Hertha BSC vor dem Spiel in Fürth - Korkut: "Die Tabelle interessiert mich nicht"

Do 10.02.22 | 22:28 Uhr | Von Astrid Kretschmer
  2
Hertha-Trainer Tayfun Korkut (imago images/Taeger)
Audio: Inforadio | 11.02.2022 | A. Kretschmer | Bild: imago images/Taeger

Nach dem 1:1 gegen den VfL Bochum steht Hertha vor einem weiteren, wegweisenden Spiel: dem Auftritt beim Tabellenletzten Greuther Fürth. Dabei reisen die Berliner mit Personalsorgen in der Abwehr nach Franken. Von Astrid Kretschmer

Das Personal

Es geht manchmal ganz schnell. Vorige Woche im Heimspiel gegen Bochum konnte Trainer Tayfun Korkut noch aus dem Vollen schöpfen, hatte personell noch die Qual der Wahl. Vor dem so wichtigen Spiel in Fürth verschärft ein Coronafall die Abwehrsorgen bei den Berlinern. Neben Dedryck Boyata und Marton Dardai wird mit Marc Oliver Kempf nach einer Corona-Infektion auch der dritte Innenverteidiger am Samstag ausfallen.

"Wir haben uns auf Marcs Ausfall vorbereitet", sagte Korkut am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor der Partie, er könnte am Samstag aber noch freigetestet werden. Allerdings entscheide das Befinden der Neuverpflichtung darüber, ob es überhaupt Sinn macht, den zum neuen Abwehrchef auserkorenen Kempf am Spieltag noch nachkommen zu lassen. Wenn der 27-jährige ausfällt, soll der Jungprofi Linus Gechter dessen Position in der Abwehrzentrale neben Niklas Stark übernehmen. "Wir haben überhaupt keine Probleme, ihn reinzuschmeißen", sagte Korkut über den 17-Jährigen.

Gechter hingegen darf nichts passieren, sonst stünde kein gelernter zentraler Abwehrspieler mehr bereit. Korkut jedoch gibt sich gelassen. Zum Abschied rief er den Journalisten nach der PK zu: "Der Kleine packt das – ihr werdet sehen." Unter der Woche hat der Hertha-Cheftrainer im Mannschaftstraining aber auch Außenverteidiger Marvin Plattenhardt sowie Mittelfeldspieler Lucas Tousart in der Innenverteidigung spielen lassen.

Es fehlen: Rune Jarstein (Aufbau nach Knie-OP), Oliver Christensen (Oberschenkelprobleme), Nils Körber (Knieprellung) Kelian Nsona (Kreuzbandriss), Dedryck Boyata (Bänderverletzung), Marton Dardai (Sprunggelenksverletzung), Kevin-Prince Boateng (Magen-Darm Grippe)

Die Form

Tayfun Korkut bleibt vor seinem neunten Ligaspiel als Hertha-Trainer vorsichtig. Zum einen wohl , weil die eigene Mannschaft ihn nach guten Leistungen immer wieder negativ überrascht. Die sehr gute erste Halbzeit und die enttäuschend schlechte zweite Halbzeit zuletzt beim Unentschieden gegen Bochum stehen exemplarisch dafür.

Unabhängig vom Personal ist Korkut zuversichtlich, dass sein Team in Fürth "mit sehr viel Elan und sehr viel Intensität auftreten" wird. Das wird auch beim abgeschlagenen Schlusslicht notwendig sein, so Korkut. "Die Tabelle interessiert mich nicht", sagte der Hertha-Trainer mit Nachdruck. Fürth sei etwa auch in Wolfsburg trotz des deutlichen 1:4 nicht so viel schlechter als der VfL gewesen, so Korkut. Die Franken hätten es "geschafft, sich dem Tempo und der Bundesliga anzupassen". Das mache das Spiel gefährlich. Klar ist: Für Hertha geht es um jeden Punkt. Die Berliner stehen in der Tabelle nur einen Zähler vor dem Relegationsplatz. Fürth ist wieder einmal so eine Art "psychologisches Endspiel".

Der Gegner

Für die Mittelfranken um Coach Stefan Leitl wird der Klassenerhalt dagegen angesichts von nun zwölf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz zum immer unrealistischeren Unterfangen. Allerdings hatte sich Fürth zuletzt stabilisiert und zeigte auch trotz der 1:4-Niederlage in Wolfsburg, dass sie weiter an ihre Chancen in der Liga glauben. Zumindest bewiesen die Fürther zuletzt gerade im eigenen Stadion deutlich aufsteigende Form.

Im Sportpark Ronhof ist man seit vier Spielen ungeschlagen und stellte damit einen neuen Vereinsrekord auf. Mit Union Berlin und Mainz wurden dabei zwei starke Gegner geschlagen, gegen Augsburg und Stuttgart gab es Remis. Rekordverdächtig ist allerdings auch, dass Fürth in dieser Saison bisher die meisten Gegentore (56) kassierte. Ihren Anteil daran haben die Torhüter. Bei der SpVgg standen bisher der zuletzt gegen Wolfsburg patzende Ex-Herthaner Sascha Burchert oder Marius Funk zwischen den Pfosten. Gegen Hertha könnte mit dem Wintertransfer aus Norwegen - Andreas Linde - ein neuer Hoffnungsträger im Tor sein Bundesliga-Debüt geben.

Herthaner im Fokus

Hertha BSC hat mit 43 Gegentoren die zweitschlechteste Abwehr der Liga. Das nagt auch an Torwart Alexander Schwolow. Die Patzer häufen sich. Erst gegen Köln und Bayern, zuletzt im Spiel gegen den VfL Bochum. Das kostet wichtige Punkte für den Ligaverbleib. Schwolow steht über die Saison gesehen mit lediglich 61 Prozent parierten Bällen nicht sonderlich gut da. Zum Vergleich: Freiburgs Mark Flekken, der Spitzenreiter in dieser Kategorie, kommt auf 80,5 Prozent. Und auch wenn das Torwartproblem nicht die einzige Berliner Baustelle ist — in einer Phase, in der die Mannschaft selbst auch weiter nach Stabilität sucht, braucht es Rückhalt. Und das vor allem im Tor.

Auch mangels Alternativen wird in Fürth wieder Alexander Schwolow im Tor stehen. Trainer Korkut hat Herthas Keeper Nummer eins in der bisherigen Trainingswoche bewusst nicht auf seine Fehler angesprochen. Schwolow habe die Erfahrung und Selbstkritik, um sich selbst wieder auf das nächste Spiel vorzubereiten, so Korkut. Er als Trainer werde nicht eingreifen: "Ich bin jemand, der den Spielern ab und zu die Ruhe gibt, selbst nachzudenken." Ob Schwolow wieder der erhoffte Rückhalt sein kann, da mache er sich keine Sorgen. "Ich bin sicher, dass wir am Wochenende ein gutes Spiel von Alex sehen werden."

Besonderheiten

Auch in Fürth werden aufgrund der neuen Reglungen wieder Fans im Stadion sein. Im Sportpark Ronhof werden knapp 9.000 Zuschauer zugelassen. Des einen Freud, des anderen Leid. Für Trainer Tayfun Korkut ergibt sich eher ein Nachteil für seine Mannschaft. "Zuschauer werden da sein, kleines Stadion, von daher ... Ich habe da selbst schon zu meiner Zeit in Kaiserslautern gespielt, kenne von daher die Atmosphäre dort – wir werden gefordert sein – mit Sicherheit."

Dabei gibt es schlechtere Omen: Tayfun Korkut hat sein einziges Duell gegen Greuther Fürth gewonnen: Am elften Spieltag der Zweitliga-Saison 2016/17 mit dem 1. FC Kaiserslautern, auswärts mit 1:0 .

Sendung: rbb24, 10.02.2022, 22 Uhr

Beitrag von Astrid Kretschmer

2 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 2.

    Das Interesse an Hertha sinkt bedenklich

  2. 1.

    "Schwolow spielt auch mangels Alternativen...."
    Ein Trainingsdummy wäre eine...

Nächster Artikel