Analyse | Neuer Trainer Felix Magath - Kann "Quälix" Hertha retten?

Mo 14.03.22 | 15:07 Uhr | Von Till Oppermann
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Der neue Hertha-Trainer Felix Magath gemeinsam mit Geschäftsführer Fredi Bobic (imago images/Matthias Koch)
Audio: Inforadio | 14.03.2022 | Lars Becker | Bild: imago images/Matthias Koch

Herthas zweite Neubesetzung des Trainerpostens in dieser Saison war eine Überraschung. Felix Magath soll die Berliner vor dem Abstieg retten. Er steht für hartes Training und hält wenig von Taktik. Seine letzten Erfolge liegen lange zurück. Von Till Oppermann

Eines muss man Hertha-Geschäftsführer Fredi Bobic lassen: Während Mitteilungen über Neubesetzungen des Trainerpostens unter seinem Vorgänger Michael Preetz teilweise schneller den Weg in die Berliner Boulevardpresse fanden als zu den geschassten Mitarbeitern, sind die Entscheidungen Bobics selbst für profunde Kenner des Vereins überraschend.

Nachdem er im November Vereinslegende Pal Dardai überraschend durch seinen Kumpel Tayfun Korkut ersetzte, verpasste er selbst den leidgeprüften Anhängern am Sonntagabend einen Schock. Der 68-jährige Felix Magath soll Hertha BSC vor dem drohenden Abstieg retten. Kann das gut gehen?

Große Erfolge und bittere Entlassungen

"Die Vita von Felix Magath spricht für sich", sagt Fredi Bobic. Als Spieler gewann Magath Meisterschaften und Europapokale, wurde mit der Nationalmannschaft Europa- und Vizeweltmeister. Bis heute ist Magath der einzige Trainer, dem es gelang, das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal in der folgenden Saison zu verteidigen. Den VfL Wolfsburg führte er zu seiner einzigen Meisterschaft. Das war 2009 - und gemessen an den Zielsetzungen seiner folgenden Stationen der letzte große Erfolg in Magaths Laufbahn. Beim FC Schalke wurde Magath zwei Jahre darauf in Abstiegsnöten entlassen und für die Verpflichtung vertragsloser Spieler, die lange über ihrem Zenit waren, in den Medien als "Ramschkönig" verspottet.

Nachdem er nach seiner Rückkehr zum VfL Wolfsburg auf Platz 18 gehen musste, konnte Magath seinen nächsten Arbeitgeber, den FC Fulham, nicht vor dem Abstieg aus der englischen Premier League retten. Sein Team verpatzte auch den Saisonstart in der zweiten Liga. Magath wurde erneut auf dem letzten Platz entlassen. Es folgte ein Engagement in China und bei einem fränkischen Druckereiunternehmen als "Global Sports Director". Global bedeutete in diesem Fall die sportliche Kontrolle über die Würzburger Kickers und Admira Wacker aus dem österreichischen Mödling. Magath trat im März 2021 zurück. Zwei Monate später stieg Würzburg sang- und klanglos als Tabellenletzter ab.

Magath setzt auf Fitness

Wie ist Fredi Bobic bei der Suche nach dem Retter in der Not also ausgerechnet auf Felix Magath gekommen? Die Antwort könnte ungefähr 20 Jahre in der Vergangenheit liegen. Denn in einer Zeit, als so mancher Spieler im Kader der Alten Dame noch nicht geboren war, rettete Magath den Hamburger SV, Eintracht Frankfurt und den VfB Stuttgart in brenzligen Situationen vor dem Abstieg. Außerdem erwarb er sich mit harten Trainingsmethoden den Spitznamen "Quälix". Fußball-Profi Bachirou Salou sagte mal, dass "Felix Magath der letzte Diktator Europas" sei und Jan-Aage Fjörtoft verglich das Training mit einem Zahnarzttermin. Magath selbst betätigte sich als Hobby-Linguist und erklärte: "Qualität kommt von Quälen."

Sprüche wie dieser könnten Fredi Bobics Entscheidung beeinflusst haben. Noch vor einer Woche stärkte er Korkut den Rücken. Nach der Niederlage gegen Frankfurt berief Bobic eine Aussprache mit der Mannschaft ein. Sein Fazit: "Die Spieler haben erkannt, dass sie das Problem sind." Nach der Niederlage gegen Mönchengladbach musste auch Bobic eingestehen, was lange offensichtlich war. Der freundliche Tayfun Korkut erreichte die Truppe nicht. Für Bobic scheint der Fitnessfanatiker "Quälix" die Lösung zu sein. Magath habe schon oft bewiesen, dass er mit seiner immensen Erfahrung, seiner Art und seiner Ausstrahlung an den richtigen Stellschrauben drehen könne, erklärte der Geschäftsführer. Doch die Fitness scheint keine dieser Stellschrauben zu sein, gegen Gladbach liefen die Herthaner über fünf Kilometer mehr als der Gegner.

Magath hält nicht viel von Taktik

Trotzdem gelang es Hertha erneut nicht, ein Tor zu erzielen. Mit nur 284 Schüssen sind die Berliner das zweitschlechteste Team der Liga. 60 Gegentore sorgen für eine miserable Tordifferenz von -34. Korkut, dessen Verpflichtung Bobic damit begründete, dass er im Gegensatz zu seinem Vorgänger Dardai in der Lage sei, dominanten Offensivfußball spielen zu lassen, setzte in seinem letzten Spiel auf ein 5-3-2-System mit acht defensiv denkenden Feldspielern. Wer Herthas fußballerische Probleme in allen Einzelheiten aufzählen wollte, müsste sich mindestens einen Nachmittag freinehmen. Aber wer mit Magath einen Trainer erwartet, der besonders großen Wert auf eine taktische Lösung der Hertha-Krise setzt, sieht sich getäuscht.

"Ich halte nichts davon, was man heute macht. Also das Spiel allein taktisch zu beurteilen und aufzubauen", sagte Magath, als er im vergangenen September auf Bayern-Trainer Julian Nagelsmann angesprochen wurde und fügte spöttisch hinzu: "Damit manifestiert man das Mittelmaß und macht das Spiel uninteressant." Man könnte entgegenhalten, dass Hertha BSC sich gegenwärtig wohl ganz gerne im Mittelmaß manifestieren würde. Sicher ist, dass Magath die Aufstellung seiner Mannschaft pragmatischer angehen wird als sein Vorgänger. Korkut hielt in den letzten Wochen lange stur an seinen spielerischen Ideen fest, obwohl diese offensichtlich nicht zu den Qualitäten seiner Spieler passten.

Fredi Bobics letzte Patrone

Sowohl die Zusammenstellung der Mannschaft als auch die Entlassung von Pal Dardai, das lange Festhalten an Korkut und die überraschende Verpflichtung von Felix Magath liegen in der Verantwortung von Fredi Bobic. Deshalb hängt auch für den Geschäftsführer viel von Magaths Erfolg in den letzten acht Spielen ab.

"Uns allen ist die aktuelle sportliche Lage bewusst und ich bin gerne bereit, Hertha BSC mit all meiner Erfahrung dabei zu helfen, das Ziel Klassenerhalt zu erreichen", floskelte sich Magath durch die Vereinsmitteilung zu seiner Ernennung. Kein Wunder, dass er seine Erfahrung betont. Denn Magaths Methoden hält in der Bundesliga eigentlich niemand mehr für zeitgemäß. Auch deshalb hat er bei diesem Engagement am wenigsten zu verlieren.

Sendung: rbb24, 14.03.2022, 18 Uhr

Beitrag von Till Oppermann

20 Kommentare

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  1. 19.

    Hay,Josef
    Fehler muss mann zugeben
    Was sie schreiben ist richtig
    Habe die Zeit von Felix Magath bei Bayern München ehrlich gesagt total vergessen, das war Magaths beste Zeiten bei Bayern und Wolfsburg
    Das ist aber auch schon ein bisschen Herr
    Hoffe das er gesundheitlich stabil ist bei dieser Mannschaft, die ja keine ist

  2. 18.

    Muss meinen Beitrag von gestern Nachmittag revidieren. Mir war nicht bewusst, dass Herr Magath das doppelte Double mit dem FC Bayern gewonnen hat. Abstieg verhindert hat er wohl auch schon. Hab trotzdem meine Zweifel, aber das soll meine Ahnungslosigkeit von gestern nicht entschuldigen. Bitte senden.

  3. 17.

    Mein Zaubertrank ist Rot und Weiß , wird in Köpenick gebraut und hat derzeit schon 38%.

  4. 16.

    Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, schon früher Kerzen zu stiften ? Zeit war ja lange genug und am Geld kann es auch nicht gelegen haben. Wenigstens gibt's noch ordentlichen Nervenkitzel als kostenlose Zugabe.

  5. 15.

    Leute nun mal ganz entspannt...schafft er den klassenerhalt stifft ich ne Kerze...wenn nich passiert das was alle so unken...meine meinung...ich kauf schon mal ne Kerze...

  6. 14.

    Jo. Quälix kann vll. aus den Spielern Treffnix, Haltnix, Schnallnix und Schmollfix doch noch Fußballer machen. So'n Methusalix kann 'n ganz schön unbequemer Knochen sein. Stellen sie sich vor, Herthaline mit dem Pokal auf dem Arvernerschild. Da strahlt die Gutemine.

  7. 13.

    Ich hätte gerne das Rezept für den Zaubertrank, der Ihnen soviel Optimismus einhaucht! Ich bin nämlich leider nicht als Kind in den Kessel gefallen.

  8. 12.

    Die Wette gilt!
    Allerdings muß er dafür den Jungs die Ohren ganz schön lang ziehen... Aber das kann er ja.

  9. 11.

    Träumen ist ja was tolles, aber meist sind Träume auch Schäume. Wir reden mal nach den nächsten beiden Spielen weiter.

  10. 10.

    4 Siege und ein Remis und es reicht. Sollte bei dem Anspruch und den kommenden Gegnern problemlos möglich sein. Fürth steigt ab und Bielefeld und Stuttgart kloppen sich um den Relegationsplatz. Hertha läuft auf 14 ein.

  11. 9.

    Gebt dem neuen Trainer eine Chance ! Schlechter als bei Korkut kann es gar nicht mehr werden.
    Es ist schon herausfordernd genug in 8 verbleibenden Spielen den Abstieg zu verhindern. Keine leichte Aufgabe für Felix .

  12. 8.

    ... das wars dann wohl für Hertha in der ersten Bundesliga! Schade eigentlich

  13. 7.

    Wünsche Dem Quälix, viel Spaß mit dieser sogenannten Mannschaft
    Begleitet der Quälix Hertha auch in die 2. Liga oder gilt der Vertrag wirklich nur bis zum Saisonende
    Mal gespannt, ob Josef und Heinz sich wieder melden

  14. 6.

    Erstmal machen lassen und dann wird man sehen

  15. 5.

    Wieviel hat man ihm geboten. Aber vielleicht können ihn die Spieler leiden und spielen jetzt besser.

  16. 4.

    Ausser die Meisterschaft 2009 mit Wolfsburg hat Magath nur eins erreicht, die Clubs in Abstiegsnöte gebracht
    So geht's auch mit Hertha
    Was will Hertha denn in der 1. Liga bleiben
    Um nächstes ja wieder gegen den Abstieg zu spielen
    Lieber jetzt der Abstieg, vielleicht dann neu aufbauen
    Aber ohne 375 Millionen Euro in den Sand zu setzten

  17. 3.

    ...und in der 2.Liga, kommt König Otto zurück. Oh Hertha, wat is nur aus dir jeworden?!

  18. 2.

    Nun soll also Quälix die alte Dame Hertha mit Trainingsmethoden aus der Mottenkiste retten.

  19. 1.

    Nö, weil es ja nicht am Trainer lag sondern an der Mannschaft - wie letzte Woche auf rbb24 zu lesen war. Gruss ihr Fussballhasser Nr 1.

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