Frauen-Football - Taktik und Tackles beim Ladiesbowl

Di 08.03.22 | 18:56 Uhr | Von Shea Westhoff
Frauenfootball
Audio: Inforadio | Abseits | 06.03.2022 | Matthias Gindorf | Bild: AFVD

Football sei zu hart für Frauen, hieß es. Dabei folgt der Sport für Frauen derselben Logik wie für Männer. In Brandenburg und Berlin formierten sich zuletzt neue Teams. Noch sind die Strukturen im Aufbau. Für Einsteigerinnen ist die Gelegenheit darum günstig.

2019 sorgte Carli Lloyd für Wirbel in der Sportwelt. Die US-Fußballerin erzielte im Rahmen eines öffentlichkeitswirksamen Trainings beim Football-Männerteam Philadelphia Eagles mit einem Wahnsinns-Kick ein Field Goal aus 55 Yards - 50 Metern. Gerüchte kamen auf, ob die zweifache Weltfußballerin nicht das Zeug hätte für die NFL, sogar von einem konkreten Angebot war die Rede [si.com].

"Der Ball ist das wichtigste"

Eine Frau und die ruppige Welt des Footballs - was sich letztlich nicht bewahrheiten sollte, machte zwischenzeitlich enorme Schlagzeilen. In der Aufregung ging dabei etwas unter, dass der Football-Sport bereits über eine eigene weibliche Sparte verfügt, die längst regen Zulauf genießt - in den USA genauso wie mittlerweile auch in Deutschland.

"Der Ball ist im Spiel, das ist das wichtigste", sagt Madleen Wilder, Football-Spielerin bei den Beelitz Blue Eagles. Wie Lloyd kommt auch die Brandenburgerin vom Fußball, war einst Abwehrspielerin bei Turbine Potsdam und gewann mit der Nationalmannschaft 2001 gar die Europameisterschaft. "Ohne Ball geht nix bei mir", sagt sie. Dieser ist im Frauen-Football etwas kleiner als bei den Männern, das Feld ist allerdings genauso lang: 100 Yards.

Als Wilder, 41 Jahre alt, hörte, dass in Beelitz eine Football-Sparte gegründet werden soll, wollte sie es direkt ausprobieren. "Ich bin sehr neugierig, ich möchte mal an meine Grenzen gehen – vielleicht ist das ja so ein Sport." Football erachtet sie als "extrem taktisch", doch vom Fußball her könne sie das einfacher nachvollziehen, sagt sie.

Für Neu-Klubs ist die Gelegenheit günstig

2016 hatte der Klub SG Blau-Weiß Beelitz seine Football-Sparte zunächst nur für Männer eröffnet. Im vergangenen November folgte eine Frauenabteilung. Nach Einladung über die sozialen Medien konnte der Klub bislang 17 Spielerinnen fest gewinnen, viele aus dem Fußball. "Der Zulauf ist immer noch sehr gut", sagt Trainer Julian Krus. Trotzdem bietet ein 17er-Kader nicht genug Tiefe, um beim für Football üblichen elf gegen elf bestehen zu können. Eine Herausforderung, der sich mehrere Frauenteams gegenübersehen. Deswegen gibt es in der zweiten Liga das sogenannte 9er-Tackle, also neun gegen neun.

Die Frauenfootball-Strukturen sind also noch im Aufbau, doch für Neu-Klubs wie die Beelitz Blue Eagles ist die Gelegenheit günstig: Sie starten in der zweiten Bundesliga, weil es in Deutschland schlicht noch recht wenige Frauenteams gibt. Bei einer erfolgreichen Premieren-Saison würden den Beelitzerinnen in der übernächsten Spielzeit bereits die 1. Bundesliga winken. Das sei "gut möglich", sagt Krus und lacht. “Man weiß ja nie.”

Im Frauenfootball-Oberhaus dominieren seit Jahren die Berlin Kobra Ladies. Zwölf Meisterschaften feierten die Hauptstädterinnen bislang, zuletzt fünf in Folge. Beim letzten Finale, dem sogenannten "Ladiesbowl", waren im Stadion von Wilmersdorf mehr als 1.200 Fans dabei. Rund 50 Spielerinnen sind bei den Kobras gelistet, es ist der größte Kader im Frauenfootball.

Spaß durch Technik und Taktik

Einst habe es geheißen, Football sei zu hart für Frauen, berichtet Marco Meyer, Headcoach der Kobras. Dabei folge der Sport für Frauen der gleichen Logik wie für Männer: "In der Line braucht man die Kraft und die Masse", sagt er. "Und dann gibt es das Handling mit dem Ball, da muss man schnell sein, muss das Gefühl für den Ball haben haben." Wenn Spielerinnen neu zum Football stoßen, herrsche oft noch Vorsicht und Zurückhaltung vor, sagt er. Aber sobald Taktik und Technik dazukommen, komme schnell der Spaß hinzu.

Antonia Wustrau gefällt vor allem die Geschlossenheit der Mannschaft. "Man muss sich gegenseitig unterstützen und sich aufeinander verlassen", sagt die Football-Spielerin, die als Wide Receiver für die Touchdowns zuständig ist. "Und das bringt viel Teamgeist mit sich, man pusht sich gegenseitig." Für sie ist es der perfekte Ausgleich zu ihrem "einfachen Bürojob", wie sie sagt.

Ein Pflichtspiel hat sie allerdings noch nie bestritten. Seit dem Vorjahr ist sie bei den Kobras aktiv, doch wegen der Corona-Pandemie hat es seit zwei Jahren keine Pflicht-Partie mehr gegeben. Ihre Premiere auf dem Platz steht noch bevor, im Juni soll die neue Spiezeit der Football-Damenbundesliga beginnen. "Ich werde auf jeden Fall super aufgeregt sein, und trotzdem versuchen, das Beste aus mir rauszuholen", sagt sie.

Ein Football-Pflichtspiel in der höchsten Liga – ein Erlebnis, das selbst US-Weltfußballerin Carli Lloyd für sich noch nicht verbuchen konnte.

Der Artikel entstand aus dem zur Verfügung gestellten Material von Matthias Gindorf.

Sendung: Inforadio, 06.03.2022, 18 Uhr

Beitrag von Shea Westhoff

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