SV Tasmania Berlin in der Regionalliga - Neuer Trainer, altes Stadionleid

Fr 25.02.22 | 10:24 Uhr | Von Lukas Witte, Fabian Friedmann
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Fans von Tasmania Berlin im Stadion Lichterfelde. (Bild: imago/Matthias Koch)
Bild: imago/Matthias Koch

Nach einer sportlichen Talfahrt stand Tasmania Berlin vergangene Woche plötzlich ohne Trainer da. Der neue, Thomas Franke, setzt auf frisches Selbstbewusstsein seiner Spieler, wenn da nur nicht die ungeklärte Stadionfrage wäre. Von Lukas Witte & Fabian Friedmann

UPDATE: Das Spiel gegen Jena wurde auf März verschoben. Der Fußball-Regionalligist aus Thüringen hat wegen mehreren Corona-Fällen in der Mannschaft um eine Verlegung des Spiels beim Nordostdeutschen Fußballverband gebeten. Die Partie soll am 22. März 2022 in Berlin nachgeholt werden.

Zuletzt war Trübsal blasen angesagt bei Fußball-Regionalligist SV Tasmania. Rein sportlich steht aktuell eine desaströse Bilanz für den Traditionsverein aus Neukölln zu Buche: Zehn Niederlagen in Folge, 13 Spiele ohne Sieg. Einen "Dreier" holte man in der Regionalliga-Nordost zuletzt vor vier Monaten gegen Energie Cottbus (2:1). Dem Trainergespann Abu Njie und Co-Trainer Momar Njie war dieser sportliche Negativlauf offensichtlich zu viel geworden. Aufgrund der "sportlichen Gesamtsituation und aus persönlichen und beruflichen Gründen" traten beide vergangene Woche mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern zurück.

"Abu wirkte extrem angeschlagen", erklärt der 1. Vorsitzende von Tasmania, Almir Numic, den unterm Strich doch überraschenden Rückzug seines Trainers. Numic versichert aber: "Abu Nije hatte immer unsere volle Rückendeckung", auch wenn es sportlich zuletzt nicht mehr lief. Man habe nie darüber nachgedacht Nije zu entlassen, aber "wir haben die Entscheidung angenommen, um vielleicht jetzt auch einen neuen Impuls setzen zu können", so Numic. Bereits einen Tag später fand man mit Thomas Franke einen Nachfolger für die Position des Cheftrainers.

Franke wollte bei dieser Chance sofort zupacken

Für Franke ist Tasmania seine erste Trainerstation im Senioren-Bereich. Der gebürtige Cottbuser blickt auf eine ansprechende Karriere als Spieler zurück, stand unter anderem in Diensten von Energie Cottbus, Dynamo Dresden und Viktoria Berlin. Zuletzt agierte er als Jugendkoordinator von Tennis Borussia. So kam auch der Kontakt zu Stande, erzählt Almir Numic. Ein Tas-Jugendtrainer, der mit Franke zu tun hatte, brachte den Vorsitzenden auf die Idee, Franke als Coach zu verpflichten. Nach einem Telefonat war der 34-Jährige sehr angetan von der Idee. "Mein erster Gedanke war: So eine Chance? Da musste ich zupacken", sagt Franke. Und so einigte man sich schnell auf einen Vertrag.

Bereits drei Tage später kam es zur Premiere des Trainers in Rathenow. Gegen Optik, den direkten Konkurrenten um den Abstieg, verlor man jedoch mit 0:2. "Wir haben das Spiel gut analysiert und jetzt heißt es weitermachen", sagt Franke und stellt gleich den wichtigsten Punkt seiner Arbeit in den Vordergrund: "Wir wollen den Jungs Selbstvertrauen geben." In der zweiten Hälfte gegen Optik war dies bereits spürbar, da sei man laut Franke die deutliche aktivere Mannschaft gewesen. Was noch fehlt, ist die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Tasmania erzielte in den ersten vier Regionalliga-Spielen nach der Winterpause kein eigenes Tor, verlor dabei viermal zu null. Bei der Offensivschwäche gilt es für den neuen Trainer anzusetzen.

Thomas Franke im Trikot von Viktoria Berlin. (Bild: imago/Björn Draws)Der neue Trainer des SV Tasmania: Thomas Franke.

Franke: "Auch ein Gegner wie Jena ist zu schlagen"

Taktisch geht es Thomas Franke um die richtige Mischung zwischen Offensivfußball und kompakter Verteidigung: "Ich möchte eine Mannschaft, die offensiv spielt, die aber auch als Verbund im Block verteidigt. Denn es bringt nichts, schön zu spielen, wenn wir immer verlieren." Durch gewonnenes Selbstvertrauen wird das mit dem Siegen auch wieder klappen, weiß Franke. Mit Carl-Zeiss Jena wartet am Sonntag (13 Uhr) aber ein sehr ambitionierter Gegner auf seine Schützlinge. Doch der neue Trainer gibt schon jetzt die Marschrichtung vor: "Wenn die Jungs an sich glauben, ist auch ein Gegner wie Jena zu schlagen."

Franke ist nicht nur auf den ersten Blick eine gute Lösung für den Verein. Zwar setzt man mit ihm auf einen kompletten Neuling, man bekommt aber im Paket einen unverbrauchten Trainer und dazu einen erfahrenen Ex-Spieler, der die Regionalliga aus dem Effeff kennt, zuletzt noch als Akteur von Tennis Borussia. Aktuell arbeitet der Trainer Franke noch an dem Erwerb der A-Lizenz als Coach. Doch Pläne für die Zukunft hat er bereits: "Ich will so weit nach oben kommen, wie es geht", wobei der 34-Jährige auch weiß, dass dies nicht immer planbar ist. Wichtig sei ihm und seiner Familie vorerst in der Region zu bleiben.

Die schwierige Stadionsituation

Und selbst wenn Tasmanias neuer Übungsleiter das anvisierte Ziel Klassenerhalt nicht schaffen sollte, wäre das kein "Weltuntergang" für den Verein, sagt Tasmanias Vorsitzender Almir Numic. Viel wichtiger sei ihm, wieder ein guter Ausbildungsverein zu werden, um junge Spieler aus der Nachwuchsabteilung an die 1. Männer heranzuführen. Ohnehin ist ihm die Jugendabteilung mit ihren 34 Mannschaften ein großes Anliegen. "Wir merken jetzt, dass wir sehr viel Zulauf haben", sagt Numic. Dafür brauche man aber auch mehr Plätze. Hier sei der Bezirk gefordert, aber das sei alles nicht so einfach.

Ebenfalls schwierig gestaltet sich für den Verein weiterhin die Stadionsituation. Der Neuköllner Klub muss seine Heimspiele nach wie vor im Stadion Lichterfelde austragen. Um die eigene Heimstätte, den Werner-Seelenbinder-Sportpark an der Oderstraße, fit für die Regionalliga zu bekommen, braucht es einen abgezäunten Gästebereich und zusätzlich einen neuen Gästeeingang. Allein dadurch könnte man eine Genehmigung für eine Spielzeit in der Regionalliga erhalten. Im weiteren Verlauf müssten das Flutlicht und die Überdachung für ein Tribüne hinzukommen.

Vele Fans verloren, die nicht nach Lichterfelde fahren wollen

Der Bezirk hatte Tasmania seine Unterstützung für den Umbau zugesichert, "aber es dauert alles sehr lange", sagt Numic. Man warte nach wie vor auf einen Stadionplaner des Bezirks, der sich des Projekts annehme. Der Verein hätte auch aus eigener Kraft – sowohl personell als auch finanziell – die Bauarbeiten voranbringen können, doch das lehnte das zuständige Bezirksamt auf Anfrage ab. "Nicht nachvollziehbar" nennt Numic das und betont, wie wichtig die eigene Heimspielstätte für den Verein in der Regionalliga wäre.

Denn nach wie vor habe der Klub sich nicht an das Stadion Lichterfelde gewöhnen können. "Wir haben sehr viele Fans verloren, die sagen, dass sie dort nicht hinfahren", sagt Numic. Tasmania sei eben ein Neuköllner Verein und sehr eng mit dem Kiez verbunden. Doch das sei laut Numic in der Regionalliga immer mehr verloren gegangen. Es ist an der Zeit, dass sich das wieder ändert.

Sendung: rbbUM6, 24.02.2022, 18 Uhr

Beitrag von Lukas Witte, Fabian Friedmann

3 Kommentare

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  1. 3.

    Ich bin mir sehr sicher, dass die Fans von Tasmania ihren finanziellen Beitrag zum Ausbau des Seelenbinder-Sportparks dazugäben - ich wäre dabei. Schließlich ist und bleibt das unser Zuhause. Und: es wären sicher vier / fünf Punkte mehr auf dem Konto. Also Bezirk Neukölln: macht endlich mit. Auch wären mehr Fans bei den Spielen, gerade vielen Spieler aus den eigenen Jugend-Mannschaften.

  2. 2.

    Das Spiel gegen Jena wurde bereits gestern!!!!!! abgesagt...........

  3. 1.

    Auch wenn man es ihnen gönnen würde, ob der Bezirk bei derart prekären Verhältnissen Geld für einen Stadionsumbau aufbringen kann, ist fraglich.

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