Turnier der Meister in Cottbus kehrt zurück - Große Vorfreude und ein mulmiges Gefühl

Mi 23.02.22 | 13:02 Uhr | Von Andreas Friebel
Lisa Zimmermann (GER) springt am Sprungtisch 44. Turnier der Meister Cottbus. (Bild: imago/Eibner)
Audio: Inforadio | 24.02.2022 | Andreas Friebel | Bild: imago/Eibner

Nach 821 Tagen Corona-Zwangspause kehrt das Turnier der Meister in Cottbus zurück. Vom 24. bis 27. Februar 2022 steigt in der Lausitz-Arena die 45. Auflage des Weltcup-Turniers. Kleiner als sonst, aber mit ambitionierten Athleten. Von Andreas Friedel

Zwei Mal machte Corona dem Turnier der Meister einen dicken Strich durch die Rechnung. 2020 und 2021 musste die größte Cottbuser Sportveranstaltung abgesagt werden. Corona ist zwar immer noch nicht weg, aber ein drittes Mal wollten sich die Veranstalter dem Virus nicht beugen. Und so startet am Donnerstag der Turnweltcup zwar mit einigen Einschränkungen - Zuschauer dürfen zum Beispiel nicht dabei sein - aber immerhin findet das Turnier wieder statt.

Auf Zuschauer müssen die Turner verzichten

Turnier-Direktor Mirko Wohlfahrt gibt offen zu, dass ihm ganz wohl nicht dabei sei, in diesen Tagen Gäste aus der ganzen Welt in Cottbus zu begrüßen. Immerhin sind es knapp 300 Sportler und Betreuer, die zum Beispiel aus Neuseeland, den USA oder Thailand anreisen. Doch ein drittes Mal diesen traditionsreichen Wettkampf abzusagen, habe er nicht gewollt. "Wir haben mit 32 Nationen einen sehr ordentlichen Zuspruch. Natürlich keine Rekordbeteiligung, die ich unter normalen Bedingungen erwartet hätte, aber wir sind froh, dass es ein kleines und feines Turnier wird", sagt Wohlfahrt.

Zum Vergleich: Etwa 500 Aktive und Trainer kamen in der Vor-Corona-Zeit nach Cottbus. Jetzt sind es also deutlich weniger. Der Aufwand ist aber trotzdem enorm: Alle müssen sich jeden Tag testen. Das gilt auch für die etwa 200 ehrenamtlichen Helfer, die sich um die Abwicklung des Turn-Weltcups kümmern. Noch größer wäre der Aufwand gewesen, hätte Turnier-Direktor Mirko Wohlfahrt Zuschauer zugelassen. Doch auf die verzichte man in diesem Jahr, auch weil Sponsoren und Politik dabei helfen würden, Verluste auszugleichen.

Fördermittel sollen die Verluste gering halten

"Wir sind dankbar über die Fördermittelgeber von Bund, Land und auch der Stadt Cottbus, die uns glücklicherweise den Rücken freihalten an dieser Stelle. Und ich gehe davon aus, dass wir dieses Turnier mit einem Ergebnis abschließen, welches nicht unbedingt ganz tiefrot sein wird", erklärt Wohlfahrt. Die Kosten der viertägigen Veranstaltung in der Lausitz-Arena belaufen sich dabei auf etwa 550.000 Euro.

Cottbus ist der erste von insgesamt vier Turn-Weltcups in diesem Jahr, bei dem Qualifikationspunkte für die Weltmeisterschaft im Herbst vergeben werden. Trotzdem fällt auf, dass das Turnier diesmal etwas weniger hochklassig besetzt ist als zuletzt.

Olympiasieger und Weltmeister gemeldet

Was zum einen daran liegt, dass einige Topstars in Zeiten von Corona lieber zuhause bleiben. Zum anderen befinden sich nach den Olympischen Spielen von Tokio einige Nationalteams in einer Umbruchphase. Turnier-Direktor Mirko Wohlfahrt sagt, dass in Cottbus vor allem jungen Athleten eine Chance gegeben werden soll, um sich für die olympischen Sommerspiele 2024 in Paris zu wappnen.

Angeführt wird die Meldeliste von Artem Dolgopyat aus Israel, der bei den Olympischen Spielen in Tokio die Goldmedaille am Boden gewann. Mit dem US-Amerikaner Stephen Nedoroscik (2021 Pauschenpferd) und dem Türken Ibrahim Colak (2019 Ringe) stehen auch zwei Weltmeister auf der Liste des internationalen Turn-Verbandes FIG.

Deutsche Hoffnungen ruhen auf Lokalmatador Tom Schultze

Die Hoffnungen der Gastgeber ruhen nach Jahren der turnerischen Abstinenz auf Lokalmatador Tom Schultze. Der letzte Erfolg eines heimischen Athleten liegt inzwischen zehn Jahre zurück, 2012 siegte Philipp Boy am Reck. Schultze war da noch Schilder-Kind, diesmal will er seinem Vorbild nacheifern und hat an Ringe und Sprung die Möglichkeit, ins Finale der Top-8 einzuziehen.

Neben Schultze schickt der neue Cheftrainer Valeri Belenki, der 1994 selber dreimal beim Turnier der Meister siegte, überwiegend weitere Nachwuchshoffnungen ins Rennen. Bei den Frauen sagte Ex-Weltmeisterin Pauline Schäfer-Betz aus Chemnitz verletzt ab.

Der Weg nach Paris zu den Olympischen Spielen führt bis dahin alljährlich über Cottbus. Bis 2024 hat der Weltverband das Turnier der Meister in seinen Wettkampfkalender fest aufgenommen. Im kommenden Jahr dann aber hoffentlich wieder mit Rekordbeteiligung und Zuschauern.

Sendung: rbbUM6, 23.02.2022, 18 Uhr

Beitrag von Andreas Friebel

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