lange, wie er auch ein Ziel hätte, für das er spielen würde, sagt er. "Bevor ich Fußball spiele, einfach nur um Fußball zu spielen, höre ich lieber auf." Und was dann? Ben-Hatira will dem Sport verbunden bleiben, in welcher Form auch immer. Egal ob Trainer, Betreuer oder Manger. "Was einem dann wirklich gefällt merkt man erst, wenn man es macht", sagt er. Doch eine Sache hat er auch über die ganzen Jahre nie aus dem Kopf bekommen: "Der Traum, zu Hertha zurückzukehren, ist immer da. Egal mit welchem Job."

Sendung: Inforadio, 10.02.2022, 12.15 Uhr

Beitrag von Lukas Witte

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