DFB-Pokal 2000/01 - Als Union das Viertelfinale überstand

Di 01.03.22 | 06:12 Uhr | Von Jonas Schützeberg
Union-Viertelfinale-Pokal-2000
Bild: imago images/Contrast

Die gesamte Pokalsaison war ein einziges Unioner Märchen, ein beeindruckender Weg der Eisernen bis ins Finale im Olympiastadion. Diese Geschichte schreibt viele Kapital, so auch das vom 20. Dezember 2000 gegen den VfL Bochum. Von Jonas Schützeberg

Es war irgendwann im Dezember kurz vor Weihnachten. Kalt war es im Stadion - vor 21 Jahren. Doch unvergessen bleibt das Meer aus Wunderkerzen. Gut 11.000 Zuschauer wurden Zeuge einer Sensation, denn Union Berlin hatte es tatsächlich geschafft. Gegen einen Bundesligisten waren die Berliner zum ersten Mal in ihrer Geschichte ins Halbfinale des DFB-Pokals eingezogen.

"Das Spiel war aus und ich bin zu den Fans hingerannt. Die Unterstützung war einfach fanstastisch und irgendeiner hat mir die Fahne in die Hand gedrückt", erinnert sich Torschütze Daniel Ernemann, der damals die rot-weiße Union Flagge auf dem Rasen schwenkte. Die Eisernen hatten 1:0 gegen den VfL Bochum gewonnens. "Danach war alles eine riesige Euphorie. Wir haben uns super gefühlt", schwärmt Ronny Nikol, ehemaliger Union-Spieler.

Sportlicher Vorbericht

Ein Außenseiter schockt die Favoriten

Union spielte in der Saison 2000/01 in der Regionalliga Nordost und hatte im Jahr zuvor den Aufstieg denkbar knapp verpasst. Die Berliner waren der krasse Außenseiter, wie auch schon im gesamten Pokal-Wettbewerb. Als Drittligist hatten sie ständig Heimspiele, sicherlich war das ein nicht zu unterschätzender Vorteil, denn die Fan-Atmosphäre in der Alten Försterei ist seit jeher eine besondere.

"Die haben natürlich Alarm gemacht und die Spieler gepusht", beschreibt Mike Rietpietsch den Abend. Er stand damals im Bochumer Trikot auf dem Platz. "Es war ein Drecksspiel, es war kalt. Der Platz war nicht der Beste und da war mit schön spielen nicht viel. Wir hatten früh große Chancen, die wir nicht nutzen konnten."

Doch das war bei Weitem nicht alles, bschreibt der ehemalige Stadionsprecher André Rolle: "Auf einmal hatten wir Pyrotechnik im Stadion. Dieses verpöhnte Element des Fußballs war auf einmal auch bei uns präsent."

"Dieser Zauber von Flutlichtspielen"

Doch etwas anderes ließ das Stadion an diesem Abend in besonderem Glanz erstrahlen, erinnert sich Sebastian Fiebrig, Union-Fan aus Kindertagen, der in jener Sasion kein Pokalspiel seiner Mannschaft verpasste: "Jeder, der schon mal zur Alten Försterein durch den Wald gelaufen ist, kennt das heute. Aber damals war dieser Zauber von Flutlichtspielen etwas ganz Außergewöhnliches."

Und das nicht nur für die Fans: "Das war ein Highlight für uns. Ich glaube, jeder Fußballer spielt gerne mal abends unter Flutlicht. Das ist eine besondere Athmosphäre. Es macht nochmal mehr Spaß", sagt Ronny Nikol. Die Lichtmasten waren neu gebaut worden, die Vorraussetzung für ein Zweitliga-taugliches Stadion.

Ein Geistesblitz des Trainers

Bochum war in diesem Spiel ursprünglich in Führung gegangen. Aufgrund einer Abseitssitiation wurde der Treffer jedoch nicht gezählt. Die Minuten vergingen, es stand 0:0 und das Spiel wurde nervöser. "Als Drittligist wilst du es dem Erstligisten so schwer wie möglich machen", sagt Ernemann. "Je länger das Unentschieden steht, desto leichter geht der Weg in die richtige Richtung. Das haben wir gespürt. Die sind irgendwie ungeduldig geworden."

Das musste auch der Gegner erfahren: "Es sind genau die Spiele, bei denen sich unterklassige Vereine extrem pushen können. Union hat immer mehr Oberwasser bekommen und wir wahrscheinlich immer mehr die Hosen voll", erklärt Mike Rietpietsch.

Die Nachspielzeit hatte schon begonnen und Union bekam einen Freistoß - gut 30 Meter vom Tor entfernt. Die reguläre Spielzeit war fast vorbei, es hätte die letzte Aktion sein können. Eine Situation, in der Unions Trainer Georgi Wasilew etwas riskierte und den eigentlichen Verteidiger Daniel Ernemann nach vorn schickte.

Ernemann ebnet den Weg ins Pokal-Finale

"Eigentlich sollte ich ja hinten as 0:0 absichern, aber dann wurde der Ball kurz nach rechts gespielt und in die Mitte geschlagen", erinnert sich Ernemann, "Ich hatte halt Glück, stand an der richtigen Stelle und habe das Tor getroffen. Dann war er eben drin."

Es war am Ende einer von vielen kleinen Schritten, die von Spiel zu Spiel immer größer werden sollten, bis zum Finale im Olympiastadion. Ein Weg, der auch in dieser Saison wieder denkbar ist, denn die großen Top-Vereine sind bereits aus dem Pokal ausgeschieden.

Zum dritten Mal steht Union in einem Viertelfinale dieses Wettbewerbes. 10.000 Fans werden gegen St.Pauli im Stadion sein, ähnlich wie vor 21 Jahren. Mal schauen, wer am Dienstag Fahne schwenkend über den Rasen der Alten Försterei rennen wird.

Sendung: rbb24, 01.03.2022, 18 Uhr

Beitrag von Jonas Schützeberg

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