Rückkehr nach Köpenick mit Köln - Die besondere Beziehung des Steffen Baumgart zum 1. FC Union

Do 31.03.22 | 13:49 Uhr | Von Jakob Rüger und Jonas Bürgener
Steffen Baumgart während des Spiel des 1. FC Köln gegen Borussia Dortmund. Quelle: imago images/Revierfoto
Audio: rbb24 Inforadio | 31.03.22 | 8:15 Uhr | Jakob Rüger | Bild: imago images/Revierfoto

Zwei Jahre spielte Steffen Baumgart für Union - eigentlich keine allzu lange Zeit. Das Verhältnis zwischen dem heutigen Trainer und seinem Ex-Klub ist dennoch besonders. Am Freitag kehrt er zum Auswärtsspiel nach Köpenick zurück. Von J. Rüger und J. Bürgener

Das Fußballherz von Köln-Trainer und Ex-Unioner Steffen Baumgart ist groß und hat offenbar viel Platz. Seine Profi-Karriere begann der 50-Jährige einst bei Hansa Rostock. "Das ist mit der wichtigste Verein, den es gibt für mich. Warum? Weil ich mit Hansa groß geworden bin", sagt er über den Klub, der mittlerweile wieder in der zweiten Fußball-Bundesliga spielt. Seit Kindheitstagen begleitet Baumgart zudem einen weiteren Verein aus Deutschlands Norden: den HSV. "Wenn es einen Verein gibt, mit dem ich wirklich mitfiebere, auch damals in der Relegation, dann ist es der HSV", so Baumgart über die Rothosen.

Seit letztem Sommer entwickelt sich nun eine innige Beziehung zwischen Baumgart und seinem neuen Arbeitgeber, dem 1. FC Köln. "Mit meinen Worten: Es knallt an allen Ecken und Kanten", beschreibt Baumgart sein Verhältnis zum "Effzeh" gewohnt schlagfertig.

Doch insbesondere Baumgarts Beziehung zu seinem Ex-Klub, dem 1. FC Union, für den er von 2002 bis 2004 63 Mal auf dem Rasen stand, wird wohl immer besonders und einzigartig bleiben. In Köpenick, wohin Baumgart am Freitag (20:30 Uhr) mit Köln zum Auswärtsspiel zurückkehren wird, hat der gebürtige Rostocker trotz seines derzeitigen Engagements im Rheinland weiterhin eine Wohnung, ist bei Union Vereinsmitglied sowie Teil der Traditionsmannschaft und findet ausschließlich positive Worte für den Verein aus dem Berliner Osten.

Baumgart auch weiterhin Union-Fan

"Seitdem ich 2002 dorthin gegangen bin, verfolge und begleite ich den Verein. Es ist kein Geheimnis, wie ich zu dem Klub stehe", sagt Baumgart, der nicht damit zurückhält, auch weiterhin und trotz seiner Arbeit für andere Vereine Fan der Eisernen zu sein - und beschreibt, was er an dem Klub so schätzt: "Dass Union für viele Familie ist. Das lebt Union."

Die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit. Wann immer Baumgart im Stadion An der Alten Försterei zu Gast ist, wird er von den Union-Fans herzlich begrüßt und gefeiert. Sie schätzen ihn für seine ganz spezielle Art, die der Trainer selbst so beschreibt: "Gerade, direkt, nicht immer höflich, nicht immer nett, aber immer um die Sache bemüht."

Michel: "Er entfacht eine Magie im Verein"

Damit hat Baumgart in seiner Trainer-Karriere Erfolg. Den 1. FC Köln hat er in dieser Saison wachgerüttelt, auch hier wird er von den Fans geschätzt. Baumgarts graue Schiebermütze, die er bei Spielen tief ins Gesicht gezogen trägt, ist im Fanshop längst zum Kassenschlager geworden.

Auch Sven Michel, Unions Winterneuzugang, kennt Baumgart aus gemeinsamen Paderborner Zeiten bestens und ordnet dessen gute Arbeit in der Domstadt nicht zurückhaltend ein: "Wenn er so weitermacht, bauen sie im da ein Denkmal", so Michel.

Mit dem SC Paderborn stiegen Stürmer Michel und Trainer Baumgart 2019 sensationell in die Bundesliga auf. Michel glaubt, dass sein ehemaliger Coach daran einen großen Anteil hatte. "Er als Person holt einen ab", sagt der 31-Jährige. "Er entfacht eine Magie im Verein, hinter der alle stehen. Da haben alle Bock drauf und machen mit."

Emotional an der Seitenlinie und im Wohnzimmer

Michel kennt aber auch die harte Seite Baumgarts: "Wenn nicht mitgezogen wird, dann knallt es auch mal." Wie emotional der Trainer am Spielfeldrand wird, lässt sich Woche für Woche im Stadion und Fernsehen verfolgen. Dass Baumgart - wie im Fußball gerne gesagt wird - positiv verrückt ist, wird aber auch während eines Köln-Spiels, das Baumgart nur aus der Corona-Quarantäne verfolgen konnte, deutlich. Das Video der emotionalen Ausbrüche im heimischen Wohnzimmer während der Partie seiner Mannschaft geht im Internet viral.

Besondere Bezierhung ruht für 90 Minuten

Ähnlich enthusiastisch wird Baumgart auch am Freitag in der Alten Försterei zu erleben sein, wenn er mit seinem neuen Klub bei seiner alten Liebe antritt. Die besondere Beziehung zum 1. FC Union muss dann zumindest für 90 Minuten mal ruhen.

Sendung: rbb24 Inforadio, 31.03.22, 8:15 Uhr

Beitrag von Jakob Rüger und Jonas Bürgener

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