Hertha-Trainer muss gehen - Das unausweichliche Korkut-Aus

So 13.03.22 | 16:56 Uhr | Von Marc Schwitzky
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Tayfun Korkut (l.) im Dezember mit Hertha-Manager Fredi Bobic (r.). Bild: imago images/Nordphoto
Audio: inforadio | 13.03.2022 | Jakob Rüger | Bild: imago images/Nordphoto

Hertha BSC hat sich nach neun sieglosen Spielen infolge von Cheftrainer Tayfun Korkut getrennt - eine Entscheidung, die schon vor dem 0:2 bei Mönchengladbach unausweichlich schien. Nun rückt Geschäftsführer Fredi Bobic in den Fokus. Von Marc Schwitzky

"Man darf jetzt nicht alles so schlecht reden, wie es war." Dieser Satz, den ein gewisser Fredi Bobic einst als Spieler von sich gab, beschreibt die Situation von Hertha BSC im März 2022 mehr als treffend. Denn jede nüchterne Beschreibung der Lage des Hauptstadtvereins wirkt vielmehr wie eine maßlose Übertreibung, so sehr brennt es bei der "alten Dame".

Ein offener Disput zwischen Präsidium und Investor, ein immer kritischer beäugter Geschäftsführer, ein vorzeitig gehender Sportdirektor, ein dysfunktionaler Kader, kein Sieg im Jahr 2022, fünf Niederlagen in Serie und das Abrutschen auf Tabellenplatz 17 - Hertha BSC hat mehr Baustellen als die Stadt Berlin selbst. Die vorläufige Klimax dieser Tragödie ist am Sonntagvormittag erreicht: Mit Tayfun Korkut muss bereits der zweite Cheftrainer der laufenden Spielzeit seinen Stuhl räumen.

Korkut und Bobic haben verzweifelt alle Register gezogen

Korkuts Aus ist die zwangsläufige Reaktion auf das erneut schwache Spiel und die verdiente 0:2-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach.

Schon als Hertha zuhause gegen Eintracht Frankfurt kläglich mit 1:4 untergging, waren die Stimmen, dass es mit Korkut nicht weitergehen könne, unüberhörbar. Doch Geschäftsführer Fredi Bobic stellte sich noch vor den Trainer, den er Ende November letzten Jahres gegen Pal Dardai eintauschte - eine Entscheidung, an der womöglich auch endgültig das Verhältnis zu Ex-Sportdirektor Arne Friedrich zerbrach.

In den Tagen vor dem Endspiel in Mönchengladbach wurden schließlich alle Register gezogen: Eine Aussprache zwischen Bobic und Mannschaft, eine öffentlichkeitswirksame Brandrede Korkuts auf dem Trainingsplatz, ein Mannschaftsabend. Letztendlich wurde sogar das gesamte taktische Korsett Korkuts über Bord geworfen, um eine Dardai-eske Defensivtaktik zu etablieren. Kurzum: Es wurden sämtliche Möglichkeiten ausgeschöpft, um aus sich selbst heraus ein Momentum zu erzeugen. Doch gemessen an dem ausgebliebenen Erfolg mutete all das eher wie Aktionismus an - ein Zustand, in den Bobic und Korkut, wie sie selbst wochenlang bekräftigten, nie verfallen wollten.

Niederlage mit Ansage

Dieser Aktionismus spiegelte sich direkt in der Aufstellung, die Korkut gegen die Borussia wählte, wieder. Im ungewohnten 5-3-2 formierten sich die Berliner. Auf das Defensiv-Debakel gegen Frankfurt folgte die defensivste Formation wie auch Besetzung, die Korkut nur finden konnte. Tempo, Kreativität, Dribbel- oder Passstärke? Fehlanzeige. Stattdessen wollte Hertha möglichst tief stehen, die defensive Stabilität wahren und offensiv auf lange Bälle, Halbfeldflanken wie auch das Gewinnen zweiter Bälle setzen.

Spieler wie Alexander Schwolow, Kapitän Dedryck Boyata, Suat Serdar oder Marco Richter saßen nur auf der Bank oder waren gar nicht erst mitgefahren. "Wir werden sicher nicht den Bus parken", versicherte Korkut noch auf der Pressekonferenz vor dem Spiel. Die gesamte Ausrichtung sprach jedoch eine völlig andere Sprache.

Denselben Ansatz für ein Spiel wählte der 47-Jährige übrigens auch in seinem letzten Spiel als Trainer des VfB Stuttgart. Im Oktober 2018 verwarf Korkut gegen Hannover 96 seine favorisierte Taktik, verbarrikadierte sich stattdessen im - Achtung - sehr defensiven 5-3-2 und verlor mit seiner apathisch wirkende Mannschaft verdient mit 1:3. Danach musste Korkut gehen. Geschichte wiederholt sich.

Das 0:2 in Mönchengladbach erzählte keine neuen Geschichten. Es war der übliche Mix aus Verunsicherung, individuellen Fehlern, fehlender Idee mit Ball und einem kopflosen wenn auch motivierten Anrennen, wenn das Spiel quasi schon entschieden ist. Den Blau-Weißen war der Wille nicht abzusprechen, doch wie schon seit vielen Wochen brachten sie ihren Gegner nie ins Wanken, es fehlte an Widerstandsfähigkeit und einer einenden Idee. Der jüngste Auftritt war nicht einmal der schlechteste unter Korkut, doch nach all den Wochen, nach all den Maßnahmen der letzten Tage keinerlei neue Erkenntnisse oder gar ein Erfolgserlebnis verbuchen zu können, machte eine Trennung unausweichlich.

Dardai-Entlassung erstrahlt mittlerweile in neuem Licht

Mit 23 Punkten nach 26 Partien wird klar, dass Hertha BSC eben nicht besser als eine Mannschaft im Abstiegskampf ist. Fredi Bobic hatte eine andere Wette abgeschlossen, als er Pal Dardai nach 13 Spieltagen entließ. Fehlende Entwicklung und ein regelmäßiges Einbrechen sind damals die Argumente. Fakt ist allerdings, dass sich diese Parameter unter Korkut nicht verbesserten, sondern vielmehr verschlechterten. Während Hertha unter Dardai nach schwachen Spielen auch immer wieder eine Antwort in Form von Ergebnissen fand, kroch sie unter Korkut von einem Debakel in das nächste. Bobic dachte, dass die Mannschaft besser ist, als das, was sie unter Dardai gezeigt hatte. Der Trainerwechsel stellt sich im Nachhinein als klare Fehlentscheidung heraus - manch einer wird sagen: mit Ansage.

Als im Dezember sieben Punkte aus vier Spielen geholt wurden, schien es, als habe Korkut das theoretisch gedachte Potenzial der Mannschaft kurzzeitig wecken können. Doch daran konnte Hertha im Anschluss nie wieder anknüpfen. Täglich taten sich neue Baustellen auf, und Korkut, der zuvor predigte, sich an den Eigenschaften der Spieler orientieren zu wollen, stellte sich als alles andere als einen Pragmatiker heraus. Er hielt stur an seiner Spielidee fest, die das sichtlich verunsicherte Team schlicht überforderte. Hinzu kommt, dass Spieler und Trainer sich nie wie eine Einheit anfühlten. Und vielleicht hat Korkut diese Mannschaft nicht verloren - weil er sie nie für sich gewonnen hatte. Aufgrund der vielschichtigen Probleme dieses Kaders war Korkut sicher nicht das alleinige Problem, jedoch auch nie die Lösung.

Und Fredi Bobic sieht sich mit einer folgenschweren Fehleinschätzung konfrontiert. Vieles, was Bobic bislang angestoßen hat in Berlin, soll perspektivisch Wirkung zeigen. Doch es scheint, als habe er dabei die Herausforderungen des Hier und Jetzt unterschätzt. Symbolisch dafür stehen die im Winter getätigten Transfers, die trotz der damals bereits prekären Situation Herthas erst zukünftig fruchten sollen. Die einzige Soforthilfe, der aus Stuttgart gekommene Marc Kempf, ist momentan vielmehr eine weitere Hypothek denn eine Verstärkung.

Dardai 3.0 wird es nicht geben

Der Blick auf die Zeit vor und nach Dardai legt die These nahe, dass der Ungar vermutlich nahezu das Maximum aus einer schräg zusammengestellten Mannschaft herausgeholt hatte. Die aktuelle Situation wäre wie gemacht für ihn: eine zersplitterte und bis ins Mark verunsicherte Mannschaft ohne Führungsspieler, die neben einem fußballerisch einfachen Plan auch menschliche Wärme braucht. Doch das Tischtuch zwischen Dardai und Bobic scheint zerschnitten, der Rauswurf im vergangenen November hatte nicht nur sportliche Gründe. Kurzum: Dardai wird nicht zurückkommen.

Branchen-üblich geistern nun viele Namen durch die Gerüchteküche. "Über die Nachfolge auf dieser Position werden wir informieren, sobald diese Personalie abschließend geklärt ist", heißt es in der Pressemeldung des Vereins. Egal, wer für Korkut übernehmen wird, die Aufgabe, Hertha in der Klasse zu halten, kommt einem Himmelfahrtskommando gleich. An solche sind sie in der Hanns-Braun-Straße mittlerweile aber ja gewöhnt.

Sendung: Abendschau, 13.03.22, 19:30 Uhr

Beitrag von Marc Schwitzky

14 Kommentare

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  1. 14.

    Die ganze Schachtelhuberei um Bobic und sein Spetzel Korkut war überflüssig wie ein Kropf.Dardai hatte diese Mannschaft mit seiner Taktik auf dem richtigen Weg.Er redet nicht getragen und rethorisch sondern "wichtig ist auf dem Platz".Magath drückt bestimmt die richtigen Knöpfe aber Dardai hatte das schon getan.Er hatte Gehör und Respekt bei der Mannschaft und er war knallhart wen es um mangelhafte Arbeitsauffassung ging.Friederich stand mit Sicherheit zu 100 Prozent hinter ihm.Leider war der unsägliche Vasalle Preetz der auch noch Klinsmann weggebissen hatte viel zu lange in der Verantwortung.Ubd jetzt die totale Fehlentscheidung Bobic mit seiner Personalpolitik.

  2. 13.

    Magath wird neuer Trainer bei Hertha. Habe ich eben bei Tagesschau.de gelesen.

  3. 12.

    Josef
    Sie sitzen doch selbst im Glashaus und werfen die ganze Zeit mit Steine
    Was ist bei Hertha gut
    Miese Mannschaft
    Mieser Vorstand
    Mieses Management
    Und ein ganz mieses Auftreten in der Öffentlichkeit

  4. 11.

    Das erste Mal, wo ich Ihnen recht gebe, zumindest in Teilen
    Das kam auch bei uns Fans nicht gut an, trotzdem haben hier den eigenen Verein nicht so " Runter " gemacht wie es hier passiert
    Das Stadion ist viel zu Gross, und ein gewisser Herr Jäggi hat den Verein völlig an den Rand des Abgrund gebracht, und Hertha muss aufpassen das es nicht den selben Weg geht

    Hier geht mann jetzt den Weg mit einer Investorengruppe, die übrigens nur aus regionalen Investoren besteht und keine 375 Millionen verbraten lässt , sich neu aufzubauen
    Der Anfang ist gemacht, der Aufstieg in die 2. Liga möglich,
    Aber wir sehen es realistisch, der Weg in die Bundesliga wird noch sehr lange, wenn er überhaupt gelingt
    Da stehen solche Reinen Investorenclubs wie Hoffenheim, Leipzig und seit neuesten Hertha im Weg
    Investoren braucht jeder Verein, aber 375 Millionen verbraten und keine bessere Mannschaft zu haben als andere Clubs mit 10 Millionen ist eine schwache Leistung

  5. 10.

    Stimmt irgendwie, aber der rbb berichtet auch über andere Sportvereine und andere Ereignisse. Und das ist richtig so. Man kann nicht nur rund um die die Uhr Nachrichten vom Krieg gegen die Ukraine und von Corona hören. Sonst wird man vollkommen verrückt.

  6. 9.

    Hallo Jup, dass Management in deinem
    Verein ist ja auch in den letzten Jahren ganz toll gewesen. Nicht umsonst ging es bis in die 3. Liga. Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen.




  7. 8.

    Hurra, der Magath ist da , klasse

  8. 7.

    Die Gesellschaft geht einen Abgrund entgegen, der Mittelstand steht auf der Kippe, die Bevölkerung weiß nicht wie die Energiekosten gedeckt werden sollen und und und…… rbb24 berichtet über einen Verein der 370 Millionen € in den Abstieg in die 2 te Liga investiert…. Ich empfinde dies echt als pervers… traurig ist es allemal

  9. 6.

    Unausweichlich wäre, das auch das gesamte Management und der gesamte Vorstand seinen Hut nehmen würde
    Hertha ist echt der Dämlichste Verein, den es in Deutschland gibt
    Viel Spaß in Sandhausen, Heidenheim usw.

  10. 5.

    Unausweichlich wäre, das auch das gesamte Management und der gesamte Vorstand seinen Hut nehmen würde
    Hertha ist echt der Dämlichste Verein, den es in Deutschland gibt
    Viel Spaß in Sandhausen, Heidenheim usw.

  11. 4.

    Und nun? Noch ein Trainer bringt es auch nicht. Aber ich lass mich gern eines besseren belehren. Zum Glück haben wir ja noch Union !!!

  12. 3.

    Bobic hätte sich nicht vom Trainer trennen sollen, sondern mit ihm gemeinsam Herta verlassen müssen. Ansonsten wird es nichts mit einem Neuanfang. Aber solange man den Verein noch melken kann.

  13. 2.

    Danke, Bobic, für nichts … Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal Preetz nachtrauern müsste.

  14. 1.

    Das Problem ist oder war nicht der Trainer. Es ist die Mannschaft.

    Zudem ein solcher Narzist als Manager das kann und wird nicht funktionieren.

    Wenn Hertha wirklich so wie Bayern München mal werden will, muss es von null anfangen. Und am besten in def zweiten Liga.

    Punkt, Aus; Komma Strich fertig ist das Mondgesicht.

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