Babelsberg-Vorstand Katharina Dahme - "Ich finde eine Quote sympathisch"

Fr 04.03.22 | 15:18 Uhr | Von Shea Westhoff
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Die Doppelspitze des SV Babelsberg 03: Björn Laars und Katharina Dahme
Katharina Dahme bildet neben Björn Laars den Vorstand von Babelsberg 03. Video: Max Zobel | rbb24 | 26.02.2022 | Bild: Babelsberg 03

Dient Katharina Dahme als Vorbild für den deutschen Profifußball? Gemeinsam mit Björn Laars bildet sie seit gut einem halben Jahr erfolgreich die Doppelspitze des SV Babelsberg 03. Doch auch im Jahr 2022 sieht sie sich Vorurteilen ausgesetzt.

Katharina Dahme ist glühende Anhängerin des Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03. Jahrelang feuerte die gebürtige Potsdamerin ihren Lieblingsklub in der Kurve des Karl-Liebknecht-Stadions an, bevor sie ab 2013 Mitglied des Aufsichtsrats wurde. Seit Sommer 2021 steht sie dem Vorstand vor, leitet die Geschicke des Klubs in einer Doppelspitze mit Björn Laars.

"Manchmal hat man es noch nicht ganz realisiert, weil man ja auch Fan bleibt", sagt Dahme im Gespräch mit dem rbb. "Man geht ins Stadion zu jedem Spiel, fiebert mit, insofern wechselt man auch zwischen den Rollen als Fan und Repräsentantin des Vereins."

Regelmäßig mit Skepsis konfrontiert

Auch im Jahr 2022 ist es außergewöhnlich, dass in einer der oberen Ligen eine Frau die Geschicke eines Klubs führt. Weder in der Bundesliga, noch in der Zweiten oder Dritten Liga verfügen die Vereine über eine Frau in der Führungsetage. "Man weiß, man ist eine Ausnahme, und dann will man es nicht schlecht machen", sagt Dahme über ihre Arbeit.

Emprisch betrachtet ist es allerdings das andere Geschlecht, das unter besonderer Beobachtung stehen müsste: Es sind Männer, die ihre Aufgaben in Klub- oder Verbandsführungen regelmäßig in den Sand setzen. "Gerade im Fußballgeschäft fallen einem da viele Beispiele ein, sei es beim DFB oder auch darunter", stellt Dahme fest.

Doch das Fußball-Milieu ist im Bereich der gerechteren Geschlechter-Repräsentation rückständig. Regelmäßig sieht sich Dahme mit Skepsis konfrontiert, weil sie eine Frau ist. Oft schon sei sie gefragt worden, ob sie sich denn auch persönlich für Fußball interessiere. Eine Frage, die männlichen Fußball-Vorstandsmitgliedern eher selten gestellt werden dürfte.

Und seien die sanften Reaktionen.

Eine Quote könne helfen

In der VIP-Lounge habe sie Anhänger eines Gästevereins sagen hören, Frauen hätten im Fußball nichts zu suchen. In verschiedenen Stadien hört sie immer wieder frauenfeindliche Parolen, die etwa gebraucht werden, um Schiedsrichter zu beschimpfen. Als Frau müsse man sich im Fußballmilieu stärker behaupten, sagt sie.

Ob eine Frauenquote da unterstützend wirken könnte? "Ich finde eine Quote sympathisch, glaube auch, dass es richtig ist", sagt sie. In anderen gesellschaftlichen Bereichen habe man schließlich gesehen, dass es nicht reicht, auf Freiwilligkeit zu setzen. Eine Quote könne da helfen, es müsse auch kein 50-Prozent-Anteil sein, "sondern kann ja auch eine niedrigere Quote sein, die aber zumindest den Verein verpflichtet, sich um weibliche Kandidaturen für bestimmte Ämter zu bemühen".

Eine Frau an der Spitze eines Männervereins, heute noch ungewöhnlich. "Ich würde mir wünschen dass es in absehbarer Zeit Normalität wird, dass Frauen nicht mehr besonders beäugt werden", sagt sie. Dahme hofft auf ein kultrelles Umfeld, in dem Frauen Lust haben, sich in Gremien zu begeben.

"Es geht nicht um Mann oder Frau"

Der Babelsberger Weg scheint jedenfalls zu funktionieren. Es ist Ruhe eingekehrt im Klub, nachdem dieser in den vergangenen Jahren extreme Höhe und Tiefen durchlief. Während sich Dahmes Kollege Björn Laars vorrangig um die sportlichen Belange kümmert, ist sie die Frau für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. "Das passt einfach zusammen", sagt Laars und fügt hinzu: "Da geht es nicht um Mann oder Frau, sondern um das Verbinden von Stärken."

Dahme zeigt sich ebenfalls zufrieden: "Wir sprechen uns bei vielen Themen ab und sind oft einer Meinung. Trotzdem ist unsere Erfahrung gewesen, dass es immer hilfreich ist, im Vorfeld verschiedene Blickwinkel auf Fragen zu haben."

Verschiedene Blickwinkel, die Dahme nur zu gut vertraut sind: Sie schaut als Vorstands-Chefin auf den SV Babelsberg 03, aber auch als Fan.

Sendung: rbb24, 26.02.2022, 18 Uhr

Beitrag von Shea Westhoff

1 Kommentar

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  1. 1.

    Das Leistungsprinzip, wo es nicht darauf ankommt wer man ist oder wo man geboren ist (abgesehen vom biologischen Vorteil der Männer #Frauen-/Männerfußball), hat sich auf dem Rasen bewärt und sollte sich auch im Management durchsetzen. Biologische Unterschiede beim "denken" wird es ja wohl nicht geben.
    Und über die kleinkindliche Identifikationsphase werden (junge) Fußballer/-innen wohl hinweg sein.
    Wenn eine Quote hilft irrationale emotionale Resentiments zu überwinden - dann bitte eine Quote!
    Man sollte jedoch immer versönlich sein und versuchen mit Rationalität zu überzeugen.
    Denn Keinem ist geholfen, wenn zwischen Menschen Missgunst und Ablehnung herrscht.

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