Vorbericht Union Berlin - VfB Stuttgart - Auf der Suche nach der Belohnung

Do 10.03.22 | 18:06 Uhr | Von Ilja Behnisch
Union Berlin nach dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg (imago images/Christian Schroedter)
Bild: imago images/Christian Schroedter

Vor dem 26. Spieltag in der Fußball-Bundesliga zeigt man sich bei Union Berlin eigentlich recht zufrieden. Wenn da nur nicht die gleich vier Corona-Fälle wären. Und die Sache mit dem Tore schießen.

Das Personal

Während die mögliche Zuschauer-Auslastung im Stadion An der Alten Försterei im Spiel gegen den VfB Stuttgart auf 75 Prozent (und damit 16.509 Zuschauer) steigt, zeigt die Mannschaft von Union Berlin, dass die Corona-Pandemie mitnichten ausgestanden ist. Mit Torhüter Andreas Luthe, Stürmer Kevin Behrens und den Mittelfeldspielern Levin Öztunali und Genki Haraguchi befinden sich gleich vier Profis in Corona-Quarantäne und somit am Samstag keinesfalls im Spieltagskader. Am spannendsten dürfte dabei die Besetzung im Mittelfeld werden, da Haraguchi und Öztunali häufig im Wechsel füreinander spielten. Möglich, dass Trainer Urs Fischer Sheraldo Becker etwas tiefer als zuletzt agieren lässt und dafür Winterneuzugang Sven Michel in die Startelf rückt. Aber auch Kevin Möhwald, zuletzt zumeist eine der ersten Einwechsel-Spieler bei Union, ist eine Option. Neben den an Corona erkrankten Akteuren fehlt zudem Flügelspieler Keita Endo, der sich nach einer Knieverletzung weiterhin im Aufbautraining befindet.

Die Form

Nach den Siegen gegen Mainz (3:1) und im Pokal gegen den FC St. Pauli (2:1) wähnten sich die Unioner zurecht im Aufwind, nachdem die Mannschaft zuvor gleich drei Mal in Folge verloren hatte. Da erscheint die Niederlage vom vergangenen Spieltag in Wolfsburg zunächst wie ein gehöriger Dämpfer. Doch Union-Trainer Fischer zeigte sich auf der Spieltags-Pressekonferenz vor dem Duell mit dem VfB Stuttgart durchaus zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft: "Es gilt an die Leistungen der letzten drei Spiele anzuknüpfen. In Wolfsburg hat sich die Mannschaft am Ende einfach nicht belohnt. Es war eine tolle zweite Hälfte. Was gefehlt hat, war das Tor."

Der Gegner

Aus einem ausgemachten Formtief hat sich am vergangenen Spieltag der VfB Stuttgart befreit. Nach zuvor neun Bundesligaspielen ohne Sieg holte die Mannschaft von Trainer Pellegrino Matarazzo gegen Borussia Mönchengladbach erstmals wieder drei Punkte. Damit steht der VfB zwar immer noch auf Rang 17, aber eben nur noch einen Punkt hinter dem Relegationsplatz und somit Hertha BSC. Und während die Stuttgarter in den Vorwochen viele Spiele in den Schlussminuten hergaben, schien sich mit dem Siegtreffer in der 83. Minute auch hier das Schicksal zugunsten der Schwaben zu drehen.

Hoffnung schöpft Unions kommender Gegner zudem aus dem Umstand, dass mit Linksverteidiger Borna Sosa und Stoßstürmer Sasa Kalajdzic zwei absolute Leistungsträger des Vorjahres nach langen, verletzungsbedingten Ausfällen wieder zu alter Stärke zu finden scheinen. Auch deshalb sagte Trainer Matarazzo auf der Spieltags-PK: "Wir wollen den Schwung und die breite Brust mitnehmen." Andererseits erwarte er gegen "unangenehme und extrem zäh zu bespielende" Unioner ein ganz anderes Spiel als gegen Gladbach. Es seien vor allem "Geduld" und "taktische Disziplin" gefragt.

Unioner im Fokus

Es passierte Außergewöhnliches auf der Spieltags-Pressekonferenz von Union Berlin, denn: Urs Fischer legte sich fest. Und so verkündete der Schweizer, dass Frederik Rönnow für Andreas Luthe (Corona) das Tor hüten würde gegen den VfB Stuttgart. Sonderlich überraschend ist das freilich nicht, schließlich kam Rönnow in dieser Saison auch ohne von Erkrankungen seines Konkurrenten profitieren zu müssen, zu seinen Einsätzen. Und das mit beachtlichem Erfolg.

In den sechs Pflichtspielen, die Rönnow in Bundesliga, Pokal und Conference League in dieser Saison absolvierte, gab es für Union stolze fünf Siege und ein Unentschieden zu bejubeln. Das wiederum ergibt einen Punkteschnitt von 2,6 Zählern pro Partie, was auf die Bundesliga-Saison umgelegt locker zur Tabellenführung reichen würde - bei sieben Punkten Vorsprung auf den FC Bayern. Nun ist Fußball keine Mathematik, wie Bayern-Legende Karl-Heinz Rummenigge einst im Zorn über den Bayern-Trainer und studierten Mathe-Lehrer Ottmar Hitzfeld wütete, aber für ein gutes Omen reicht es allemal.

Besonderheiten

Die Mannschaft habe unter der Woche "gut gearbeitet", so Urs Fischer, der zwar davon ausgehe, dass mit Stuttgart eine "schwierige Aufgabe" warte, aber eben auch eine, die "wir lösen können". Klingt wieder gefährlich nach Mathematik, deshalb schnell den Fokus auf jene Besonderheit, die eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte: ein volles Stadion. Also ein fast volles Stadion. "Jeder Zuschauer mehr im Stadion hilft uns", so Urs Fischer angesichts der nun 75-Prozent-Auslastung.

Sendung: rbb24, 10.03.2022, 18 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

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