Jahrzehntelanger Rathenow-Trainer Ingo Kahlisch - "Aus einem Brauereipferd macht man keinen Galopper"

Mo 21.03.22 | 17:17 Uhr | Von Lukas Witte
Der Trainer von Optik Rathenow Ingo Kahlisch (imago images/Jan Huebner)
Bild: imago images/Jan Huebner

Der ewige Trainer von Optik Rathenow, Ingo Kahlisch, hat mit dem Verein von Aufstieg bis Abstieg alles erlebt. Auch in dieser Saison kämpft seine Mannschaft wieder um den Klassenerhalt - und bewegt sich dabei am Rande ihrer Möglichkeiten.

Ingo Kahlisch kann im Fußball nicht mehr viel überraschen. Schon gar nicht der Abstiegskampf. "Das ist für Optik Rathenow irgendwie normal", sagt Kahlisch. Der 65-Jährige ist seit fast 33 Jahren Trainer bei Rathenow und hat mit dem Verein schon viel erlebt. Unter anderem mehrere Abstiege aus der Regionalliga. Auch in diesem Jahr sieht es wieder danach aus, als würden die Brandenburger eine Klasse tiefer rutschen.

Am Rande der Möglichkeiten

Rathenow ist derzeit Achtzehnter der Regionalliga Nordost und steht somit auf einem sicheren Abstiegsplatz. Auch wenn Trainer Kahlisch das schon kennt, gelassen ist er nicht. "Wir ergeben uns nicht und sagen, dass wir nicht mehr wollen. Wir wollen schon und es tut weh, wenn man verliert. Aber man muss auch gucken, was möglich ist." Auch in den vergangenen drei Saisons kämpfte er mit seinem Team um den Klassenerhalt.

Die Mannschaft von Kahlisch bewegt sich in der Regionalliga am Rande ihrer Möglichkeiten. Es fehlt vor allem an individueller Qualität. Rathenow sei nicht gerade die erste Adresse für außergewöhnlich talentierte Spieler, sagt der Trainer. Die würden in der Regionalliga eher nach Babelsberg oder Altglienicke gehen. Zu Optik ziehe es vor allem junge und unerfahrene Spieler aus den Jugendleistungszentren. "Wir haben 14 oder 15 Spieler unter 21 Jahren. Die müssen sich erst entwickeln und das ist in der Liga schwierig", sagt der Trainer.

Die Regionalliga ist eine Semi-Profiliga. Bei den großen Vereinen wie Energie Cottbus, Babelsberg oder Lok Leipzig konzentrieren sich die Spieler voll auf ihre Fußball-Karriere. Das ist in Rathenow anders. "Unser Konzept ist Arbeit, Schule, Studium und Fußball", erzählt Kahlisch. Für den kleinen Verein hält er das auch genau für richtig. Schließlich wolle man, dass die jungen Spieler auch abseits des Rasens eine gute Perspektive haben.

Letzter Abstieg 2016

Die sportliche Situation bei Optik ist für den Trainer also nicht Ausdruck von schlechter Arbeit, sondern die logische Konsequenz der vorhandenen Möglichkeiten. "Unser Problem ist, dass viele denken, es wäre normal, wo wir spielen", sagt Kahlisch. "Aus einem Brauereipferd macht man aber keinen Galopper. Für uns ist die Regionalliga die Champions League und es ist eine Besonderheit, dass so ein kleiner Verein da spielt", führt er fort.

Das letzte Mal ging es 2016 runter in die Oberliga. Damals schaffte Kahlisch nach nur zwei Jahren den Wiederaufstieg. Ob ihm das wieder so schnell gelingt, weiß er nicht. "Es war damals nie die Zielsetzung, direkt wieder aufzusteigen. Wenn es wieder runter geht, dann müssen wir uns erstmal neu sammeln", sagt er.

Generationskonflikt mit der Mannschaft

Erstmal sind aber noch acht Spiele in dieser Saison zu absolvieren und Kahlisch wird mit seiner Erfahrung versuchen, auf die Mannschaft einzuwirken und doch noch den Klassenerhalt zu schaffen. Mit seinen jungen Spielern tut sich der 65-Jährige dabei manchmal schwer. Nicht immer würde sein Team auf seine erfahrenen Worte hören. "Die haben heute alle schlaue Berater und wissen alles besser", sagt er.

Seit 1989 ist Kahlisch Trainer bei Rathenow und so ist ein kleiner Generationskonflikt im Jahre 2022 wohl nicht zu vermeiden. Aber Kahlisch glaubt zu wissen, wie er auch das beiseitelegen und langfristig mit seinem Team erfolgreich arbeiten kann. "Ich mache das ja schon ein paar Jahre. Im Leben zahlt es sich immer aus, wenn man solide, vernünftig und ehrlich arbeitet. Und genau das werde ich weiter machen", erzählt der ewige Trainer.

Damit er das auch künftig in der Regionalliga so machen kann, müssen allerdings schnell Punkte her. Die nächste Chance auf einen Sieg hat Optik nach der Länderspielpause. Am 02. April sind sie zu Gast beim Tabellenneunten FSV Luckenwalde, bevor sie nur drei Tage später den Spitzenreiter BFC Dynamo in Rathenow empfangen.

Sendung: rbb24, 15.03.2022, 21.45 Uhr

Beitrag von Lukas Witte

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